Mehr als nur Rennfahrer - warum Lewis Hamilton der Beste ist

Der Mercedes-Pilot Lewis Hamilton

Analyse zum Großen Preis von Portugal

Mehr als nur Rennfahrer - warum Lewis Hamilton der Beste ist

Von Jo Herold

In Portugal hat Lewis Hamilton mit seinem 92. Sieg Michael Schumacher als Rekordhalter abgelöst. Viele Top-Piloten sind auf ihren Sport absolut fokussiert - aber Hamiltons Fähigkeiten sind größer.

Lewis Hamilton war zwölf Jahre alt, als er bereits an hoher Stelle äußern konnte, dass er eines Tages Formel 1 fahren würde. In Belgien sprach der Junge keinen anderen als den mächtigen Formel-1-Manager Ron Dennis an und teilte ihm mit, dass er in der Zukunft für ihn fahren wolle: "Hi, ich bin Lewis Hamilton. Ich bin britischer Meister und will eines Tages in Ihren Autos Rennen fahren." Eine schicksalhafte Begegnung - denn Dennis, üblicherweise nicht leicht zu beeindrucken, behielt das Talent im Auge und ebnete ihm den Weg in die Königsklasse des Motorsports.

Wetten auf Hamiltons Erfolge

Der junge Lewis Hamilton mit Ron Dennis

Der junge Lewis Hamilton mit Ron Dennis

Zu diesem Zeitpunkt, Hamilton war Meister in der Cadetklasse im Kartsport geworden, akzeptierte ein Wettanbieter eine 40:1-Wette, wonach Hamilton vor seinem 23. Geburtstag ein Formel-1-Rennen gewinnen würde (erfolgt 2007 beim Großen Preis von Kanada im Alter von 22 Jahren und 154 Tagen) sowie eine 150:1-Wette, dass er vor seinem 25. Geburstag zum ersten Mal Weltmeister würde. Auch diese Vorhersage erfüllte sich, Hamilton war am 2. November 2008 vor seinem 24. Geburtstag erstmals und jüngster Champion der Formel-1-Geschichte, wurde 2010 darin aber von Sebastian Vettel abgelöst. Zuvor war er aus der Kleinstadt Stevenage durch die Formel 3 und die GP2 als Meister durchmarschiert und hatte den klassischen Weg in die Formel 1 genommen.

Stillleben als Hochglanzfotos

Inzwischen dürfte Lewis Hamiltons Vermögen die Marke von einer Milliarde Euro ansteuern. Der 2007 von der Queen zum Ritter geschlagene Engländer genießt allerlei Luxus, ohne damit zu prahlen, hat eine riesige Autosammlung und inszeniert sich perfekt als öffentliche Person. Lange Zeit verfolgte die Boulevard-Presse die Liaison zwischen dem Rennfahrer und der Musikerin Nicole Scherzinger. Doch seit 2014 dringt außer Hochglanzfotos Hamiltons, die vielfach an Stillleben erinnern, nichts wirklich Privates an die Öffentlichkeit.

Aktivist mit riesiger Fangemeinde

Mode ist ein Steckenpferd von Hamilton, zeitweise kursierten Musikvideos vom Piloten. Doch seit einigen Jahren positioniert sich der schwarze Rennfahrer als politischer Aktivist: Vegane Ernährung, Umweltschutz, Rassismus sind seine Themen, mit denen er eine sehr große Fangemeinde erreicht. Auf Instagram hat er 20,3 Millionen Abonnenten, 4,2 Millionen Likes auf Facebook, 5,9 Millionen Follower auf Twitter, wo er beispielsweise am Tag seines historischen Triumphes noch die Menschenrechtsverletzungen in Nigeria anprangerte. Sicher ist: Hamilton polarisiert mit seinen Statements, weswegen seine Popularität längst nicht so groß ist wie die anderer Sportstars. Es scheint ihm egal zu sein.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

"Das Wichtigste in meinem Leben sind meine Familie und mein Glaube"

Hamilton schöpft Kraft aus seiner Interaktion mit seiner Umwelt. Bei Mercedes, so äußerte sich der verstorbene Niki Lauda vor einigen Jahren, habe man früh erkannt, dass Hamiltons Form von Professionalität sich nicht nur zwischen Fahrsimulator, Muckibude und Rennstrecke bewege. Sein Erfolg rekrutiert sich aus unfassbarem Talent, starkem Willen und vor allem aber offenbar aus einer großen Reflexion darüber, was ihm gut tut - oder eben nicht. Hamiltons Erfolgsformel: "Ich trainiere viel, esse sehr gesund, versuche auch, insgesamt gesund und vergnüglich zu leben und jeden Tag mindestens einmal zu lachen. Aber das Wichtigste in meinem Leben sind meine Familie und mein Glaube."

Stand: 25.10.2020, 18:51

Darstellung: