Analyse - Drei Deutsche in der Formel 1 sind realistisch

Mick Schumacher beim Eifel Grand Prix

Großer Preis der Eifel

Analyse - Drei Deutsche in der Formel 1 sind realistisch

Von Christian Hornung

Auch wenn seine geplante Trainingsfahrt im Alfa Romeo am Freitag am Nürburgring dem Wetter zum Opfer gefallen war - Mick Schumacher war ein Gewinner des Großen Preises der Eifel. Nachhaltig für ein Cockpit 2021 empfahl sich Nico Hülkenberg, er könnte im nächsten Jahr einer von drei Deutschen in der Königsklasse sein.

Vor genau zehn Jahren fuhren mit Michael Schumacher, Sebastian Vettel, Nico Rosberg, Nick Heidfeld, Nico Hülkenberg, Adrian Sutil und Timo Glock gleichzeitig sieben deutsche Fahrer in der Formel 1. Mitte 2020 sah es für die heimischen Fans hingegen nach dem Horrorszenario aus: Bei Vettel war es in einer erneuten Pleiten-Pech-und-Pannen-Saison zum Bruch mit Ferrari gekommen, die Trennung zum Saisonende stand fest, und lange war kein neuer Arbeitgeber in Sicht.

Hülkenberg war schon für 2020 ohne Cockpit. Und Mick Schumacher schien noch zu grün, um schon im kommenden Jahr ganz oben einzusteigen. Es drohte für 2021 eine Formel 1 ganz ohne deutschen Fahrer.

Hamilton gewinnt am Nürburgring und ist nun auf Augenhöhe mit Schumacher Morgenmagazin 12.10.2020 01:32 Min. Verfügbar bis 12.10.2021 Das Erste

Neustart für Vettel endlich absehbar

Dieses Bild hat sich Anfang Oktober gewandelt. Vettel hat sich inzwischen mit Racing Point/Aston Martin auf eine Zusammenarbeit geeinigt und wird dort den Mexikaner Sergio Perez ersetzen. Seine Performance bei Ferrari ist zwar weiterhin ein Trauerspiel, Platz elf trotz zahlreicher Ausfälle am Nürburgring-Sonntag (11.10.2020) war ein weiterer Tiefpunkt - doch der Neustart im neuen Team ist ja nun absehbar.

Den Nürburgring perfekt zur Eigenwerbung genutzt hat auch Hülkenberg. Drei Tage vor dem Rennen rief ihn Racing Point an, das Freitags-Training fiel aus, im Qualifying wurde er Letzter - und verbesserte sich im Rennen (auch an Vettel vorbei) auf einen phantastischen achten Platz. "Nicht so schlecht für einen Halbzeitarbeiter", lachte er hinterher: "Für den Moment bin ich glücklich und dankbar."

Formel 1: 13.500 Fans bejubeln Hamiltons Rekordfahrt auf dem Nürburgring

Sportschau 11.10.2020 01:49 Min. Verfügbar bis 11.10.2021 ARD Von Michael Land

Noch einige offene Stellen

Sein Glücksgefühl würde sich potenzieren, wenn er 2021 wieder Vollzeitkraft in der Königsklasse würde - noch ist das absolut denkbar: Bei Red Bull ist das zweite Cockpit neben Max Verstappen noch offen, auch bei Alfa Romeo, Haas und Alpha Tauri gibt es Möglichkeiten.

Sollte es mit Hülkenberg klappen, ist es inzwischen sehr wahrscheinlich, dass einer seiner Konkurrenten im kommenden Jahr Mick Schumacher wird. Für den begann das Nürburgring-Wochenende zwar mit einer herben Enttäuschung: Weil am Freitag wegen widriger Wetterbedingungen ein Start des Rettungshubschraubers für zu gefährlich erachtet wurde, fiel die Trainingssession aus. Ausgerechnet die, in der "Schumis" Sohn seine ersten Rennerfahrungen im Alfa Romeo hätte sammeln sollen. Schumacher blieb aber das gesamte Wochenende am Ring ("Ich nehme an allen Meetings teil und sauge alles auf, was ich für die Zukunft mitnehmen kann") und war am Ende einer der großen Gewinner.

Schumachers Geste für die Ewigkeit

Wieviel Einfluss Mick Schumacher selbst auf die großartige und bewegende Idee hatte, Lewis Hamilton zur Einstellung des Sieg-Rekordes von Michael Schumacher (91 Erfolge bei einem Grand Prix) einen Helm seines Vaters zu überreichen, ist dabei völlig egal: Es war eine Geste für die Ewigkeit in der Formel 1. Und auch sonst bekam der Junior in den drei Tagen des Eifel-Rennens sehr viel Zuspruch - seine Berufung in die höchste Fahrerliga scheint nur noch eine Frage des Bekanntgabe-Zeitpunkts.

Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur beispielsweise ist überzeugt: "Wir werden ihn ganz sicher bald in der Formel 1 sehen. Ich denke, wir stehen kurz vor einer Entscheidung, was unsere Fahrer für nächstes Jahr betrifft." Schumacher sei "natürlich eine Option, es liegt aber auch an Ferrari, da eine Entscheidung zu treffen."

"Er verdient seine Chance"

Diese rückt näher, steht vielleicht sogar kurz bevor. Sebastian Vettel würde sich freuen: "Mick verdient seine Chance. Ich hoffe, dass er sich ein Cockpit für nächstes Jahr sichern kann. Er ist ein toller Junge."

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hat zwar seine beiden eigenen Cockpits mit Charles Leclerc und Carlos Sainz für 2021 besetzt, sagt aber deutlich: "Ich denke, Mick wird bald in die Formel 1 kommen. Wir werden in den kommenden Wochen entscheiden, was das Beste für ihn und unsere anderen Akademie-Fahrer in der Formel 2 ist." In der Formel 2 führt aktuell übrigens: Mick Schumacher.

Stand: 11.10.2020, 18:08

Darstellung: