WM-Tagebuch - Watutinki nimmt 5:0 gelassen

WM Tagebuch - Getränkekisten stapeln sich

Das WM-Tagebuch

WM-Tagebuch - Watutinki nimmt 5:0 gelassen

Von Marcus Bark (Watutinki)

Die deutsche Fußballnationalmannschaft versucht, in Russland ihren Weltmeistertitel zu verteidigen. Unser Reporter begleitet sie bei dem Versuch und führt darüber Tagebuch.

Donnerstag , 14. Juni 2018

Schicker Anzug von Robbie Williams. Wer‘s tragen kann. Die Wachmänner am Hotel rücken eng zusammen. Der Monitor ist klein. Noch eine halbe Stunde.

Draußen vor dem hohen Zaun schwirrt ein Mann in grellen Boxershorts über den Bildschirm. Wer‘s tragen kann.

Der Mann ist Fischer. Sieht nach Südsee aus. In einer Viertelstunde beginnt die Fußballweltmeisterschaft. Robbie Williams singt.

Fischer-Doku im Feinkostladen

Knapp 30 Kilometer Luftlinie sind es vom Feinkostladen in Watutinki bis zum Stadion Luschniki, in dem die Russen die WM eröffnen. Über der Feinkosttheke hängt ein Fernseher. Es läuft eine Doku über Fischer.

Plattenbauten in Russland

Wie viele Wohneinheiten (tolles Wort) gibt es wohl im Plattenbauteil von Watutinki? Tausende bestimmt, vermutlich Zehntausende. Keine russische Fahne in den Fenstern. Keiner mit Trikot, keiner mit weiß-blau-rotem Trikot.

"Wir öffnen in zwei Tagen"

Zwischen die Supermärkte im Erdgeschoss hat sich eine Bar geschoben. Drinnen hängen Riesenkronenkorken mit den Logos von Real Madrid, Manchester United und FC Barcelona. Perfekt. Hier ist WM.

Oder auch nicht. "Wir öffnen in zwei Tagen." Ah.

Zwei Gäste im Ostflügel

Der "Italiener" 100 Meter weiter hat es rechtzeitig geschafft. Drei Screens. Zwei Gäste im Ostflügel. Shrimps als Vorspeise. Beim 1:0 wischen sie das Fett an der Serviette ab. Dazu ein leises "Ohhh". Beim 2:0 ist schon einer weg, der andere guckt auf sein Handy. Draußen fährt der Bus ab. Die Menschen kommen von der Arbeit. Halbzeit.

Watutinki wächst. Stein auf Stein. Wohneinheit um Wohneinheit. Es wird gemauert und gezimmert, auch wenn Russland die WM eröffnet.

Kinderwagen auf der Tartanbahn

Der Fußballplatz auf der eingezäunten Sportanlage ist in schlechtem Zustand. Alles holprig, der Rasen viel zu hoch. Ein paar Kinder kicken trotzdem, ein Mann joggt über die blaue Tartanbahn, zwei Eltern mit Kinderwagen drehen ihre Runden. Der Spielplatz ist voll. Abendsonne über Watutinki. Die Supermärkte sind auch voll.

4:0. Nachspielzeit. Die Wachmänner drehen Zigaretten. 5:0. Schluss. Der Monitor wird eingepackt. Watutinki nimmt die WM gelassen. Zumindest äußerlich.

Stand: 14.06.2018, 20:28

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