Die WM-Topfavoriten im Formcheck

Toni Kroos (l.) und Coutinho (r.)

WM-Endrunde

Die WM-Topfavoriten im Formcheck

Von Robin Tillenburg

Brasilien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Argentinien und Belgien sind die sechs Topfavoriten der WM 2018 in Russland. Sportschau.de macht den Formcheck.

Brasilien - wer soll die Truppe stoppen?

Die Weste der Brasilianer ist blütenweiß - in vier Testspielen in diesem Kalenderjahr kassierte die Selecao kein einziges Gegentor. Dazu ist Superstar Neymar wohl bis zum ersten Gruppenspiel am Sonntag (17.06.2018) gegen die Schweiz auch nicht mehr "bei 80 Prozent", wie er zuletzt meinte, sondern nach seiner langen Verletzungspause wieder bei 100.

Eine stabile Defensive mit einem guten Torhüter und eine Offensivreihe, die schon ohne Neymar durchaus angsteinflößend für gegnerische Abwehrspieler sein kann - was soll die Mannschaft von Trainer Tite also aufhalten können? Das verletzungsbedingte Fehlen von Außenverteidiger Dani Alves tut sicher weh, doch ansonsten spricht zumindest formtechnisch nicht viel gegen den Halbfinalisten von 2014.

Brasiliens Form
Spiele 2018Beste Torschützen 2018Prominenteste/r Ausfall/AusfälleWeltranglistenplatz
3:0-Sieg gegen RusslandNeymar (2)Dani Alves (nicht im Kader)2.
1:0-Sieg gegen DeutschlandPhilippe Coutinho (2)
2:0-Sieg gegen KroatienGabriel Jesus (2)
3:0-Sieg gegen Österreich

Deutschland - holprige Form, starker Kader

Von der Bilanz in diesem Kalenderjahr her ist Deutschland aktuell der schwächste der sechs Topfavoriten. Der Weltmeister holte nur einen Sieg aus den vier Länderspielen 2018 und auch der sah beim 2:1 gegen Saudi-Arabien über weite Strecken nicht überzeugend aus. Dazu stört die Debatte um Mesut Özil und Ilkay Gündogan die Atmosphäre.

Der Weltranglistenerste ist dennoch nicht nur bei den Buchmachern einer der heißesten Anwärter auf den Titel, schließlich hat die DFB-Elf aus den letzten 28 WM-Spielen nur fünf verloren, stand seit 2002 immer im Halbfinale und hat auch in diesem Jahr einen extrem hochkarätig besetzten Kader zusammen. Bekommen Joachim Löw und das Trainerteam ihr Ensemble rechtzeitig in Form, ist alles möglich.

Deutschlands Form
Spiele 2018Beste Torschützen 2018Prominenteste/r Ausfall/AusfälleWeltranglistenplatz
1:1 gegen SpanienThomas Müller (1)Serge Gnabry (nicht im Kader)1.
0:1-Niederlage gegen BrasilienMesut Özil (1)Lars Stindl (nicht im Kader)
1:2-Niederlage gegen ÖsterreichTimo Werner (1)
2:1-Sieg gegen Saudi-Arabien

Spanien - Sorgen nach Entlassung von Chefcoach Lopetegui

Dass die Spanier bei den Titelfavoriten momentan oft erst im zweiten Atemzug genannt werden, liegt wohl an den letzten beiden großen Turnieren. Bei der EM 2016 war im Achtelfinale Endstation für den damaligen Titelverteidiger und beim WM-Turnier in Brasilien vor vier Jahren sah es noch übler aus: Die Iberer überstanden nicht einmal die Vorrunde.

Die Spanier bejubeln einen Treffer von Isco im Spiel gegen Argentinien

Die Spanier bejubeln einen Treffer von Isco im Spiel gegen Argentinien

Wie stark der Kader aber besetzt ist zeigt die Tatsache, dass für Bayern Münchens Javi Martinez, sowie die Chelsea-Spieler Cesc Fabregas und Alvaro Morata kein Platz war. Die Mischung aus erfahrenen Haudegen wie Sergio Ramos und jungen Talenten wie Marco Asensio gespickt mit einem Weltklasse-Keeper und diversen Ballkünstlern rund um den einzigen Bundesligalegionär Thiago ließ schon Argentinien Ende März beim 6:1 spüren, was theoretisch möglich sein kann.

Allerdings bleibt abzuwarten wie das Team mit der Entlassung von Nationaltrainer Julen Lopetegui umgehen wird. Die sofortige Trennung von dem 51-Jährigen, der zur kommenden Saison Trainer von Real Madrid wird, gab der nationale Verband RFEF am Mittwoch (13.06.2018), zwei Tage vor dem ersten WM-Spiel gegen Portugal, bekannt.

Spaniens Form
Spiele 2018Beste Torschützen 2018Prominenteste/r Ausfall/AusfälleWeltranglistenplatz
1:1 gegen DeutschlandIsco (3)Dani Carvajal (für erste Spiele fraglich)10.
6:1-Sieg gegen ArgentinienIago Aspas (2)
1:1 gegen Schweiz
1:0-Sieg gegen Tunesien

Frankreich - ein paar personelle Fragezeichen im Kader voller Hochkaräter

Die Aussage mit dem hochkarätig besetzten Kader lässt sich nahtlos auf Frankreich übertragen. Die Franzosen haben wohl die größte Masse an jungen Toptalenten in ihren Reihen - da fällt der verletzungsbedingte Ausfall von Dimitri Payet kaum ins Gewicht. Coach Didier Deschamps hat sein immer noch junges Team sukzessive verbessert - auch wenn es weiterhin ab und an an Konstanz fehlt. Nach dem Viertelfinalaus bei der WM 2014 und der Finalniederlage bei der Euro 2016 sollen jetzt endlich die Früchte der guten Nachwuchsarbeit geerntet werden.

Aber: Frankreich hat nicht nur beinahe schon traditionell einige als schwierig geltende Charaktere im Kader, die es erst einmal miteinander zu kombinieren gilt - Paul Pogba oder Ousmane Dembele sind nur zwei Beispiele -, sondern auch kurzfristig leichte Personalsorgen bekommen: Djibril Sidibe und Samuel Umtiti sind für die ersten Spiele noch fraglich, das tut besonders weh, weil schon Innenverteidiger Laurent Koscielny vom FC Arsenal verletzungsbedingt gar nicht erst im Aufgebot steht - die Defensive könnte also ein paar Schwierigkeiten bekommen.

Frankreichs Shootingstar Kylian Mbappé

Frankreichs Shootingstar Kylian Mbappé

Dazu verletzte sich jüngst im Training auch Supertalent Kylian Mbappé, auf dem ein Großteil der Hoffnungen ruhen. Die Schwere der Verletzung des besten Torschützen der Equipe Tricolore im Jahr 2018 ist noch nicht bekannt.

Frankreichs Form
Spiele 2018Beste Torschützen 2018Prominenteste/r Ausfall/AusfälleWeltranglistenplatz
2:3-Niederlage gegen KolumbienKylian Mbappé (3)Dimitri Payet (nicht im Kader)7.
3:1-Sieg gegen RusslandOlivier Giroud (2)Laurent Koscielny (nicht im Kader)
2:0-Sieg gegen IrlandDjibril Sidibe (angeschlagen)
3:1-Sieg gegen ItalienKylian Mbappé (angeschlagen)
1:1 gegen USASamuel Umtiti (angeschlagen)

Argentinien - Messis letzte Chance?

Der WM-Finalist von 2014 mit einem der - wenn nicht dem - besten Spieler der Welt im Kader sollte eigentlich in der Lage sein, auch beim nächsten Turnier ganz vorn mitzumischen. Irgendwie kommt einem dieser Gedanke bei den Argentiniern aber nicht so richtig. Die vorhandenen Spieler sind weiterhin gut - man konnte sogar auf Mauro Icardi verzichten, der in der Serie A 29 Treffer erzielte, und auch Lionel Messi ist immer noch überragend, doch so ein bisschen scheint die Albiceleste ihre Felle davonschwimmen zu sehen.

Die Mannschaften der jüngsten beiden WM-Turniere wirkten auf dem Papier stärker und doch reichte es nie zum großen Wurf. Gerade defensiv könnte das Team von Jorge Sampaoli wie beim üblen 1:6 im März gegen Spanien immer wieder Probleme bekommen. Stammkeeper Sergio Romero fehlt verletzt und auch er war nicht immer der sichere Rückhalt, den man eigentlich braucht, um Weltmeister zu werden. Sein Vertreter Willy Caballero ist Ersatzkeeper beim FC Chelsea.

Dennoch darf man ein mit einigen Spielern von internationalem höchsten Topniveau und eben dem überirdischen Messi besetztes Team wohl nie völlig abschreiben. Gerade der Superstar wird extrem motiviert sein und hat schon angedeutet, dass der Fortgang seiner Karriere im blau-weißen Trikot auch vom Ergebnis dieses Turniers abhängen wird.

Argentiniens Form
Spiele 2018Beste Torschützen 2018Prominenteste/r Ausfall/AusfälleWeltranglistenplatz
2:0-Sieg gegen ItalienLionel Messi (3)Sergio Romero (nicht im Kader)5.
1:6-Niederlage gegen SpanienManuel Lanzini (nicht mehr im Kader)
4:0-Sieg gegen Haiti

Belgien - der ewige Geheimfavorit will mehr

Weltranglistenplatz drei kommt nicht von ungefähr. Der Kader Belgiens liest sich wie eine Premier-League-Auswahl, die durch einige Bundesligaspieler wie Mönchengladbachs Thorgan Hazard oder andere international starke Spieler wie Dries Mertens (SSC Neapel) oder Thomas Meunier (Paris Saint-Germain) verstärkt wurde. Gerade die unglaubliche Offensivkraft, die das Team entwickeln kann, ist beeindruckend: Mit neun Siegen und einem Remis sowie einer Tordifferenz von 43:6 marschierten die Roten Teufel durch die Quali und hörten auch im Jahr 2018 bisher nicht auf.

Traf doppelt für Belgien im Test gegen Costa Rica: Romelu Lukaku (v.) jubelt mit Dries Mertens

Traf doppelt für Belgien im Test gegen Costa Rica: Romelu Lukaku (v.) jubelt mit Dries Mertens

Romelu Lukaku traf in den vier Spielen in diesem Jahr bereits fünfmal, der Mittelstürmer, der bei Bedarf von Michy Batshuayi (die Rückrunde bei Borussia Dortmund und ebenfalls bereits zwei Tore in diesem Kalenderjahr) abgelöst wird, befindet sich in Bestform. Dass sich die kurzfristig zugezogene Verletzung von Eden Hazard als nicht so schwerwiegend herausstellte und möglicherweise auch der verletzte Abwehrchef Vincent Kompany noch in der Vorrunde eingreifen könnte, nährt die Hoffnung der Belgier auf den ersten WM-Titel. Die Rolle des ewigen Geheimfavoriten will man endlich ablegen.

Belgiens Form
Spiele 2018Beste Torschützen 2018Prominenteste/r Ausfall/AusfälleWeltranglistenplatz
4:0-Sieg gegen Saudi-ArabienRomelu Lukaku (5)Vincent Kompany (angeschlagen)3.
0:0 gegen PortugalMichy Batshuayi (2)
3:0-Sieg gegen Ägypten
4:1-Sieg gegen Costa Rica

Stand: 13.06.2018, 09:23

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