Kroatien - Dänemark  | Achtelfinale

Kroatiens Rebic startet durch

Ante Rebic ist ein Stürmer der Marke unangenehm, und deshalb ist er auch so wichtig für Kroatien. Seinen Marktwert vervielfacht der Mann von Eintracht Frankfurt bei der WM in Russland gerade.

Ante Rebic strotzt in diesen Tagen vor Selbstbewusstsein. Im Mai wurde er zum Pokalhelden der Frankfurter Eintracht, als er beim 3:1-Sieg im Endspiel gegen Bayern München zwei Tore machte. Seine Aufforderung "Bruda, schlag den Ball lang" stand hinterher auf den Fanshirts der Eintracht.

Seine gute Laune und seine gute Form nahm er mit zur WM nach Russland. Dort sorgt er im Trikot der kroatischen Nationalmannschaft für Furore und will das auch im Achtelfinale am Sonntag (01.07.2018) gegen Dänemark tun.

"Nicht nachgedacht, nur voll abgezogen"

Sein Tor gegen Argentinien ging um die Welt, es war eines der spektakulärsten in der Vorrunde. Torwart Willy Caballero wollte einen Rückpass über den heranstürmenden Rebic lupfen, doch der geriet zu kurz. Rebic fackelte nicht lange und haute den Ball mit ganz viel Risiko volley aus der Luft ins Tor. Es war das 1:0 und ähnlich wie im Pokalfinale für die Frankfurter war der Treffer für Kroatien ein Türöffner - Endstand 3:0.

"Ich habe den Ball gesehen und es nicht zu kompliziert machen wollen", sagte Rebic: "Ich hab nicht nachgedacht, nur voll abgezogen." Man habe Caballero gezwungen, Fehler zu machen, "und Ante hat großartig reagiert", lobte Kroatiens Trainer Zlatko Dalic. Für Rebic war das alles ganz normal, es ist halt seine Spielweise. "Ich erwarte immer Fehler von den Gegnern, und ich mache bei jeder Gelegenheit Druck", sagte der 24-Jährige.

Gegenentwurf zu Modric und Rakitic

Der bullige Linksaußen ist im Team der Kroaten der Gegenentwurf zu den Ballkünstlern Luka Modric von Real Madrid und Ivan Rakitic vom FC Barcelona. Man könnte auch sagen, er ist die perfekte Ergänzung. Zwar fehlt es ihm nicht an Schnelligkeit und Technik, doch im Gegensatz zu den künstlerisch veranlagten Freigeistern bringt er noch jede Menge Kampfkraft, Gift und Galle mit. Kurzum: Rebic ist einer, der auch mal kratzt, beißt und austeilt.

Er ist ein Stürmer, gegen den kein Abwehrspieler gerne spielt, und vielleicht ist Kroatien in diesen Tagen auch so erfolgreich, weil es einen wie Rebic in seinen Reihen hat. Manchmal übertreibt er aber auch. Nach seinem üblen Tritt gegen Eduardo Salvio im Spiel gegen Argentinien, hätte er sich über einen Platzverweis nicht beschweren können, er bekam aber nur eine gelbe Karte.

Marktwert vervielfacht

Nach seinen Pokaltoren und seinem Treffer gegen Argentinien hat Rebic in kurzer Zeit seinen Bekanntheitsgrad und vor allem seinen Marktwert vervielfacht. Dabei verlief seine Vereinskarriere zuletzt stockend. 2013 wechselte er vom kroatischen Klub RNK Split zum AC Florenz, doch dort konnte er sich nie durchsetzen. Immer wieder wurde er ausgeliehen, unter anderem an RB Leipzig. So kam er 2016 auch nach Frankfurt. Erst zur neuen Saison verpflichtete die Eintracht ihn fest. Sein Vertrag läuft bis 2021.

Interesse in Tottenham

Doch ob er den erfüllt, ist fraglich. Längst schon sind auch internationale Top-Klubs aufmerksam geworden auf Rebic. So soll vor allem Tottenham Hotspur großes Interesse haben. Möglich ist auch, dass Rebic seinem Ziehvatzer Niko Kovac zum FC Bayern München folgt. Die Eintracht dürfte sich mit einer hohen Ablösesumme trösten. Sie zahlte zuletzt nur zwei Millionen Euro an den AC Florenz - ein Schnäppchen. Und jeder WM-Auftritt treibt den Preis in die Höhe.

Trotz allen Selbstbewusstseins bleibt Rebic auf dem Teppich.  Zum WM-Favoritenkreis will er Kroatien nicht zählen. Noch nicht. "Es ist zu früh, um darüber zu reden", sagt er: "Wir gehen Schritt für Schritt."