Kurioser Torjubel - warum Portugal unnötig vorsichtig ist

Ein Spieler bleibt im Spielfeld

Kurioser Torjubel - warum Portugal unnötig vorsichtig ist

Von Chaled Nahar

Portugals Spieler feierten Cristiano Ronaldos 3:3 gegen Spanien ausgiebig hinter der Seitenlinie - nur José Fonte blieb beim Jubel im Spielfeld. Einen nachvollziehbaren Grund dafür gibt es nicht.

Als Ronaldos Freistoß rechts oben in das spanische Tor rauschte, gab es bei Portugal kein Halten mehr. Die Mitspieler stürmten zum Torschützen und feierten ihn knapp hinter der Seitenlinie. Doch es waren nicht alle Feldspieler - denn José Fonte blieb betont im Spielfeld in der spanischen Hälfte stehen, wie die Fernsehbilder zeigten (Video oben).

Bei Twitter werden Regeln zitiert, die es nicht gibt

In den sozialen Netzwerken entstanden daraufhin Gerüchte, warum er das tat. Ein Account behauptete, den Grund zu kennen und zitierte ein vermeintliches Regelwerk. Ein Spieler der Mannschaft, die das Tor erzielte, müsse demnach in der gegnerischen Hälfte verweilen - sonst könnte die gegnerische Mannschaft den Anstoß ausführen und theoretisch zu elft auf den allein gelassenen Torwart zulaufen. "Schnelle Mitte", würden Handballer sagen.

Das Problem an dieser Erklärung: Die besagten Zeilen gibt es im Regelwerk nicht.

Ein Gerücht oder ein Missverständnis?

Jürgen Jansen, Schiedsrichter-Experte der ARD, sieht daher keine Begründung für das Verhalten der portugiesischen Spieler. "Hierzu gibt es keine Regel oder Anweisung."

Er verweist auf die offiziellen Fußballregeln. Darin ist zum Aufenthalt der Spieler beim Anstoß in Regel 8.1 lediglich festgelegt: "Alle Spieler, mit Ausnahme des Spielers, der den Anstoß ausführt, befinden sich in der eigenen Spielfeldhälfte."

Auch Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben", sagt im Gespräch mit sportschau.de: "Möglicherweise sind die Spieler einem Gerücht aufgesessen. Oder sie haben bei den Regelschulungen vor dem Turnier etwas falsch verstanden."

Australien jubelt genauso

Und die Geschichte geht weiter. Am Tag nach Portugals übertrieben sorgsamen Jubel erzielte Australiens Mile Jedinak den Ausgleich gegen Frankreich - und wieder stellte sich mit Mark Milligan ein Mitspieler abseits brav in die französische Spielhälfte, wie in diesem Video zu sehen ist:

Zusatzbestimmung der FIFA? Geht nicht

Der nächste Erklärungsversuch in den sozialen Netzwerken: Es gibt eine Zusatzbestimmung der FIFA! Doch die hat in ihren Rahmenbedingungen zur WM festgelegt: "Alle Spiele sind gemäß den vom International Football Association Board beschlossenen, zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft geltenden Spielregeln auszutragen." Ein Spielraum für "Zusatzbestimmungen" ist also nicht vorhanden.

Laut Jürgen Jansen ist auch die befürchtete schnelle Ausführung des Anstoßes gar nicht möglich. "Nur der Schiedsrichter kann nach dem Torerfolg das Spiel mit dem Pfiff zum Wiederanstoß fortsetzen."

"Kein Schiedsrichter würde sowas zulassen"

Und so bleibt offen, warum einige Mannschaften beim Jubel so vorgehen. Bei Twitter vermuten Nutzer schon scherzhaft einen Whatsapp-Kettenbrief unter Profifußballern.

Alex Feuerherdt verweist allerdings noch auf die menschliche Komponente bei den Schiedsrichtern: "Kein Schiedsrichter würde bei einem solchen Turnier den Anstoß ausführen lassen, wenn sich noch eine signifikante Zahl an Spielern beim Torjubel außerhalb des Feldes befindet."

Stand: 19.06.2018, 19:11

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