Renault hinkt komplett hinterher

Nico Hülkenberg schlägt sich die Hand vors Gesicht

Formel 1 in Aserbaidschan

Renault hinkt komplett hinterher

Von Jo Herold

Ein Kuriosum steht sinnbildlich für die aktuelle Verfassung des Traditionsrennstalls Renault: Daniel Ricciardo fuhr rückwärts mit Schwung in den Konkurrenten Daniil Kwjat und sorgte dafür, dass er und der Toro-Rosso-Kontrahent ausfielen.

"Das war dumm, dumm von mir, dumm für das Team und dumm natürlich auch für Daniil", sagte Ricciardo nach dem Rennen am Sonntag (28.04.2019) in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Das Malheur passierte, als der Renault-Pilot nach einem missglückten Bremsmanöver in einem Notausgang stand und wieder zurück auf die Rennstrecke fahren wollte. Er übersah dabei den Toro Rosso von Kwjat, der bei Ricciardos Bremsmanöver eine Kollision vermeiden wollte und deswegen ebenfalls abseits der Piste stand.

Hülkenberg ratlos

Auch Nico Hülkenberg konnte nach dem Grand Prix nichts Positives sagen. Platz 15 nach der Qualifikation, im Rennen ohne Chance, sich großartig nach vorne zu arbeiten. "Die Performance ist fragwürdig", sagte der Emmericher, "wir müssen jetzt in die genaue Analyse gehen, wo die Probleme liegen - ich kann derzeit auch nicht sagen, woran es liegt."

Aber dann schob Hülkenberg noch einen kurzen Satz nach, der die Alarmglocken läuten ließ: "Es fühlt sich irgendwas faul am Auto an, ich weiß nicht, was es ist". Derzeit scheint eine ganze Menge faul zu sein bei dem Team mit den gelb-schwarzen Rennwagen.

Platz sieben in der Herstellerwertung

Renault hat den Anspruch, die Lücke zu den vorderen großen Drei, Mercedes, Ferrari und Red Bull zu verkleinern. Und sich dabei klar von den übrigens Teams abzusetzen. "Best of the rest" wird dazu gerne gesagt, was sich immer ein wenig geringschätzig anhört. Aber aktuell rangiert Renault nur auf Platz sieben in der Herstellerwertung, mit zwölf mageren Pünktchen - je sechs für Hülkenberg und Ricciardo.

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Zwar mag tröstend erscheinen, dass auch Ferrari in Sachen Auto-Entwicklung und -Verbesserung gegenüber Mercedes keine großen Schritte vorankommt. Aber derzeit läuft auch in dieser Hinsicht bei Renault so einiges schief. Für das Rennen in Baku hatte das Weltmeisterteam von 2005 und 2006 spezielle Aerodynamikteile produzieren lassen - und schnell wieder abgeschraubt, als sich bei Trainingsbeginn in Aserbaidschan zeigte, dass das Upgrade überhaupt nicht funktioniert und die Renner eher langsamer macht.

Erhoffter Ricciardo-Effekt nicht vorhanden

Und noch etwas läuft längst noch nicht rund bei Renault: Hülkenberg hatte sich vor dem Saisonstart noch gefreut, in Daniel Ricciardo einen hochkarätigen Kontrahenten im Team zu haben. Einen, an dem er sich hochziehen könnte, der ihn selbst zu besseren Leistungen anspornt: "Wenn du dich gegenseitig pushst und so einen schlägst, dann ist das doch noch besser!" Doch der Australier hat noch nicht Fuß gefasst, nach seinem Wechsel von Red Bull zu Renault: Drei von vier Rennen in dieser Saison hat Ricciardo nicht beendet - und trotzdem so viele Punkte wie "Hülk".

"Es ist gut, dass wir jetzt nach Barcelona gehen", sagte Hülkenberg als Fazit nach der Baku-Station, "damit wir dieses Wochenende aus dem 'System' bekommen." Und überhaupt hilft nur: "Wir dürfen den Mut nicht verlieren und müssen weiterarbeiten und nach vorne schauen."

Stand: 28.04.2019, 21:16

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