Wenige Antworten auf viele Fragen an die FIFA

Alexej Sorokin, Vorsitzender des Organisationskomitees der FIFA Fußball-WM in Russland 2018

Turnier in Russland

Wenige Antworten auf viele Fragen an die FIFA

Von Marcus Bark (Moskau)

Die FIFA hat eine Zwischenbilanz der WM nach der Vorrunde gezogen. Es gab vage oder gar keine Antworten auf interessante Fragen, etwa die nach der Sicherheit und dem Umgang mit Daten.

Alexej Sorokin ist der Gegenentwurf zu Witali Mutko. Er lächelt smart nach Fragen, nach denen Mutko schon losgepoltert hätte. Er gibt Antworten in perfektem Englisch, bei Mutko wirkten die bissigen Antworten in hartem Russisch noch härter, als sie vielleicht waren.

Alexej Sorokin, 46 Jahre alt, arbeitete mal als Diplomat in den Vereinigten Staaten. Auch das hilft in seinem Auftreten als Chef des Organisationskomitees (OK) der Weltmeisterschaft. Mit Beginn des Jahres löste er Mutko auf diesem Posten ab. Der enge Vertraute von Staatschef Wladimir Putin verlor einige Ämter, weil er tief in den russischen Dopingskandal verstrickt war. Fragen danach brachten ihn regelmäßig auf die Palme.

Alle Dopingtests negativ

Auch Sorokin wurde am Freitag (29.06.2018) bei einer Pressekonferenz der FIFA gefragt, wie es denn aussehe mit Doping im russischen Fußball. Die Frage war subtil gestellt, denn es ging um die zunächst starken Leistungen der russischen Mannschaft, vor allem auch die physischen.

Sorokin hörte den Unterton sofort heraus, lächelte und antwortete, dass er sich sehr über die Leistungen freue, sie aber für ihn nicht überraschend kämen, denn er habe der Mannschaft und dem Trainer schon vorher vertraut im Gegensatz zu vielen Russen, die sich nun dafür entschuldigen würden. Zum Doping sagte er, dass alle Tests bei den russischen Spielern negativ ausgefallen sein. Sache erledigt.

"Wie am Schnürchen"

Sorokin und Colin Smith, Turnierdirektor beim Weltverband FIFA, präsentierten in Moskau viele Zahlen und zogen eine Bilanz der WM nach der Vorrunde. "Alles läuft wie am Schnürchen", sagte Sorokin, und das würde jeder bestätigen: Fans, Mannschaften, Journalisten.

WM 2018 - die Vorrunde unter Beobachtung

Sportschau | 29.06.2018 | 01:42 Min.

Eine Zahl, die den OK-Chef besonders beeindruckte, war die derjenigen Menschen, die mit einer Fan-ID um den Hals durch das Land reisen. Insgesamt sind es 1,62 Millionen, darunter 750.000 aus dem Ausland. "Ich glaube, so viele Ausländer waren noch nie gleichzeitig in Russland", sagte Sorokin. Die Gäste würden von der Warmherzigkeit der Russen berichten, die der Gastgeber versprochen habe.

Fragen übergangen

Die Fan-ID erhielt jeder Besucher statt eines Visums. Die Daten, die dafür übermittelt werden mussten, sind zu vergleichen. Was mit den Daten nach dem Turnier passiere, war eine der Fragen, die übergangen wurden. Davon gab es einige. Manche wurden sehr vage beantwortet, manche Antworten sollen nachgeliefert werden. Auf welchem Weg blieb offen.

Eine merkwürdige Antwort gab es auf die Frage, welche "Hintergrundprüfungen" mit Hilfe der Fan-ID abliefen, wenn ein Zuschauer das Stadion betreten habe. Sorokin hatte diese Prüfungen beiläufig erwähnt. Seine Antwort war, dass es sich dabei um "grundsätzliche Daten" handle. Es solle sichergestellt werden, dass keine Terroristen ins Stadion kommen oder Zuschauer, die mit einem Stadionverbot belegt sind.

Menschen, die nach den Erkenntnissen der Behörden zu diesen Gruppen zählen, werden aber gar keine Fan-ID bekommen haben. Auf die Frage, wie es Russland geschafft habe, dass es bislang kaum Zwischenfälle gegeben habe, sagte Sorokin, dass alle Behörden zusammenarbeiten würden, und: "Es gibt Sicherheitsmaßnahmen, und die erklären sich von selbst."

Stand: 29.06.2018, 14:35

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