WM-Tagebuch - 56 Europahymnen später

Architektur in Watutinki

Das WM-Tagebuch

WM-Tagebuch - 56 Europahymnen später

Von Marcus Bark (Moskau)

Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Unser Reporter bleibt trotzdem in Russland und berichtet über seine Erlebnisse im Tagebuch.

Sonntag, 8. Juli 2018

Deutschlandfunk ist ein ständiger Begleiter. "Das war der Tag", heißt die Sendung, die beginnt, wenn der Tag in Moskau erst eine halbe Stunde alt ist. Danach werden die deutsche Nationalhymne und die Europahymne gespielt.

Russland ist raus. Rückblicke, Schalten auf den Roten Platz, in die Fanzonen, nach hier, nach da. "Spasibo", ist immer zu hören. Danke, Sbornaja. Russland ist stolz auf die Mannschaft, die nur im Elfmeterschießen gescheitert ist. Moderaten, Kommentatoren, Reporter im Fernsehen haben alle ein rotes Polohemd getragen mit russischem Wappen.

Merkwürdig. Fragwürdig. Hat alles nichts genutzt.

Zum Schluss der Sendung, der Tag ist noch jung, werden die Minuten vor dem Spiel wiederholt, die mit der Nationalhymne. "Gerühmt sei das Land! Auf dich sind wir stolz!", heißt es.

Letzte Woche also ohne Russland. Halbfinale steht bevor. Raus zu den Belgiern, die auch vor den Toren Moskaus wohnen. Fahrtzeit aus dem Zentrum der Hauptstadt ähnlich wie nach Watutinki. Sieht auch ähnlich aus in Dedovsk. Allerdings deutlich weniger Plattenbauten.

Aus der Heimat wieder Merkwürdiges. "DFB-Präsident Grindel fordert Özil zu Stellungnahme auf",  heißt die Schlagzeile. Kurzer Blick aufs Datum.

Meldung tatsächlich vom 8. Juli. Foto mit Erdogan ist 56 Europahymnen vorher entstanden. Sechsundfünfzig.

Stand: 08.07.2018, 20:30

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