Formel 1 - Verstappen feiert, Ferrari zofft

Max Verstappen beim GP von Brasilien

Großer Preis von Brasilien in Sao Paulo

Formel 1 - Verstappen feiert, Ferrari zofft

Von Christian Hornung

Nächster Ferrari-Eklat beim Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo: Kurz vor Schluss schossen sich Sebastian Vettel und Charles Leclerc gegenseitig aus dem Rennen. Der Sieg ging an den grandios fahrenden Max Verstappen im Red Bull.

Das Rennen war schon ruiniert, es ging am Ende nur noch um die Plätze vier und fünf für Vettel und Leclerc. Es kanllte trotzdem: Der Monegasse fuhr zunächst mit einem harten, aber fairen Manöver an Vettel vorbei, doch der konterte in seinem 100. Rennen für die Scuderia sofort. Dabei berührten sich die beiden "Roten" und schieden aus - begleitet von lauten Flüchen über den Boxenfunk. "Mein Gott, muss das sein?! So ein Bockmist aber auch!", schrie Vettel, und Leclerc brüllte: "Was zur Hölle macht der?"

Hamilton wird zurückgestuft

Verstappen an der Spitze beeindruckte der erneut eskalierte Zoff nicht: Der Niederländer fuhr einen großen Sieg nach Hause - völlig überraschend vor Pierre Gasly im Toro Rosso, der in einem chaotischen Finale sogar Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes in die Knie zwang. Hamilton verlor später nach dem Rennen nach einer Jury-Entscheidung auch noch den dritten Platz, weil er in der letzten Runde Alex Albon im zweiten Red Bull von der Strecke gerammt hatte. Rang drei ging dadurch an den Spanier Carlos Sainz im McLaren. Hamiltons Kommentar: "Ich akzeptiere das absolut."

Formel 1 - Wildes Finale bei Verstappen-Sieg

00:38 Min. Verfügbar bis 17.11.2020

Gasly voller Euphorie

Verstappen sagte gleich nach dem Rennen im Sieger-Interview: "Unglaublich, ich hatte enorm Spaß da draußen. Ich hatte sehr viel Speed, und mit den Reifen hat es sehr gut funktioniert. Wir wussten, dass wir das ganze Wochenende Top-Speed hatten."

Gasly war überglücklich: "Diesen Tag werde ich niemals vergessen, es ist einfach phantastisch, erstmals auf dem Podium zu stehen. Ich liebe diese Emotionen im Motorsport, am Ende hatten wir dann die Gelegenheit, und ich habe einfach nur versucht, kühlen Kopf zu bewahren und das Ding zu Ende zu bringen."

Hamilton gleich an Vettel vorbei

Schon beim Start hatte Polesetter Verstappen alles im Griff und fuhr sofort einen ordentlichen Abstand auf seine Verfolger heraus. Vettel hingegen patzte gleich in der ersten Kurve, bremste zu früh ein und musste dadurch Weltmeister Hamilton auf der Außenbahn vorbeiziehen lassen.

Leclerc hatte zu Rennbeginn deutlich mehr Spaß. Der Monegasse war als Vierter im Qualifying wegen eines Motorenwechsels auf Platz 14 in der Startaufstellung zurückgestuft worden, pflügte aber von der ersten Runde an nur so durchs Feld. Nach gerade mal vier Runden war er bereits in den Punkterängen angekommen, drei Umläufe später lag er auf Rang sieben.

Kühler Konter von Verstappen

In der 21. Runde griff die Mercedes-Crew dann die Spitze an. Hamilton setzte auf den "Undercut", ging als Erster an die Box und fuhr so auf frischeren Reifen etwas Zeit auf Verstappen heraus. Der Niederländer wechselte eine Runde danach, wurde in der Boxengasse auch noch von Robert Kubica im Williams behindert - und landete bei der Rückkehr auf die Strecke tatsächlich hinter Hamilton.

Doch Verstappens Konter war eiskalt: Seine Reifen waren sofort auf Temperatur, nach nur einer weiteren Runde schnappte er sich Hamilton auf der Strecke und zog mit einem perfekten Manöver vorbei. Der in diesem Duell chancenlose Brite war sauer und meckerte seine Box an: "Kommt, Jungs! Erklärt mir bitte mal, warum ich Probleme mit der Batterie habe!" Seine Techniker beruhigten ihn, es sei alles in Ordnung, nur die Motortemperatur sei aktuell etwas hoch.

Perfekter Stopp von Red Bull

Von irgendwelchen nachhaltigen Problemen war im weiteren Verlauf dann auch nichts zu merken, Hamilton fuhr meist rund zwei Sekunden hinter Verstappen her. Auch beim zweiten Reifenwechsel versuchten die Mercedes-Strategen wieder die frühere Variante, doch sie brauchten 3,3 Sekunden für das Montieren der vier Gummis. Red Bull machte es eine Runde später deutlich besser und legte mit 1,9 Sekunden einen großartigen Stopp hin - das war die Vorentscheidung.

Und auch der zweite Mercedes schob Frust. Valtteri Bottas jagte lange hinter Leclerc her, setzte mehrfach erfolglos gegen den stark verteidigenden Ferrari-Youngster an - und musste dann mit einem möglicherweise überhitzten Motor in der 52. von 71 Runden seinen Silberpfeil abstellen. Damit löste der Finne eine Safety-Car-Phase aus, die Verstappen nochmal für frische Reifen nutzte und damit hinter Hamilton zurückfiel.

Doppel-Coup nach dem Restart

Das bis dahin oft langweilige Rennen bekam dadurch nochmal richtig Spannung und Dynamik. Beim Restart in der 59. Runde griff Verstappen mit seinen top-frischen Soft-Reifen sofort wieder an und zwängte sich ein weiteres Mal an Hamilton vorbei. Auch der zweite Red Bull war hellwach: Alex Albon machte Druck auf Vettel und schnappte sich den dritten Platz des Deutschen, der dann kurz danach in den folgenschweren Infight mit Leclerc ging.

Im von Ferrari ausgelösten Chaos fuhr Albon dann sogar auf Platz zwei vor, wurde aber von Hamilton abgeräumt - und es kam zum Nachspiel für den Weltmeister in Form einer Fünf-Sekunden-Strafe. Das Wahnsinns-Finale: Gasly, kurz zuvor noch Sechster, profitierte von der Berührung Hamiltons mit Albon, der sich neben die Strecke drehte. Der Franzose schoss damit plötzlich auf Platz zwei vor und wehrte auf der Ziellinie den Angriff des Weltmeisters ab - sein Jubel danach war grenzenlos.

Stand: 17.11.2019, 21:23

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