Formel 1 - Ab durch die Wüste

Sebastian Vettel im Ferrari

Großer Preis von Bahrain

Formel 1 - Ab durch die Wüste

Beim Großen Preis von Bahrain muss Formel-1-Pilot Sebastian Vettel im Ferrari einen Zahn zulegen, wenn er nicht erneut den Mercedes-Fahrern den Vortritt lassen will. Mit den widrigen Bedingungen kennt er sich bestens aus, das beweist die Statistik.

Die Ausgangslage

Nach dem Auftaktrennen im australischen Melbourne führt Mercedes-Pilot Valtteri Bottas die Gesamtwertung vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton an. Max Verstappen im Red Bull ist Dritter, Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel liegt auf Rang vier.

Die Favoriten

Vieles spricht dafür, dass auch auf dem Wüstenkurs diese drei Teams den Sieg unter sich ausmachen - mit Vorteilen für Mercedes, das zwei starke Fahrer im Rennen hat. Vettel will mit Ferrari in Bahrain nach dem Fehlstart unbedingt zurückschlagen. "Wenn wir das Problem herauskriegen, können wir stärker zurückkommen", hatte Teamchef Mattia Binotto nach dem Rennen in Melbourne gesagt: "Wir werden aus dieser Lektion lernen." Der Scuderia fehlte der Grip, um das Tempo an der Spitze mitgehen zu können.

Mercedes rechnet fest mit einem Konter. "Ferrari wird alles in seiner Macht stehende unternehmen, um zurückzuschlagen", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff: "Wir haben das Potenzial im Paket von Ferrari bei den Testfahrten in Barcelona gesehen und erwarten, dass sie in Bahrain gestärkt zurückkommen werden", erklärte der Österreicher. Er hat aber auch Red Bull auf dem Zettel. Das Team  werde am Persischen Golf "ebenfalls ein Wörtchen mitreden".

Die Besonderheit

Der Bahrain International Circuit liegt etwa 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Manama, in Sakhir - mitten in der Wüste. Es wird unter Flutlicht gefahren. Das garantiert spektakuläre Bilder. Die trockene Hitze, die auch in den Abendstunden noch spürbar ist, und der raue Sand, der auf die Strecke weht, sind Herausforderungen für Mensch und Maschine. Die ersten Autos auf der Strecke säubern den Asphalt jedoch relativ schnell wieder. Dennoch können kleine Sand- und Staubpartikel im Getriebe, im Motor und in den Kühleinlässen oder auf den Bremsbelägen für Probleme sorgen.

Nur die zweite der drei Trainingseinheiten liefert den Rennställen entscheidende Erkenntnisse in der Rennvorbereitung. Denn so wie die Qualifikation und das Rennen findet diese Einheit abends bei niedrigeren Temperaturen und nicht in der Hitze des Tages statt, wenn sich der Asphalt auf mehr als 50 Grad aufwärmt.

Die Strecke

Es ist bei weitem kein flacher Kurs. 18 Meter liegen zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt. Die Strecke wurde der Stein- und Sandwüste von Sakhir angepasst. Neun Rechts- und sechs Linkskurven sind in jeder Runde zu fahren. Etwas mehr als ein Kilometer misst die längste Geradeaus-Passage, der Vollgasanteil ist hoch. Das Überholen sollte leichter fallen als zuletzt beim Auftakt in Melbourne. 57 Runden sind zu bewältigen, eine Runde misst 5,412 Kilometer. Gebaut wurde die Strecke auf dem Gebiet einer ehemaligen Kamel-Farm.

"Ich mag die Strecke. Der Übergang von Tag zu Nacht stellt eine Herausforderung dar, was die Balance des Wagens betrifft", sagt Red-Bull-Pilot Verstappen. "Es gibt eine Menge 'Stop and Go', daher muss das Auto beim Bremsen sehr stabil sein und eine gute Traktion haben", erklärt Williams-Fahrer Robert Kubica.

Statistik macht Vettel Mut

Für Vettel spricht, dass er mit vier Erfolgen (2012, 2013, 2017, 2018) Rekordsieger ist. Als Premierensieger verewigte sich im Jahr 2004 Michael Schumacher. Auf dem Weg zu seinem WM-Triumph 2016 gewann Nico Rosberg das Rennen in Sakhir. Hamilton gewann 2014 und 2015.

Vettel weiß. woaruf er achten muss. "Es ist schwierig, in der Wüste den richtigen Rhythmus zu finden, vor allem wegen des Sands, der vom Wind auf den Kurs geblasen wird", erläuterte Vettel, für den in seinem fünften Ferrari-Jahr endlich der WM-Titel her muss: "Wenn man nur Millimeter von der Ideallinie abweicht, fängt man zu rutschen an und kann die Runde in die Tonne werfen, weil man die einmal verlorene Zeit einfach nicht wiedergutmachen kann."

Bottas oder Hamilton?

Interessant wird sein, wie es mit den beiden Mercedes-Piloten weitergeht. Das Rennen in Melbourne hat gezeigt, dass der Finne Bottas genug von der Rolle des Gehilfen des Weltmeisters Hamilton hat. Dort kassierte er Quali-Sieger Hamilton schon am Start und hielt ihn in der Folge auf Distanz. "Ich habe nur eine Karriere im Leben", sagt er: "Wenn ich immer unterstütze, anstatt selbst zu attackieren, erreiche ich meine Ziele nie." Bisher hatte sich Bottas in der Hierarchie brav hinter Hamilton eingeordnet. Wie der Brite auf das neue Selbstbewusstsein seines Kollegen reagiert, wird sich zeigen. Unvergessen ist der Kleinkrieg, den er sich lange mit Bottas' Vorgänger Rosberg lieferte.

red/vdv/sid/dpa | Stand: 28.03.2019, 09:15

Darstellung: