WM - Tottenham prägt das Viertelfinale

WM 2018

WM - Tottenham prägt das Viertelfinale

Von Robin Tillenburg

Im Viertelfinale der WM 2018 stellt nur ein Verein mehr Spieler als Tottenham Hotspur. Beinahe alle spielen dabei eine wichtige Rolle in ihrem jeweiligen Nationalteam.

Im englischen 23er-Kader sind fünf Akteure für die "Spurs" aktiv - der Höchstwert. Bei Frankreich ist Torhüter Hugo Lloris Kapitän. Bei Belgien bilden Toby Alderweireld und Jan Vertonghen das Defensivgerüst, während Mousa Dembélé aktuell eher in der zweiten Reihe steht. Neun Spieler also, die die Fahne des Londoner Klubs mit dem blauen Hahn in Russland noch hochhalten.

Nur der englische Meister Manchester City, mit namhaften internationalen Stars teuer bestückt, hat noch zwei verbleibende Repräsentanten mehr im Turnier. Paris, Real Madrid, Barcelona oder Manchester United liegen alle hinter der Talentschmiede Tottenham, das in der abgelaufenen Premier-League-Saison Dritter wurde.

Pochettino formt Kane und Co.

Müssen sich Belgiens Trainer Roberto Martinez, Frankreichs Coach Didier Deschamps und Englands Übungsleiter Gareth Southgate also bei Mauricio Pochettino, ihrem Amtskollegen in Tottenham, bedanken? Der Argentinier hat jedefalls einen Anteil daran, dass seine Spieler bei dieser Endrunde groß auftrumpfen.

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Unter ihm wurde Harry Kane zu einem der besten Torjäger der Welt. Pochettino setzte schon 2014 auf den damals noch blutjungen Angreifer, der jetzt nicht nur mit sechs Turniertreffern die Torjägerliste der Weltmeisterschaft anführt, sondern auch mit 24 Jahren schon der Kapitän der "Three Lions" ist.

Trippier an mehr als der Hälfte der Treffer beteiligt

Kieran Trippier, eine der Entdeckungen im englischen Kader dieses WM-Turniers, hatte Pochettino 2015 aus Burnley nach London geholt. Obwohl für den Rechtsverteidiger in seinen drei Turniereinsätzen "erst" eine Torvorlage auf dem Statistik-Konto steht, ist er ein wichtiger Baustein. Der 27-Jährige ist einer der Hauptgründe, weshalb die Engländer bei Standardsituationen so gefährlich sind.

Trotz erst insgesamt zehn Länderspielen schlägt er die meisten Ecken und Freistöße. Das Tor von John Stones gegen Panama bereitete er mit einem Eckball direkt vor, seine Ecken führten außerdem zum Elfmeter im Achtelfinale gegen Kolumbien, zum Siegtreffer gegen Tunesien und zu einem Elfmeter gegen Panama. Vor dem Elfmeter, der das 2:0 gegen Panama bedeutete, spielte er außerdem den langen Pass auf Jesse Lingard und auch das 5:0 leitete er mit einem kurzen Freistoß ein. In der Entstehung von sechs der neun Turniertore spielte er also eine entscheidende Rolle.

Dele Alli, der aufgrund einer Verletzung erst zweimal in diesem Turnier spielen konnte, aber als einer der größten Hoffnungsträger für Fußball-Englands Gegenwart und Zukunft gilt, wurde ebenfalls unter Pochettino zum Nationalspieler. Gleiches gilt für Danny Rose und Eric Dier.

Tottenham-Spieler übernehmen Verantwortung

Als Southgate gegen Belgien rotierte, war Dier sogar Kapitän - der Defensivmann ist genau wie der eigentliche "Leader" Kane erst 24 Jahre alt. Frankreichs Lloris, dessen Karriere schon vor Pochettinos Amtsantritt gut lief, ist ebenfalls Führungsspieler und trägt für die "Equipe tricolore" schon länger die Binde.

Kane ist bei den Three Lions erster Elfmeterschütze, traf vom Punkt dreifach in den Spielen und ein weiteres Mal im Elfmeterschießen gegen Kolumbien. Als der Druck dort nach Jordan Hendersons Fehlschuss am höchsten wurde, verwandelten Trippier und Dier. Tottenhams Spieler übernehmen (erfolgreich) Verantwortung. Nicht umsonst qualifizierten sich die Spurs zuletzt nach ein paar eher durchwachsenen Jahren dreimal in Serie für die Champions League und ließen dabei stets namhafte Konkurrenten hinter sich.

Verantwortung übernimmt auch Belgiens Innenverteidigerduo Vertonghen und Alderweireld. Vertonghen leitete beispielsweise mit seiner Kopfball-Bogenlampe beim 0:2-Rückstand gegen Japan im Achtelfinale die erfolgreiche Aufholjagd ein. Alderweireld ist defensiv der stabilste belgische Verteidiger dieses Turniers bisher und sorgte mit einem Traum-Assist schon für ein echtes Highlight: Sein langer Ball vor dem 4:1 gegen Tunesien dürfte in kaum einem Rückblick fehlen.

Hohe Belastung "droht"

Dank des Turnierbaums wäre es sogar möglich, dass alle neun "Spurs" das Halbfinale erreichen. Würde dann dort Belgien gegen Frankreich gewinnen und England ebenfalls ins Finale einziehen, stünden ganze acht von ihnen im Finale.

Mit jedem seiner Spieler, der bei der WM weit kommt, steigt aber nicht nur der Ruhm, sondern auch der Schwierigkeitsgrad der kommenden Saison für Pochettino und sein Team. Seine Leistungsträger werden eine möglichst lange Pause benötigen, doch 27 Tage nach dem Finale in Moskau beginnt der Ligaalltag gegen Newcastle.

Stand: 05.07.2018, 08:30

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