Sunnyboy Ricciardo - Zu nett für das nächste Level?

Daniel Ricciardo

Red-Bull-Pilot war bislang zweimal WM-Dritter

Sunnyboy Ricciardo - Zu nett für das nächste Level?

Von Christian Hornung

Ihn mögen sie alle, Fans, Kollegen, Journalisten: Der Australier Daniel Ricciardo ist vermutlich der beliebteste Formel-1-Fahrer. Immer wieder - so wie jetzt in Monaco - zeigt der Australier auch sein enormes Potenzial. Aber der Sprung auf das nächste Level lässt auf sich warten.

Auf seiner Homepage lässt sich der smarte Modellathlet aus Perth wie ein reicher Urlauber in Szene setzen. Oberkörper frei, mit ansehnlichem Sixpack, spaziert er in blauen Shorts am Sandstrand entlang, lässt sich später in einen gigantischen Pool fallen und braust schließlich lachend in der schwarzen Luxuskarosse des Team-Co-Sponsors durch eine traumhaft schöne Gebirgslandschaft. Palmen im Hintergrund, die Sonne strahlt, Ricciardo strahlt.

Freude über den "Shoey"

So ist er auch im Formel-1-Zirkus bekannt. Er gilt als der Gute-Laune-Garant bei Red Bull, er reagiert auf die Fragen der Berichterstatter nicht genervt oder divenhaft wie der ein oder andere Kollege, er wirkt einfach immer freundlich. Und wenn er gewinnt, wie jetzt am Sonntag (27.05.2018) in Monte Carlo, dann freuen sich auch beim siebten Sieg immer noch alle über seinen "Shoey", diese leicht eklige Einlage, bei der er nach der Siegerehrung den Schampus als vermutlich ziemlich salzigen Cocktail aus seinem Rennschuh schlürft.

Der Formel-1-Rechtehalter "Liberty Media" hat sich das geistige Eigentum an diesem Ritual inzwischen markenrechtlich schützen lassen und verkauft Flaschen, Gläser und Becher mit der Aufschrift "Shoey" in 25 Ländern der Welt exklusiv. Wie weit geht aber die Exklusivität bei den fahrerischen Fähigkeiten von Ricciardo?

Reifenversteher - aber auch hart genug?

Dass er mit ungewohnten Situationen umgehen kann, bewies er gerade erst in Monte Carlo, als er seinen Start-Ziel-Sieg über zwei Drittel des Rennens mit gravierenden Schaltproblemen verteidigte. Ricciardo ist zudem ein Reifenversteher, sein schonender und gefühlvoller Fahrstil minimiert den Verschleiß. Aber ihm wird auch vorgehalten, die nötige Härte und Kompromisslosigkeit für einen konsequenten Angriff auf die Weltmeisterschaft vermissen zu lassen. Zweimal war er bislang Dritter, 2014 und 2016. Auf diesem Platz liegt er auch jetzt wieder in der Fahrerwertung. Weil ihm ein bestimmtes Gen fehlt?

Diese Wut und mitunter auch Brutalität, die ein Lewis Hamilton, ein Sebastian Vettel und auch Ricciardos Gegenentwurf im eigenen Team, Max Verstappen, auf der Rennstrecke entwickeln können - die kennt man bei ihm nicht. Dass man diese Eigenschaften nicht zwingend benötigt, um den Titel zu holen, hat zuletzt der Deutsche Nico Rosberg gezeigt. Aber dann braucht man das beste Auto, und das hat Red Bull in dieser Saison auf den Highspeed-Strecken nicht. Und man braucht eine bessere Performance im Qualifying.

Schwächen im Qualifying

In den 135 Rennen seiner Karriere vor Monaco 2018 ist es Ricciardo nur zweimal gelungen, die Pole zu erobern. Das kann weder Zufall noch Pech sein. Auch bei seinen Starts ist er kein Typ, der wie Vettel oder Hamilton die Regeln bis zum Anschlag ausreizt, um seine Position zu verteidigen.

Ob Mercedes und Ferrari, mit denen der Australier immer wieder mal in Verbindung gebracht wurde, deshalb bislang von einer Verpflichtung abgesehen haben, ist reine Spekulation. Aber die Vermutung, dass der freundliche Sunnyboy aus Australien noch nicht alles aus seinen Fähigkeiten herausgeholt hat, um auf ein noch höheres Level zu steigen, liegt nahe. Vielleicht ist er auch einfach zu nett für den WM-Titel.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Sonntag, 27.5., 19.10 Uhr

Stand: 27.05.2018, 18:57

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