Brych weiter ohne zweiten Einsatz - die möglichen Gründe

Felix Brych (links) im Spiel zwischen Serbien und der Schweiz

Deutscher Schiedsrichter bei der WM

Brych weiter ohne zweiten Einsatz - die möglichen Gründe

Von Chaled Nahar

Felix Brych hat bei der WM 2018 bislang nur eine Partie leiten dürfen. Seitdem ist der Schiedsrichter aus München außen vor und seine Chancen auf einen zweiten Einsatz scheinen eher zu sinken als zu steigen.

Am Sonntag (01.07.2018) verschickte die FIFA die nächsten Einteilungen von Schiedsrichtern, diesmal für die beiden letzten Achtelfinale am Dienstag. Das Duell zwischen England und Kolumbien leitet der Amerikaner Mark Geiger. Die Partie Schweden gegen die Schweiz wird Damir Skomina aus Slowenien pfeifen. Wieder mal nicht dabei ist Felix Brych. Lange hieß es, dass die Einsätze für ihn schon noch kommen würden. Brych habe nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft alle Chancen, sogar auf das Finale. Ob Brych allerdings wirklich noch groß zum Zug kommt, ist fraglich.

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Collina verweigert Brych öffentliche Unterstützung

Denn zum Ende der Vorrunde gab es eine Pressekonferenz mit Pierluigi Collina. Der Chef der FIFA-Schiedsrichterkommission wurde konkret nach der Bewertung der strittigen Szene in Brychs Spiel zwischen Serbien und der Schweiz gefragt, als Serbiens Stürmer Aleksandar Mitrovic von zwei Gegenspielern zu Boden gerungen wurde. Brych gab keinen Strafstoß, der Videoassistent sah zudem offenbar nicht die "klare, offensichtliche Fehlentscheidung", die seinen Eingriff rechtfertigt hätte.

Collina bezog sich in seiner Antwort (im Video hier bei 47:30 Minuten) schnell auf den zweiten Teil der ihm gestellten Frage und sagte anschließend - mutmaßlich mit Blick auf den ersten Teil der Frage zu Brychs Spiel - dass er nicht über einzelne Situationen sprechen wolle, aber nicht alles hundertprozentig laufe. Der Umkehrschluss könnte lauten: Wenn der Schiedsrichterchef der FIFA seinen Schiedsrichter in dessen Entscheidung öffentlich nicht unterstützt, sieht er die Sache wohl eher anders.

Andere Schiedsrichter haben schon drei Einsätze

Auch weitere Details sprechen gegen Brych. Von den Top-Schiedsrichtern, die bei der WM pfeifen, haben nur Brych und der Russe Sergey Karasev lediglich ein Spiel absolviert. Acht Unperteiische haben dagegen bereits drei Spiele geleitet oder werden im Achtelfinale noch ihren dritten Einsatz bekommen. Darunter sind Malang Diedhiou aus dem Senegal und der Iraner Alireza Faghani, die beiden positiven Überraschungen des Turniers. Weitere zwölf der insgesamt 35 WM-Schiedsrichter stehen bei zwei Einsätzen.

Dass Brych in den Spielen nach seinem ersten Einsatz nicht berufen wurde, ist durch den Faktor Zeit mittlerweile ein schlechtes Signal. 30 Ansetzungen sind seit der Partie Serbien gegen die Schweiz erfolgt, nie war Brych dabei. Der serbische Schiedsrichter Milorad Mazic beispielsweise hatte sein erstes Spiel nach Brychs einzigem Einsatz und wurde mittlerweile längst ein zweites Mal berufen.

Schiedsrichter der WM 2018 mit drei Einsätzen
SchiedsrichterLand
Malang DiedhiouSenegal
Alireza FaghaniIran
Mark GeigerUSA
Björn KuipersNiederlande
Nestor PitanaArgentinien
Cesar Arturo Palazuelos RamosMexiko
Gianluca RocchiItalien
Damir SkominaSlowenien

Finalschiedsrichter zuletzt immer mit mehr Einsätzen

Die Hoffnung, dass sich die FIFA Brych für das Finale "aufhebt", scheint aus demselben Grund zu schwinden. Denn die Final-Schiedsrichter hatten in den vergangenen drei Turnieren stets mindestens zwei Einsätze in der Gruppenphase bekommen und am Ende insgesamt mindestens vier Spiele geleitet. Brych müsste demnach in jeder Runde zum Zuge kommen.

Finale der WMSchiedsrichterEinsätze insgesamtDavon Gruppenphase
2014Nicola Rizzoli (Italien)42
2010Howard Webb (England)42
2006Horacio Marcelo Elizondo (Argentinien)53

Was für Brych spricht

Was auf der anderen Seite für Brych spricht: Er hat theoretisch auch aus dem Wartestand heraus natürlich immer noch die Chance auf ein Viertelfinale - oder sogar mehr. Und er ist immerhin Weltschiedsrichter 2017 geworden - sollte ihm nun wirklich das eine Spiel zum Verhängnis werden? Klar ist aber: Bekommt Brych auch kein Viertelfinale, ist er wohl raus.

Die Historie liefert die Pointe, die Brych noch hoffen lassen könnte. 2002 bekam letztmals ein Schiedsrichter das Finale, nachdem er in der Vorrunde nur ein Spiel geleitet hatte: Es war Pierluigi Collina - der nun über Brychs weitere Berufungen entscheidet. So oder so dürfte bald mehr Gewissheit herrschen: Nach dem Achtelfinale reisen üblicherweise die ersten Schiedsrichter ab.

Stand: 01.07.2018, 17:15

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