Frankreich beendet Uruguays Halbfinal-Traum

Uruguay - Frankreich 0:2 | Viertelfinale

Frankreich beendet Uruguays Halbfinal-Traum

Von Christian Hornung

Frankreich steht als erster Halbfinalist der Weltmeisterschaft in Russland fest. Uruguay konnte das Fehlen eines Superstars nie kompensieren - und dann patzte auch noch der Torhüter schwer.

Das 2:0 (1:0) für die Franzosen ging vollkommen in Ordnung, weil die "Celeste" offensiv zu harmlos war und in den kompletten 90 Minuten nur eine echte Torchance hatte. Zudem stand diesmal auch die Defensive mit den beiden Atlético-Abräumern Diego Godín und José Giménez nicht so brillant wie im bisherigen Verlauf des Turniers.

Im Halbfinale trifft Frankreich nun auf Belgien, das am Abend Brasilien mit 2:1 besiegte.

Uruguays Trainer Tabarez lässt seinen Verbleib offen

Die Grande Nation darf nun mehr denn je auf den zweiten Titel exakt 20 Jahre nach dem Triumph des heutigen Trainers Didier Deschamps hoffen. "Ich bin sehr, sehr stolz auf meine 23 Spieler", sagte derTrainer. "Wir haben gegen Argentinien Großes geleistet und das Niveau heute noch einmal gesteigert. Uns fehlt Erfahrung, aber wir haben den Willen."

Uruguays Trainer Oscár Tabárez ließ derweil seine Zukunft nach dem Ausscheiden offen. "Ich habe einen Vertrag, es ist nicht an mir zu entscheiden, wie es weitergeht. Ich möchte so etwas nicht kommentieren, auch heute nicht", sagte der 71-Jährige. Tabárez erinnerte an die WM 2014, als seine Zukunft zunächst offen war, der Coach dann aber doch weitermachte.

Cavani nicht mal im Kader

Die Partie begann schon mit einer ganz schlechten Nachricht für die Fans von Uruguay. Kapitän, Volksheld und Goalgetter Edinson Cavani war nach seiner Wadenverletzung aus dem Achtelfinale gegen Portugal (2:1) trotz aller Bemühungen nicht rechtzeitig fit geworden und stand nicht einmal im Kader. Dennoch erarbeiteten sich die Südamerikaner zunächst eine leichte Feldüberlegenheit, die erste Torgelegenheit bot sich allerdings Frankreich: Der freistehende Kylian Mbappé bekam aber nach einer Viertelstunde nicht genug Druck hinter seinen Kopfball.

Hinten wurden die Franzosen lange Zeit kaum gefordert: Erst in der 35. Minute kam Matias Vecino mal aus halbrechter Position zum Abschluss, stellte aber Frankreichs Torhüter Hugo Lloris vor kein größeres Problem.

Stuani patzt hinten

Raphael Varane (2.v.l.) jubelt über sein Tor

Raphael Varane (2.v.l.) jubelt mit Antoine Griezmann über sein Tor

Dass Cavani fehlte, war in vielerlei Hinsicht zu merken. Sein Vertreter Christhian Stuani war im Angriffsspiel ein Fremdkörper, auch Luis Suárez fand ohne seinen Lieblingspartner nie ins Spiel. "Uns hat die Torgefahr gefehlt", sagte Innenverteidiger Godin. Zu allem Überfluss patzte Stuani dann auch noch hinten: Nach einem Freistoß von Antoine Griezmann in der 40. Minute verlor er den entscheidenden Zweikampf gegen den heranrauschenden Innenverteidiger Raphael Varane - dessen Kopfballhammer schlug zur 1:0-Führung für Frankreich im linken Eck ein.

Ebenfalls ein Freistoß hätte kurz vor dem Wechsel eigentlich den Ausgleich bringen müssen. Doch erst parierte Lloris überragend gegen den Kopfball von Martín Càceres, dann brachte es Godín fertig, den Abpraller aus zwei Metern über das Tor zu jagen. Das blieb allerdings die einzige wirklich gefährliche Szene des Weltmeisters von 1930 und 1950.

Musleras schlimmer Blackout

Uruguays Trainerlegende Tabárez versuchte das völlig brachliegende Angriffsspiel mit zwei Wechseln nach einer knappen Stunde aufzupeppen, doch ein katastrophaler Blackout seines Torhüters machte alles zunichte. Griezmann zog in der 62. Minute nicht einmal besonders hart aus 25 Metern ab, und ganz im Stil von Liverpools Loris Karius im Champions-League-Finale gegen Real Madrid warf sich Uruguay-Keeper Fernando Muslera den Ball mehr oder weniger selbst ins Tor.

Danach merkte man Uruguay an, dass die Moral gebrochen war und die Hoffnung schwand: Abwehrkante Giménez brach noch während der laufenden Partie in Tränen der Enttäuschung aus. Frankreich transportierte die Führung ganz unaufgeregt und souverän bis zum Ende der Partie und unterstrich nachdrücklich, dass auch das Halbfinale für diese Mannschaft keineswegs die Endstation sein muss.

Fußball · Weltmeisterschaft 2018

Freitag, 06.07.2018 | 16.00 Uhr

Flagge Uruguay

Uruguay

Muslera – Cáceres, Giménez, Godin, Laxalt – Nandez (73. Urreta), Torreira, Vecino, Bentancur (59. C. Rodriguez) – Stuani (59. Max. Gomez), Suarez

0
Flagge Frankreich

Frankreich

Lloris – Pavard, Varane, Umtiti, Lucas Hernández – Pogba, Kanté – Mbappe (88. O. Dembélé), Griezmann (90.+3 Fekir), Tolisso (80. N´Zonzi) – Giroud

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Varane (40.)
  • 0:2 Griezmann (61.)

Strafen:

  • gelbe Karte Lucas Hernández (1 )
  • gelbe Karte Bentancur (2 )
  • gelbe Karte C. Rodriguez (1 )
  • gelbe Karte Mbappe (1 )

Zuschauer:

  • 43.319

Schiedsrichter:

  • Nestor Pitana (Argentinien)

Stand: Freitag, 06.07.2018, 17:54 Uhr

Wappen Uruguay

Uruguay

Wappen Frankreich

Frankreich

Tore 0 2
Schüsse aufs Tor 4 2
Ecken 4 3
Abseits 0 0
gewonnene Zweikämpfe 119 128
verlorene Zweikämpfe 128 119
gewonnene Zweikämpfe 48,18 % 51,82 %
Fouls 15 15
Ballkontakte 464 686
Ballbesitz 40,35 % 59,65 %
Fehlpässe 63 59
Passquote 72,96 % 86,65 %
Flanken 18 11
Alter im Durchschnitt 27,4 Jahre 25,5 Jahre

Stand: 06.07.2018, 18:24

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