Analyse - Was gute Teamstrategie bewirken kann

Lewis Hamilton in Monaco

Großer Preis der Formel 1 in Monte Carlo

Analyse - Was gute Teamstrategie bewirken kann

Von Christian Hornung

Qualität des Autos, Können des Fahrers oder die perfekte Teamführung: Was in der Formel 1 am wichtigsten ist, darüber lässt sich herrlich streiten. Das Rennwochende in Monaco lieferte gute Beispiele, was die Strategen in der Box an- und ausrichten können - eine Analyse.

"Es ist eine Schande." So kurz und treffend fasste Charles Leclerc seine drei Tage beim Heimspiel zusammen. Wieder einmal hatte der Monegasse vor der eigenen Haustür die Ziellinie nicht erreicht, das war ihm auch schon in den Rennserien nicht gelungen, die er vor seinem vielversprechenden Start in der Königsklasse gefahren war. Diesmal war die Schuld recht einfach auszumachen: Sie lag bei den Ferrari-Verantwortlichen, die sich im Qualifying eine hochnotpeinliche Fehleinschätzung geleistet hatten.

Keine personellen Konsequenzen bei Ferrari

Nach einer mittelmäßigen Runde im Q1 ließ man Leclerc nicht weiterfahren, weil man sich sicher war, die Zeit würde für die Top-15 und damit das Q2 reichen. Kopfschüttelnd sah der junge Pilot dann mit an, wie er auf Rang 16 durchgereicht wurde - ein Debakel.

Daraufhin musste er im Rennen ein viel zu großes Risiko eingehen, um sich auf dem superengen Stadtkurs nach vorn zu arbeiten und den Schaden irgendwie zu begrenzen, was krachend misslang: Beim Überholversuch gegen Nico Hülkenberg schlitzte er sich einen Reifen auf und ruinierte das Rennen des Deutschen gleich mit. Leclerc: "Ein Qualifying so wegzuschmeißen, ist wirklich schade. Es ist eine Freude, bei Ferrari zu sein, aber das ist schwer zu ertragen." Teamchef Mattia Binotto räumte zwar einen "schlechten Tag" ein und benannte "klare Fehler des Teams". Personelle Konsequenzen schloss er allerdings aus.

Klare Anweisung an Hamilton

Dass solche Konsequenzen bei Mercedes nötig wären, kann man beim Blick auf den aktuellen WM-Stand nun wirklich nicht behaupten. Obwohl man während des Rennens in Monaco machmal den Eindruck gewinnen konnte, dass Lewis Hamilton diese am liebsten sofort eingeleitet hätte: Permanent haderte und schimpfte er via Boxenfunk über die Reifenstrategie, doch seine Ingenieure blieben stark - Hamilton durfte nicht zum Wechseln kommen, sondern sollte durchfahren. Das war gewagt, aber es war die Siegstrategie.

Chefstratege James Vowles hatte sich im letzten Renndrittel einmal kurz zu Wort gemeldet und dem Dauernörgler im Cockpit erklärt, dass ein Boxenstopp statt Platz eins den Sturz auf Platz vier bedeuten würde - basta. Nach dem Triumph bedankte sich Hamilton artig, seine kühne Behauptung ("Ich wollte ja gar nicht an die Box kommen") klang angesichts seiner Einlassungen zwischen Runde 50 und 78 allerdings eher albern.

Red Bull wollte zu schnell zu viel

Teamstrategie, die dritte: Beim vorentscheidenden Boxenstopp in der Safety-Car-Phase nach Leclercs Reifenschaden ging Red Bull zu viel Risiko: Um sich irgendwie an Valtteri Bottas vorbeizuzwängen, winkte das Team Max Verstappen nach einem blitzschnellen Reifenwechsel zu früh auf die Straße zurück, was die Jury als "Unsafe Realease" wertete - ohne die daraus folgende Fünf-Sekunden-Strafe wäre Verstappen ziemlich sicher auf dem Podium gelandet.

Anders bei Leclerc/Ferrari und Hamilton/Mercedes lagen Red Bull und Verstappen bei dieser Entscheidung allerdings voll auf einer Welenlänge. Der wilde Niederländer sagte hinterher: "Kein Vorwurf an die Jungs, es war genau richtig, etwas zu versuchen. Fast hätte es ja auch gereicht."

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 26.05.19, 18 Uhr

Stand: 26.05.2019, 18:59

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