Analyse - In der Formel 1 geht es längst schon um 2019

Esteban Ocon in Interlagos

Nach dem Großen Preis von Brasilien

Analyse - In der Formel 1 geht es längst schon um 2019

Von Christian Hornung

Dass Lewis Hamilton nach seinem Fahrertitel auch die Konstrukteurs-WM für Mercedes klarmachen würde, war nur eine Frage der Zeit. Beim Großen Preis von Brasilien ging es daher schon vielerorts um das Jahr 2019 - eine Analyse.

Warum macht Esteban Ocon das? Was reitet ihn in der 44. Runde des Großen Preises von Brasilien? Als sogleich überundeter Fahrer greift er rennentscheidend ein, schießt den Führenden Max Verstappen von der Strecke und entreißt ihm damit letztlich den Sieg?

Das dürften sich viele Formel-1-Fans gefragt haben, als sie das mit zehn Sekunden Zeitstrafe, kernigen Beleidigungen ("Was für ein Idiot!") und möglicherweise auch körperlichen Zurechtweisungen von Verstappen bestrafte Manöver des Franzosen beobachtet haben. Eine der möglichen Antworten lautet: Ocon dachte an seine Zukunft. An 2019, aber auch die Zeit darüber hinaus.

Mehrere Optionen für Ocon

Denn Ocon ist einer der Fahrer, deren Zukunft in der Königsklasse nicht ganz geklärt ist. Bei Force India wird er nicht mehr fahren. Er hat die Möglichkeit, bei Williams zu unterschreiben, will aber angeblich keinen langen Vertrag, um sich für das Jahr 2020 die Chance auf die Nachfolge von Valtteri Bottas bei Mercedes zu sichern.

Dazu muss er sich zeigen, muss Ergebnisse liefern, auch wenn er sein enormes Fahrertalent schon mehrfach unter Beweis gestellt hat. Sich widerstandslos überrunden zu lassen, kam daher für ihn offenbar in Interlagos nicht infrage.

Verstappen will 2019 nach dem Titel greifen

Dass Verstappen seine Emotionen danach nicht wirklich in den Griff bekam, war nachvollziehbar, denn auch für ihn ging es schon mehr als um den Tagessieg. Sein Überholmanöver gegen Lewis Hamilton in der 42. Runde, also nur zwei Runden vor dem Crash mit Ocon, war auch schon ein Fingerzeig für 2019, es war eine klare Ansage auf dem Asphalt: Im nächsten Jahr kämpfe ich mit dir um die Weltmeisterschaft!

Hamilton gewinnt in Brasilien und sichert Mercedes Kontrukteurstitel

Sportschau | 11.11.2018 | 00:35 Min.

Dass er ebenfalls gern um den Titel streiten möchte, hat auch ein anderer aufstrebender Pilot bereits forsch verkündet: Charles Leclerc, das Juwel aus Monaco, das in diesem Jahr für den weit unterlegenen Sauber-Rennstall schon ein paar Ausrufezeichen gesetzt hat und im kommenden Jahr das zweite Cockpit bei Ferrari bekommt.

Vettels Duell mit Leclerc

Auch in Brasilien fuhr Leclerc locker in die Top Ten, lag in der 58. Runde sogar plötzlich auf Platz sechs. Und auf Platz sieben folgte: Sebastian Vettel. Von seinem künftigen Kollegen im Underdog-Auto geschlagen zu werden, noch dazu nach dessen Spruch ("Ich komme nicht zu Ferrari, um zu lernen, sondern um Weltmeister zu werden") konnte sich der Vierfach-Weltmeister natürlich nicht bieten lassen.

Also gab Vettel alles, zwängte sich noch vorbei und gab damit auch ein deutlich sichtbares Signal für 2019 ab: Die Nummer Eins bei Ferrari heißt immer noch Vettel. Die Nummer Eins aller Fahrer heißt aber derzeit eindeutig Hamilton. Und dass der auch nach dem bereits gesicherten Fahrertitel in Brasilien wieder den Sieg einfuhr, dürfen all die Verstappens, Vettels und Leclercs ebenfalls bereits mit in die nächste Saison nehmen: Fünf Titel reichen dem Briten noch lange nicht.

Stand: 11.11.2018, 20:58

Formel 1 | Fahrer-WM

Name P
1. Lewis Hamilton 408
2. Sebastian Vettel 320
3. Kimi Räikkönen 251
4. Max Verstappen 249
5. Valtteri Bottas 247
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