Das "kleine Finale" ist besser als sein Ruf

England und Belgien spielten schon in der Vorrunde gegeneinander

Belgien - England | Spiel um Platz drei

Das "kleine Finale" ist besser als sein Ruf

Umstritten ist das Spiel um Platz drei bei Weltmeisterschaften seit jeher, viele finden es einfach nur überflüssig. Fest steht: Das "kleine Finale" ist besser als sein Ruf.

Englands Trainer Gareth Southgate bringt es auf den Punkt. "Um ehrlich zu sein: Das ist ein Spiel, das kein Team spielen will", sagt der Trainer der englischen Nationalmannschaft. Gemeint ist das Spiel um Platz drei bei der Fußball-WM in Russland. Mit seinem Team muss Southgate am Samstag (14.07.2018) in St. Petersburg gegen Belgien ran.

Um dem Spiel einen spannenden Dreh zu geben, heißt es auch "kleines Finale", doch es ist und bleibt das Duell zweier Verlierer. Belgien war im Halbfinale gegen Frankreich unterlegen, England hatte gegen Kroatien den Kürzeren gezogen. Spötter sagen auch gerne "Duell um die goldene Ananas", denn es geht praktisch um nichts.

Spiel um Platz drei - warum es abgeschafft werden sollte

Sportschau | 14.07.2018 | 00:47 Min.

"Da habe ich keine Lust drauf"

Louis van Gaal (l.) und Ex-FIFA Präsident Sepp Blatter bei der WM 2014

Louis van Gaal (l.) und Ex-FIFA Präsident Sepp Blatter bei der WM 2014

Ein bekennender Gegner ist der frühere niederländische Trainer Louis van Gaal. "Auf das Spiel um Platz drei habe ich keine Lust", schimpfte er vor vier Jahren bei der WM in Brasilien: "Dieses Spiel sollte gar nicht ausgetragen werden." Er findet es unfair, dass eine Mannschaft zwei Mal hintereinander verlieren kann. "Dass man damit ein Turnier, das so toll war, vielleicht als Loser beendet. Das hat mit Sport nichts mehr zu tun. Es kann nur ein Finale geben, und in dem muss es darum gehen, Champion zu werden", polterte der Coach.  

Belgiens Kevin De Bruyne  sieht das ähnlich, auch wenn er es nicht so sagt. "Wenn wir das Turnier mit einem Sieg abschließen, können wir mit einem guten Gefühl in den Urlaub fahren", erklärt er. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn wir verlieren, fahren wir mit einem schlechten Gefühl in den Urlaub.

71 Tore in 18 Spielen

Southgate sieht das Ganze zumindest sportlich. Für ihn als Trainer sei es "eine Herausforderung, die Mannschaft mental wieder aufzurichten, damit sie wieder eine stolze Vorstellung geben kann." Doch Southgate wird wohl, genau wie sein spanischer Kollege Roberto Martinez auf Belgiens Bank, eine "B-Elf" spielen lassen. Diejenigen, die beim Turnier bis jetzt nur auf der Bank gesessen haben, sollen auch mal ran dürfen. Das hat sich irgendwie so eingebürgert.  

Spiel um Platz drei - warum es beibehalten werden sollte

Sportschau | 14.07.2018 | 01:15 Min.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass das "kleine Finale" gar nicht so schlecht ist. In 18 Spielen (1930 und 1950 wurde es nicht ausgetragen) fielen stattliche 71 Tore - das sind fast vier pro Spiel. Kein Spiel endete mit 0:0, in die Verlängerung ging es nur einmal: 1986 besiegte Frankreich Belgien am Ende mit 4:2.

Deutschland Rekordhalter

Und meistens war es spannend. Dass die Teams so gar keine Lust mehr hatten, das gab es selten. 1994 schenkte Bulgarien das Spiel um Platz drei gegen Schweden ab und verlor mit 0:4, 2014 steckte den Brasilianern noch die 1:7-Halbfinalpleite gegen Deutschland in den Knochen, sodass die Niederlande beim 3:0 leichtes Spiel hatten. Deshalb musste sich auch Trainer van Gaal am Ende gar nicht aufregen. 2006 war Deutschlands 3:1-Sieg gegen Portugal der würdevolle Abschluss des "Sommermärchens".

Der französische Stürmer Just Fontaine (r.) trifft 1958 gegen Deutschland

Der französische Stürmer Just Fontaine (r.) trifft 1958 gegen Deutschland.

Apropos: Deutschland ist "Rekordfinalist". Schon fünf Mal stand ein deutsches Nationalteam beim Spiel um Platz drei auf dem Platz. 1934 in Italien (3:2 gegen Österreich), 1958 in Schweden (3:6 gegen Frankreich), 1970 in Mexiko (1:0 gegen Uruguay), wie schon erwähnt 2006 und dann noch 2010 in Südafrika (3:2 gegen Uruguay). Damit ist Deutschland nicht zur Rekordhalter, sondern auch das einzige Team, das seinen "Titel" erfolgreich verteidigen konnte.

Duell um den "goldenen Schuh"

In St. Petersburg geht es am Samstag auch noch um den "goldenen Schuh" für den besten WM-Torschützen. Englands Harry Kane führt da mit sechs Treffern, doch Belgiens Romelu Lukaku ist ihm mit vier Toren auf den Fersen. "Wenn es den Fans ein wenig hilft, nehme ich den  Preis gerne mit", sagte Kane. Den Fans würde natürlich auch ein Sieg helfen. WM-Dritter hört sich dann am Ende eben doch besser an als WM-Vierter.

red/sid/dpa | Stand: 12.07.2018, 12:46

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