WM-Tagebuch - Schreirunde vor Boney M.

Fans vor dem Stadion

Das WM-Tagebuch

WM-Tagebuch - Schreirunde vor Boney M.

Von Marcus Bark (Moskau)

Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Unser Reporter bleibt trotzdem in Russland und berichtet über seine Erlebnisse im Tagebuch.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Die Macht der Bilder. Sie ist noch größer, wenn nur Bruchstücke zu verstehen sind. WM-Block im russischen Fernsehen: Putins Foto neben einem von Macron, Putins Foto neben dem und später auch noch neben dem, Besuch aus Dagestan.

Weiter zum Halbfinale: Ein paar englische Fans jubeln auf dem Roten Platz, im Hintergrund die Basilius-Kathedrale. Die Macht der Bilder. Der Himmel ist blau.

Dann ein O-Ton von Southgate. Englands Trainer lobt Russland für die Organisation und die Gastfreundschaft.

Schalte in ein Studio an der Moskva. Ein dressierter Bär kugelt sich auf dem Boden wie Neymar. Die beiden Moderatoren tragen auch vier Tage nach dem Ausscheiden noch russische Trikots.

Das Märchen geht weiter. Wie lange bleibt das? Was kommt nach dem Rausch, wenn die Fan-IDs wieder verschwunden sind? Diese Fragen schießen immer häufiger durch den Kopf. In fünf Tagen geht der Flieger. Der Kopf wird müde, die Gedanken schwerer.

Am Nachmittag eine Streitrunde, mehr eine Schreirunde. Links sitzt einer, der selten Applaus bekommt, der rechte ist beliebt. Das Wort Ukraina ist häufig zu hören. Wer wohl was sagt?

Abends Luschniki, drittes Spiel schon in der schönen Schüssel. Viele Mexikaner noch da. Die Engländer haben sich auch Verstärkung aus der Heimat geholt. "Warum Rasputin?", fragt eine Asiatin die Beiden in den Roten Trikots. "Das ist ein Lied", sagt die Nummer 18, "von Boney M." Hat sie noch nie gehört. Zu jung für Boney M.

"Don’t take me home, please don’t take me home." Dauerschleife vor dem Anpfiff. Sie müssen ja auch nicht nach Hause. Aber nach St. Petersburg. Ein rostiger Nagel im Fuß wäre ihnen vermutlich lieber.

Stand: 11.07.2018, 20:00

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