Formel-1-Analyse - Alonso-Abschied längst überfällig

Formel-1-Pilot Fernando Alonso in Le Mans

Nur noch Frust beim zweimaligen Weltmeister

Formel-1-Analyse - Alonso-Abschied längst überfällig

Von Christian Hornung

"Es sind unglaubliche Emotionen. Wir stehen gefühlt fast unter Schock, weil wir so konzentriert auf das Rennen waren. Jetzt koste ich jede Sekunde aus." Diese Hochgefühle artikulierte Fernando Alonso gerade erst in Frankreich. Allerdings nicht in Le Castellet. Sondern in Le Mans.

Dort gewann Alonso vor einer Woche mit seinen Toyota-Teamkollegen Kazuki Nakajima und Sebastien Buemi das legendäre 24-Stunden-Rennen. In der Formel 1 hingegen wartet der McLaren-Pilot seit fünf Jahren auf einen Erfolg. Der bislang letzte gelang ihm 2013 in seiner Heimat Spanien. Und der Frust wächst.

"Was soll das noch?"

Es war die 40. von 53 Runden beim Frankreich-Grand-Prix in Le Castellet am Sonntag (24.06.2018), als es aus dem stolzen Spanier herausbrach. Er pendelte zwischen dem letzten, vorletzten und drittletzten Platz, und das als zweimaliger Weltmeister. Da schimpfte Alonso über Boxenfunk: "Ich hab keine Reifen mehr, ich komm nicht voran, ich weiß nicht, was das hier noch soll ..." Er meinte das Rennen. Aber es klang auch wie eine Abrechnung mit seinen vergangenen dreieinhalb Jahren bei McLaren.

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Sportschau | 24.06.2018 | 00:26 Min.

Da hat der überehrgeizige Perfektionist vor allem durch technische Defekte mehr als 20 Rennen nicht zu Ende fahren können, auch das in Frankreich endete drei Runden vor Schluss. Und wenn er durchkam, tuckerte er meist hinterher. Dazu legte er sich immer mit seinem Team an, schimpfte für die Weltöffentlichkeit hörbar über falsche Boxenstrategien, verrückte Reifenstrategien und einen "Motor wie bei einem Traktor". McLaren verzieh ihm alles.

Königliches Jahresgehalt

Formel-1-Pilot Fernando Alonso in Le Mans

Jubel bei Formel-1-Pilot Fernando Alonso - aber in Le Mans statt in Le Castellet

Dass Alonso nicht selbst längst die Konsequenzen aus der komplett gescheiterten Zusammenarbeit gezogen hat, kann sich allein aus dem königlichen Salär erklären: 2017 schätzte ihn der "Focus" auf ein Jahresgehalt von 34,5 Millionen Euro - damit lag er deutlich vor Lewis Hamilton und Sebastian Vettel.

Doch die Glaubwürdigkeit dieser Zusammenarbeit schwindet immer mehr. Und die Frage ist, wer seinen Ruf mehr beschädigt: Fahrer oder Rennstall. Zwar startete Alonso in die 2018er-Saison halbwegs vielversprechend, fuhr fünfmal in die Top Ten. Doch längst ist wieder Alltag eingekehrt, zuletzt gab es wieder nur Frust und Ausfälle.

Zeitpunkt für die Trennung lange verpasst

Für die kommenden Wochen hat Alonso nun eine Entscheidung über seine Zukunft angekündigt. Die kann für den Champion von 2006 und 2007 eigentlich nur zwei Varianten beinhalten: Rücktritt oder Neuanfang bei einem anderen Team. Den Zeitpunkt für eine vernünftige Trennung von McLaren hat er hingegen längst verpasst.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 24.06.18, 22.50 Uhr

Stand: 24.06.2018, 19:14

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