WM-Trainerkarussell in voller Fahrt

Argentiniens Trainer Jorge Sampaoli

WM in Russland

WM-Trainerkarussell in voller Fahrt

Joachim Löw bleibt Bundestrainer. Doch wie sieht es bei anderen Nationen aus, deren Teams bei der WM in Russland frühzeitig nach Hause mussten? Fünf Trainer sind schon raus, andere stehen auf der Kippe, wieder andere zieren sich - ein Überblick.

Es war zu erwarten, und dann ging es auch ganz schnell. Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der WM in Russland trennt sich Polen von Nationaltrainer Adam Nawalka. Der auslaufende Vertrag des 60-Jährigen werde nicht verlängert, hieß es. Die polnische Mannschaft hatte nach Niederlagen gegen den Senegal und Kolumbien schon früh keine Chance mehr auf den Einzug in die K.o. Runde.

Ähnlich erging es dem Japaner Akira Nishino. Auch dessen Vertrag läuft aus, und vom Verband hieß es dazu: "Wir werden ihn nicht überreden, weiterzumachen." Dabei war Japan bis ins Achtelfinale gekommen und dort erst unglücklich durch ein Tor in der Nachspielzeit an Belgien gescheitert. Kurz danach gab es die Trennung.

Auch Costa Ricas Oscar Ramirez muss nach dem Aus in der Vorrunde seinen Stuhl räumen - genau wie Ägyptens Nationaltrainer Hector Cuper. Der hatte die Ägypter erstmals nach 28 Jahren wieder zu einer WM-Endrunde geführt. Doch das war nach drei Niederlagen am Ende wohl nichts mehr wert. Dass Bert van Marwijk Australien nach der WM verlässt, das stand schon vor dem Turnier fest. Er hatte das Amt erst zu Jahresbeginn übernommen, sein Nachfolger ist der Australier Graham Arnold.

Was wird aus Sampaoli und Pekerman?

Andere Trainer stehen auf der Kippe, allen voran der Argentinier Jorge Sampaoli. Der soll schon während des Turniers vom Team praktisch entmachtet worden sein. Der Vizeweltmeister scheiterte im Achtelfinale an Frankreich. Vor allem Fans und Medien machen jede Menge Druck auf den Verband. Freiwillig aufgeben will der 58-Jährige seinen Posten nicht, sein Vertrag läuft bis zur WM 2022.

Ob Jose Pekerman Kolumbiens Trainer bleibt, ist ebenso unklar. Seit 2012 betreut er das Team, führte es zu zwei Weltmeisterschaften, aber sein Vertrag läuft aus. Für die heimischen Medien scheint der Umbruch auf der Trainerbank schon eine sichere Sache, so schrieb die Zeitung "El Espectador" schon vom "Ende der Ära Pekerman".

Auch Südkoreas Shin Tae Yong sitzt trotz des Sieges gegen Weltmeister Deutschland keineswegs fest im Sattel. Denn nach Niederlagegen gegen Schweden und Mexiko musste sich der Coach zum Teil heftige Kritik von Kommentatoren und Fans in der Heimat gefallen lassen. Sein Vertrag läuft aus. "Es gibt noch keine Entscheidung dazu", sagte ein Sprecher des Verbands. Fakt ist: Noch kein südkoreanischer WM-Trainer, der die K.o.-Runde verpasste, durfte anschließend im Amt bleiben.

Auch in Spanien wird wohl bald ein Job frei. Fernando Hierro, der erst durch das Chaos um den Rauswurf des neuen Real-Madrid-Coaches Julen Lopetegui kurz vor der WM ins Amt kam, dürfte nach dem Aus gegen Russland keine Option für ein längeres Engagement sein.

Gelassenheit in Afrika

Andere Trainer müssen sich hingegen keine Sorgen machen. Überraschend gelassen reagierten beispielsweise die afrikanischen Teams auf das frühe Aus schon der Vorrunde. Die Zukunft von Gernot Rohr bei Nigeria gilt ebenso als gesichert wie die von Aliou Cisse im Senegal und Herve Renard bei Marokko.

Im Amt bleibt auch Dänemarks norwegischer Coach Age Hareide, für den mit der Pleite gegen Kroatien eine Serie von 18 Spielen ohne Niederlage endete. Bereits verlängert wurde der Vertrag von Juan Antonio Pizzi als Nationaltrainer Saudi-Arabiens - trotz des frühen Ausscheidens.

Weiter machen darf auch der Carlos Queiroz im Iran, der gegen sein Heimatland Portugal beim 1:1 nur denkbar knapp den Einzug ins Achtelfinale verpasst hatte, der Portugiese Fernando Santos, der Serbe Mladen Krstajic und der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

Die einen zieren sich, andere zocken

Vier andere Nationen würden ihre Trainer gerne behalten, doch die zieren sich. "Ja, ich habe andere Angebote. Aber das Land hat eine große Zukunft. Ich werde mir etwas Zeit nehmen und dann die Entscheidung treffen", sagte Panamas Trainer Hernan Dario Gomez, der mit seinen Spielern trotz dreier Niederlagen in der Heimat wie ein Held gefeiert wurde.

Peru will mit Ricardo Gareca weiter arbeiten, doch der sagt: "Wir werden alles in Ruhe analysieren, jetzt ist nicht der Moment, diese Entscheidung zu treffen." Hintergrund ist, dass der Argentinier in seinem Heimatland schon als Nachfolger von Sampaoli gehandelt wird. Auch Mexikos Juan Carlos Osorio weiß noch nicht so recht, was er in Zukunft machen will. "Wir werden sehen, was passiert", sagte der Kolumbianer.

Hallgrimsson vor Klubkarriere, Maaloul betet

Islands Heimir Hallgrimsson denkt offenbar über eine Klubkarriere nach. "Ich nehme mir eine Woche oder zwei Zeit. Ich spreche mit dem Verband, spreche mit meiner Familie, und dann treffen wir eine Entscheidung", sagte er. Die Spieler wünschen zwar, dass er bleibt, haben aber auch Verständnis für die Ambitionen ihres Trainers. "Er hätte etwas Größeres verdient", sagte der Augsburger Alfred Finnbogason. Ähnlich ergeht es Tunesiens Nabil Maaloul. "Ich werde erst beten und Gott wird mir dann den richtigen Weg zeigen", sagte er.

Und die Viertelfinalisten? Deren Trainer dürfen nach der WM wohl auch weiter machen, schließlich haben sie ihre Teams unter die letzten Acht geführt. Nur Brasiliens Tite könnte in den Kreis der Wackelkandidaten treten, wenn die Selecao im Viertelfinale an Belgien scheitert. Und Oscar Tabarez könnte Uruguay verlassen - allerdings aus gesundheitlichen Gründen.

red/sid/dpa | Stand: 05.07.2018, 11:30

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