WM-Tagebuch - Kopfball Letschkow

Fußballstadion in Russland

Das WM-Tagebuch

WM-Tagebuch - Kopfball Letschkow

Von Marcus Bark (Moskau)

Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Unser Reporter bleibt trotzdem in Russland und berichtet über seine Erlebnisse im Tagebuch.

Dienstag, 10. Juli 2018

Umsteigen an der Station Chekhovskaya. Da fehlt doch was. Da baumelt nichts. Baumelt noch an der Nachttischlampe. Akkreditierung vergessen. Zurück ins Hotel.

Zeit wird knapp, besser Taxi. Spottbillig in Moskau, super zuverlässig. Aber der Stau. 47 Minuten Fahrtzeit zeigt das Navi an. Eine kleine Hoffnung gibt es immer, aber sie wird schnell erstickt. Kein Englisch. 47 Minuten Schweigen zu russischer Musik.

"Legends Cup" in der Megasport Arena, fast 14.000 Plätze, ein paar hundert sind besetzt. Portugal führt 3:0 gegen Deutschland, Tim Wiese im Tor ein bisschen sauer. Dann trifft Cacau zwei Mal.

An der Bande schaut Jordan Letschkow zu. Genau der. Flanke von der rechten Seite, Letschkow haut das Ding mit der damals schon hohen Stirn rein. Thomas Häßler hat versucht, es zu verhindern. Ungefähr so, als würde Fabian Hambüchen mit Dirk Nowitzki zum Sprungball gehen. Deutschland verliert 1:2 gegen Bulgarien ist raus. WM '94 war das.

Letschkow spricht Deutsch, war Profi beim HSV. Heute ist er Vizepräsident des bulgarischen Fußballverbandes.

Und, wie läuft's mit dem bulgarischen Fußball? "Nicht gut." Wie ist das Niveau der WM? "Keine Ahnung, habe noch kein Spiel gesehen." Aber doch sicher zu Hause vor dem Fernseher? "Nein, das interessiert mich nicht." Ein Witz? "Nein."

Wieses Laune bessert sich. Deutschland gewinnt 6:5 gegen Portugal, bisschen mehr Puste und bisschen mehr Ehrgeiz. Deutsche Tugenden, hätte es 1994 wohl geheißen.

Stand: 10.07.2018, 18:24

Darstellung: