Formel 1 - Shootingstar Lando Norris zu stark für Stallkriege

Lando Norris vor Carlos Sainz, beide im McLaren

McLaren-Youngster überraschend auf Platz drei

Formel 1 - Shootingstar Lando Norris zu stark für Stallkriege

Von Christian Hornung

Lando Norris greift derzeit in der Formel 1 nach den Sternen. Für einen Stallkrieg mit seinem erfahreneren Teamkollegen bei McLaren scheint der junge Engländer bereits zu stark zu sein.

Es war ganz kurz vor Rennende beim Saisonauftakt im österreichischen Spielberg, da zauberte Lando Norris plötzlich gegen den amtierenden Sechsfach-Weltmeister. Lewis Hamlton hatte zuvor wegen einer zu rüden Attacke gegen Red-Bull-Fahrer Alex Albon fünf Sekunden Strafe aufgebrummt bekommen, doch Mitte der Schlussrunde leuchteten 5,2 Sekunden Vorsprung auf Norris auf - es sollte also für Hamilton reichen.

Hamilton vom Podium verdrängt

Bei der Zielflagge aber hatte der 20-jährige McLaren-Pilot plötzlich nur noch 4,8 Sekunden Rückstand - und schnappte damit Hailton noch um zwei Zehntelsekündchen Rang drei weg. Es war die erste Podiumsplatzierung des in Bristol geborenen Rennfahrertalents. Und sehr wahrscheinlich nicht die letzte.

Nachdem Norris vor zwei Jahren die Vize-Welteisterschaft in der Formel 2 geholt hatte, bekam er beim zuvor über Jahre enttäuschenden McLaren-Team ein Cockpit. Als Rookie holte er in der Fahrerwertung einen respektablen elften Platz, hängte mit seinen 49 Punkten immerhin etablierte Kollegen wie Kimi Räikkönen (Alfa Romeo) und Nico Hülkenberg (Renualt) ab.

Kein Typ für Scharmützel

In der aktuellen Saison hat Norris nach zwei Rennen bereits 26 Zähler gesammelt - und ist damit als Gesamtdritter der erste Verfolger der beiden Mercedes. Sein fünf Jahre älterer Teamkollege Carlos Sainz folgt mit der halben Punktausbeute auf Rang sieben, damit scheinen die Verhältnisse im Rennstall zunächst einmal geklärt.

Lando Norris scheint aber ohnehin kein Typ für teaminterne Scharmützel zu sein, wie sie beispielsweise bei Ferrari zwischen Sebastian Vettel und Charles Leclerc, bei Racing Point (Sergio Perez und Lance Stroll) oder Renault (Esteban Ocon und Daniel Ricciardo) zu beobachten sind. Der Fan von Moto-GP-Legende Valentino Rossi fährt hart, aber intelligent. Und er äußerst sich ausgesprochen respektvoll gegenüber Sainz: "Ich muss doch von Carlos lernen", sagte Norris in seinem Debütjahr. "Er hat viel Erfahrung. Er weiß mehr als ich - und er weiß besser, was er in gewissen Situationen machen muss."

Viel Zeit am Simulator

Viele Formel-1-Beobachter, vor allem natürlich in seinem Heimatland, sehen in Norris den Nachfolger von Hamilton. Die beiden kennen sich laut Norris kaum, und gemeinsam haben sie außer ihrem Gefühl für das Gaspedal praktisch nichts. Während Hamilton rund um die Rennen immer wieder für den Klatsch- und Glamourfaktor in der Königsklasse sorgt, sitzt sein potenzieller Erbe am liebsten in seiner Wohnung eine Stunde von London entfernt - am Rennsimulator.

"Sim-Racing ist meine Leidenschaft, und man kann davon sehr viel für die Formel 1 ableiten", hat Norris mal bei "Formel1.de" erzählt. Das Partyleben im Hamilton-Stil sei so gar nichts für ihn: "Das ist überhaupt nicht mein Ding. Ich trinke auch gar nicht gerne. Mich stört es viel mehr, am nächsten Tag verkatert zu sein. Ihr werdet mich also nicht so oft in London auf Sauftour sehen..."

Vater ist Vielfach-Millionär

Lando Norris

Millionärs-Sohn ohne Starallüren: Lando Norris mischt die Formel 1 auf

Wenn doch, würde er vermutlich sehr schnell Stress mit seinem Vater bekommen, der ihm den Weg in die Königsklasse geebnet hat. "Ich war in einer privilegierten Situation", sagt Norris junior über seinen Papa und Förderer Adam, der mit dem Verkauf eines Versicherungsunternehmens bereits im Alter von 36 Jahren eine Summe im dreistelligen Millionenbereich verdient haben soll.

Lando Norris hat sich auf diesem Geld aber nicht ausgeruht, sondern sehr früh erkannt, worauf es in diesem Business ankommt. Schon als McLaren-Ersatzfahrer saugte er alle verfügbaren Informationen von Ex-Weltmeister Fernando Alonso auf. Norris: "Vor allem, wie Fernando an Rennwochenenden herangeht, und wie er sich bei den Ingenieuren einbringt." Sehr viel Zeit verbringt er nach eigenen Angaben in der Fabrik seines Arbeitgebers: "Das ist mir extrem wichtig, Teil des Teams zu sein, das Auto gut zu verstehen, einen ständigen Austausch zu haben, damit wir uns alle verbessern." Das scheint sich bereits in seiner zweiten Saison voll zu rentieren.

Stand: 16.07.2020, 08:15

Darstellung: