Hockenheim - Sehnsucht nach Mythos Vettel unerfüllt

Sebastian Vettel

Großer Preis von Deutschland

Hockenheim - Sehnsucht nach Mythos Vettel unerfüllt

Von Jo Herold

Tränen am Mikrofon - Berufsrennfahrer Sebastian Vettel hat sie in mittlerweile zwölf Jahren in der Formel 1 öfter gezeigt. Es waren jedoch immer Tränen der Freude, jedenfalls diejenigen, die öffentlich über die Sender gingen.

Diesmal jedoch, an jenem 22. Juli 2018, schluchzte der 31-Jährige ins Mikrofon, nachdem er Sekunden zuvor seinen Ferrari unter dem Jubel vieler Mercedes-Fans im traditionellen Streckenabschnitt "Motodrom" in die Leitplanke gesetzt hatte. Gewissermaßen in einer Art Stadion, in dem zehntausende Gesichter ihre Augen auf die Fahrer im Allgemeinen und hier auf den Führenden Sebastian Vettel im Speziellen richteten.

Faustschläge fürs Lenkrad

"Ich habe es versaut! Ich habe es versaut! Entschuldigung, Jungs", schickte der havarierte Fahrer per Bordradio an seine Box, während er vor Enttäuschung und Wut mit den Fäusten auf das Lenkrad seines Rennwagen eindrosch. Enttäuschung darüber, dass er es auch im sechsten Anlauf nicht geschafft hat, seinen Heimat-Grand-Prix für sich zu entscheiden. Den wahrscheinlich letzten Formel-1-Grand-Prix für einen längere Zeit, da sich Veranstalter und Streckenbetreiber nicht auf für beide Seiten akzeptable Konditionen einigen können.

Vorsätze über Vorsätze

Vettel, mittlerweile mit der Erfahrung von mehr als 200 Rennen in der Königsklasse ausgestattet, wollte unheimlich viel: Das Scheitern der Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Russland wollte der gebürtige Hesse in einem selbstformulierten Ziel auffangen, wollte als WM-Führender vor den vielen Fans glänzen, die am Rennwochenende den Hockenheimring im strahlenden Glanz früherer Jahre erstrahlen ließen: 70.000 waren zuletzt an die Rennstrecke gepilgert, als Michael Schumacher noch für Ekstase bei den Fans von Sound und Ölgeruch sorgte.

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Doch all das, was Vettel und seine Fans wollten, zerplatzte innerhalb von ein paar Tausendstel Sekunden, als der Ferrari-Pilot eingangs der Sachs-Kurve im Motodrom auf nasser Piste einen Tick zu viel Gas gab und durch das Kiesbett sehr profan in die Bande krachte. Die Sehnsucht, die die Motorsport-Fans in Deutschland haben, nach den Mythen von früher, nach den Helden von einst, nach den Rennen, die Geschichte schreiben - diese Sehnsucht wurde nicht gestillt. Und wird wahrscheinlich sehr lange ungestillt bleiben.

Über dieses Thema berichtete die "Sportschau" um 18 Uhr, im Ersten

Stand: 22.07.2018, 18:23

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