Hamilton-Sieg in Interlagos lässt Mercedes jubeln

Lewis Hamilton in Interlagos

Großer Preis von Brasilien

Hamilton-Sieg in Interlagos lässt Mercedes jubeln

Für Sebastian Vettel hat sich im Ferrari auch die letzte Hoffnung auf den Trostpreis in diesem Jahr zerstört. Rivale Lewis Hamilton feierte zwei Wochen nach seinem fünften Fahrertitel in der Formel 1 mit Mercedes auch den fünften Triumph in der Konstrukteurswertung für die Silberpfeile. Mächtg Zoff gab es zwischen Max Verstappen und Esteban Ocon.

Hamilton fuhr am Sonntag (11.11.2018) beim mitreißenden Großen Preis von Brasilien in São Paulo einen hart umkämpften Zittersieg vor Mexiko-Sieger Max Verstappen im Red Bull und Kimi Räikkönen im Ferrari ein. Vierter wurde beim Reifen- und Überhol-Krimi im zweiten Red Bull Daniel Ricciardo, gefolgt von Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Erst danach folgte Vettel. Der 31 Jahre alte Heppenheimer kam nicht über den sechsten Platz hinaus.

"Das ist der Doppelschlag"

"Wir haben es Lewis, das ist der Doppelschlag", funkte Mercedes seinem Weltmeister ins Cockpit. Und der bedankte sich nach dem Rennen artig. "Die Jungs haben so hart gearbeitet in den letzten sechs Jahren, es war eine Wahnsinnsreise mit dem Team", sagte Hamilton: "Es ist so eine große Ehre für mich, in diesem Team zu fahren. Ich bin sehr stolz, dass ich es heute geschafft habe."

Auf der Fahrt zum Team-Titel im vorletzten Saisonrennen bewies das Silberpfeil-Duo zunächst mal seine Klasse. Hamiltons nobler Helfer Bottas schob sich auf den gerade mal 340 Bergauf-Metern bis zum Linksknick mit Gefälle an Vettel vorbei. Davor verteidigte Hamilton die 100. Pole für Mercedes in der Motorsport-Königsklasse souverän. Schlechter konnte es kaum beginnen für Vettel und Ferrari auf der ohnehin äußerst schwierigen Mission, Mercedes vom erneuten Konstrukteurs-Triumph abzuhalten.

Hamilton gewinnt in Brasilien und sichert Mercedes Kontrukteurstitel

Sportschau | 11.11.2018 | 00:35 Min.

Reifenvorteil schnell verspielt

Wenn da nicht auch noch Verstappen gewesen wäre. Vettel kämpfte mehr mit seinem Wagen, musste Räikkönen passieren lassen, danach auch noch den niederländischen Red-Bull-Piloten. Ferraris vermeintlicher Gummi-Trumpf war schon nach wenigen der insgesamt 71 Runden verspielt. Vettel und Räikkönen hatten sich im entscheidenden Abschnitt der Qualifikation für die haltbareren Soft-Reifen entschieden. Hamilton und Bottas starteten auf den weicheren Supersoft-Mischungen. Bedeutete: Schnellerer Verschleiß, früherer Boxenstopp.

Hinzu kam, dass die Asphalt-Temperaturen am Sonntag höher waren als bei den Runden an den Tagen zuvor. Dem Red Bull machte das offensichtlich weniger zu schaffen als dem Silberpfeil. In Runde zehn schnappte sich Verstappen auch noch Bottas und machte sich auf die Verfolgung von Hamilton. Dahinter hielt Bottas seinen finnischen Landsmann Räikkönen ebenso auf die Vettel.

Hamilton moniert seine Reifen

Die große Frage: Wann mussten Hamilton und Bottas in die Box und die Reifen wechseln? Zunächst deutete überraschenderweise Ferrari einen Stopp an, tatsächlich ließen aber erst Bottas in 2,4 Sekunden und dann Hamilton in 2,6 Sekunden die vier Räder an ihren Autos wechseln. Beide bekamen Medium-Mischung. Würden sie das Rennen damit bis zum Ende durchfahren können? Gut würden sie sich nicht anfühlen, monierte Hamilton schon nach kurzer Zeit und befürchtete, im Duell um den Sieg mit Verstappen zu früh die Reifen gewechselt zu haben. Fast zehn Runden nach dem Silber-Duo steuerte Vettel erst seine "Rote Göttin" an die Box und ließ ebenfalls die Medium-Gummis aufziehen - in sagenhaften 1,9 Sekunden. Doch Vettel würde mit dem Sieg nichts zu tun haben, das war klar.

Zum Top-Kandidaten avancierte Verstappen, der nach seinem Reifenwechsel die Führung von Hamilton in der 39. Runde zurückeroberte. Kurz zuvor hatte der Mercedes-Mann einen Leistungsabfall beklagt und Regen herbeigefleht. Regen war es nicht, der ihn wieder nach vorn spülte, sondern eine Kollision von Verstappen bei dessen Überrundung von Esteban Ocon im Force India in der 44. Runde.

Verstappen schmipft auf Ocon - und schubst ihn?

"Was für ein verdammter Idiot!", fluchte Verstappen. Ocon bekam für das völlig unnötige Manöver eine Zehn-Sekunden-Strafe. Verstappen war nun erst recht auf Touren. Während Vettel zum zweiten Mal die Reifen wechseln ließ, jagte der 21-Jährige den führenden Hamilton. Vergeblich, erstmals gewann der Brite ein Rennen nach einem vorzeitigen WM-Triumph. Es war der 72. in seiner Karriere.

"Ich hoffe, dass ich Ocon jetzt nicht begegne", schnaubte Verstappen nach dem Rennen - doch leider kam es zur Konfrontation. "Er kam zu mir, hat mich rumgeschubst", berichtete Ocon, "und die Stewards mussten ihn zurückhalten, das war nicht sehr professionell." Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko witterte gar ein Komplott und verwies auf Ocons Status als Mercedes-Junior: "Ein Mercedes-Fahrer, der für 2020 einen Sitz versprochen kriegt, der dem Führenden ins Auto fährt - unglaublich", sagte er bei Motorsport-Magazin.com. Kurz nach dem Rennen wurde das Thema aufgearbeitet, Verstappen und Ocon mussten sich vor den Stewards verantworten. Der ungewöhnliche Grund: "Körperkontakt mit einem Kontrahenten".

Thema in: Sport am Wochenende, Deutschlandfunk, Sonntag, 11.11.18, 22.50 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 11.11.2018, 20:50

Darstellung: