Analyse - Bittere Lehrstunde für Verstappen

Max Verstappen

Sieg durch zwei Unfälle weggeworfen

Analyse - Bittere Lehrstunde für Verstappen

Von Christian Hornung

Der Weg zum Sieg in China lag für Max Verstappen nach einer blitzgescheiten Boxentaktik seines Teams auf dem Präsentierteller. Wie der Niederländer diese Chance ruinierte und sogar das Podium wegwarf, war peinlich. Immerhin ist er einsichtig.

Noch vor der Siegerehrung kam es am Sonntag (15.04.2018) zum klärenden Gespräch. Max Verstappen hatte die Kappe tief ins Gesicht gezogen, aber man sah seiner Miene deutlich an: Da weiß einer genau, was er da verbockt hat. Schuldbewusst nickend ertrug er die Belehrungen von Sebastian Vettel, den er beim Großen Preis in Shanghai in Runde 43 von der Strecke befördert hatte. Und sich selbst gleich mit: "Max hat unsere beiden Rennen zerstört", sagte Vettel später. Und genau das teilte er kurz nach dem Rennen auch Verstappen mit. Dabei wirkte Vettel sogar noch vergleichsweise freundlich - denn zum Zeitpunkt des Crashs hatte der Vierfach-Weltmeister längst selber keine Chance mehr.

Strategie für einen Doppelsieg

Verstappen aber durchaus. Er war gemeinsam mit dem späteren Sieger Dianiel Ricciardo gerade auf einer grandiosen Aufholjagd. Als in der 31. Runde das Safetycar auf die Strecke kam, reagierten die Roten Bullen schneller als alle Konkurrenten, holten beide Fahrer zum Reifenwechsel und bereiteten damit im Nachhinein sogar einen Doppelsieg vor.

Doch Verstappen agierte trotz des Funkspruchs, nun analytisch und intelligent zu fahren und pro Runde eine halbe Sekunde auf die Konkurrenten vorne gutzumachen, wie ein Bulle, der das rote Tuch sieht. Ohne Sinn und Verstand. Ohne Rücksicht auf Verluste, was die eigenen mit einschließt: Er sah in der 39. Runde eine Mini-Lücke im Duell mit dem vor ihm liegenden Lewis Hamilton, griff an - und touchierte den Briten. Schon da hatte er Glück, dass er das Rennen fortsetzen konnte, er fiel zwar kurzzeitig zurück, kassierte Hamilton aber schließlich doch.

Warnschuss nicht gehört

Diese Szene hätte ein Warnschuss für Verstappen sein müssen? War sie aber nicht. In der 44. Runde griff der wilde Niederländer den deutlich langsameren Vettel an - wieder mit Gewalt. Vettel kam zwar minimal von der Ideallinie ab, aber Verstappen war zu weit hinten dran, um sich vor der Einfahrt in die Rechtskurve neben den Deutschen zu setzen. Erst dann hätte ihm Vettel den Platz einräumen müssen - so aber nicht.

Die Folge: Vettel zog berechtigterweise nach innen, wo ihm dann Verstappen in die Seite krachte - beide Autos drehten sich, verloren extrem viel Zeit. Und Verstappen kassierte die berechtigte Strafe: Zehn Sekunden bekam er aufgebrummt, was ihn auf Platz fünf zurückwarf - in einem Rennen, das er hätte gewinnen können.

Breitseite vom Teamchef

Die Strafe war hart: Red Bull feierte an diesem Tag nicht mit ihm, sondern mit dem Teamkollegen, und eine Breitseite bekam er auch noch von Teamchef Christian Horner: "Daniel Ricciardo hat ein tolles Rennen gefahren und alles richtig gemacht. Max Verstappen hat mehrere Fehler gemacht."

In der Vergangenheit fiel Verstappen, der sein herausragendes Talent und seine herrlich spektakuläre Fahrweise schon viel zu oft durch solche sinnlosen Ramboaktionen konterkariert hat, aber auch noch durch Starrsinn in der Fehleranalyse auf. Da hat er nun offenbar dazugelernt.

"Darf mir nicht passieren"

Er wich dem Gespräch mit Vettel nicht aus, versuchte diesmal nicht, seine Aktionen schönzureden oder zu betonen, dass sie nunmal zu seinem Fahrstil gehören. Er stellte sich auch den Journalisten und gab offen zu: "Das war Sch... von mir. Der Unfall war meine Schuld, ich war zu spät dran, dann haben meine Räder blockiert und ich konnte nicht zurückziehen. So etwas darf nicht passieren, das hab ich Sebastian auch sofort gesagt." Jetzt muss die Einsicht nur noch zu einem klügeren Verhalten auf der Strecke führen, ohne dass Verstappen an Mut und Tempo einbüßt. Ob er diese Mischung hinbekommt, wird über seine Zukunft als erfolgreicher Rennfahrer entscheiden.

Thema in: Sportschau, das Erste, Sonntag, 15.04.2018, 18 Uhr

Stand: 15.04.2018, 13:06

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