Formel 1 - Rabenschwarzer Tag für Mercedes

Lewis Hamilton (r.) und Valtteri Bottas schieden beide in Österreich aus

Großer Preis von Österreich

Formel 1 - Rabenschwarzer Tag für Mercedes

Von Marco Schyns

"Das ist für mich in meiner Mercedes-Zeit mein schwerster Tag", gestand Teamchef Toto Wolff. Das Rennen in Österreich wird zum Desaster für das Weltmeister-Team. Und das nicht nur, weil kein Auto ins Ziel kam.

Als Lewis Hamilton wenige Runden vor Schluss seinen Mercedes abstellen musste, war die Katastrophe perfekt. Beim Großen Preis von Österreich scheiden erstmals seit Mai 2016 beide Mercedes aus. Für die Silberpfeile war das Rennen ein Desaster, nicht nur wegen der technischen Probleme an den Autos.

Hamilton, der erstmals seit Malaysia 2016 ausschied, war nach dem Rennen kaum zu besänftigen. "Ein Tag zum Vergessen", so der Brite: "Wir werden uns zusammensetzen." In der Tat gibt es bei Mercedes reichlich Gesprächsbedarf. Dabei hatten sie doch schon während des Rennens häufig gefunkt. Da fielen seitens Hamilton Sätze wie: "Ich würde gern etwas sagen, aber lasst mich mal."

Die Konkurrenz handelt, Mercedes schaut zu

Jener Moment, der Hamilton so wütend machte, spielte sich ausgerechnet nach dem ersten Tiefpunkt in Spielberg ab. Als Valtteri Bottas in Runde 14 sein Auto wegen eines Hydraulikschadens abstellen musste, kam das virtuelle Safety Car zum Einsatz. Alle Fahrer mussten also im betroffenen Sektor langsamer fahren.

Red Bull und Ferrari erkannten die Zeichen und handelten sofort: Beide Teams holten ihre Fahrer zum Boxenstopp Schließlich verliert man deutlich weniger Zeit, wenn die Konkurrenten auf der Strecke langsamer fahren müssen als normal. Mercedes aber ließ Hamilton, der zu jenem Zeitpunkt in Führung lag, draußen. Die Führung sollte er natürlich behalten. 13 Sekunden Vorsprung waren, angesichts der Tatsache, dass ein Boxenstopp ohne Safety-Car-Phase etwa 20 Sekunden Zeit auf den Gegner kostet, aber nicht viel.

Hamilton wütend über Strategiefehler

Zu dieser Erkenntnis kamen sie dann auch bei Mercedes. Als man Hamilton mit den Worten anfunkte, es würden acht Sekunden fehlen, reagierte dieser - zu Recht - nur mit Unverständnis. "Was ist denn passiert?", wütete Hamilton am Boxenfunk. "Das war allein mein Fehler", funkte Strategie-Chef James Vowles zurück.

Die Fehlerkette aber sollte sich noch fortsetzen: Als Hamilton nach seinem Boxenstopp auf der Strecke durch ein starkes Manöver von Sebastian Vettel überholt wurde, setzte der Weltmeister alles daran, Schadensbegrenzung zu betreiben.

Das Problem: Die Reifen bauten immer mehr ab, die Bläschenbildung war für jeden Zuschauer offensichtlich. Das Team aber reagierte zunächst erneut nicht. Trotz schlechter werdender Rundenzeiten wartete man viel zu lang, bevor man Hamilton erneut an die Box holte. Teamchef Toto Wolff gestand hinterher: "Es ist im Rennen alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte. Das ist für mich in meiner Mercedes-Zeit mein schwerster Tag."

WM-Führung an Vettel verloren

So kann man es ausdrücken. Vor allem wenn man bedenkt, dass Hamilton schließlich nicht einmal die sicher geglaubten zehn Punkte für Platz fünf ins Ziel retten konnte. Vettel ist wieder WM-Führender und Ferrari ist durch sein gutes Ergebnis von Spielberg in der Konstrukteurswertung zehn Punkte vorn.

"Ich habe hier verloren. Das ist in meinem Kopf", bilanzierte ein enttäuschter Hamilton direkt nach dem Rennen. Die Vorfreude auf seinen Heim-Grand-Prix in Großbritannien ist erst einmal getrübt. "Daran kann ich jetzt noch gar nicht denken."

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 01.07.18, 22.50 Uhr

Stand: 01.07.2018, 20:39

Darstellung: