Deutsches Team mit Feinschliff vor der WM

Nationalmannschaft vor dem WM-Start gegen Mexiko

Deutsches Team mit Feinschliff vor der WM

Von Marcus Bark (Watutinki)

Bundestrainer Joachim Löw setzt in Watutinki zum Feinschliff an. Am Sonntag wird es beim "Projekt Titelverteidigung" ernst. Das Gerüst der Weltmeister von 2014 soll es wieder richten.

Der Journalist Hartmut Scherzer erhielt den Applaus der Kollegen und vom DFB als Geschenk ein Trikot mit seinem Namen und der Rückennummer, die seine Lebensjahre abbildet. Scherzer wurde am Mittwoch (13.06.18) 80 Jahre alt. Die WM in Russland ist die fünfzehnte, von der er berichtet, und damit sich die Kollegen die Rechnerei ersparen können, sagte er bei seinen Dankesworten: "Die WM in Chile 1962 war meine erste. Es war das bislang letzte Mal, dass eine Mannschaft ihren Titel verteidigte.“

"Einige Abläufe noch durchspielen"

Was den Italienern 1938 und den Brasilianern 1962 gelang, strebt die deutsche Nationalmannschaft 2018 an. Alles sei auf dieses Turnier ausgerichtet, sagte Bundestrainer Joachim Löw schon vor dem Confed Cup. Er forderte von jedem die maximale Hingabe, auf das Ziel der Titelverteidigung hinzuwirken.

Am Sonntag (17.06.18) steht das erste Spiel gegen Mexiko an. Nach dem langen Trainingslager in Südtirol begibt sich Löw auf dem Trainingsgelände von ZSKA Moskau an den "Feinschliff im taktischen Bereich. Wir müssen da einige Abläufe noch durchspielen. Das ist sehr wichtig.“ Für das Spiel gegen Mexiko kündigte er an: „Wir werden die richtigen Lösungen finden.“ Löw erwartet einen Gegner, der „sehr aggressiv nach vorne verteidigt und sehr aggressiv nach vorne spielt“.

Probleme mit frühen und schnellen Angriffen des Gegners

In der ersten Halbzeit des Tests gegen Spanien im März und in der zweiten gegen Österreich vor ein paar Tagen bereitete es der deutschen Mannschaft große Probleme, wenn der Gegner früh, mit hohem Tempo und taktisch diszipliniert störte. Beim öffentlichen Training am Mittwoch wurde beim Spiel "acht gegen acht“ auf einem knapp bemessenen Feld geübt, sich des Raum-Zeit-Problems zu entledigen.

Ilkay Gündogan zeigte sich im Training in sehr guter Form, erzielte zwei Tore und traf noch den Pfosten. Sami Khedira hingegen musste wegen einer leichten Rückenverletzung die Belastung dosieren. Dennoch dürfte er gegen Mexiko in der Startelf stehen, in der keine Überraschung zu erwarten ist.

Khedira würde dann einer von sieben Spielern sein, die den Titel schon in Brasilien holten. Der Vergleich zwischen dem Gastgeberland 2014 und dem von 2018 begleitet die Nationalmannschaft schon seit einigen Wochen.

Löw über Watutinki: "Charme einer guten, schönen Sportschule"

"Wir haben hier kein Campo Bahia, wir sind hier nicht am Meer, wir haben nicht ständig Sonnenschein“, sagte Löw auf die x-te Nachfrage. Dem Quartier in Watutinki schrieb er den "Charme einer guten, schönen Sportschule“ zu. Es gelte jedoch, "keine Energie dafür zu verschwenden“, sich mit den Begebenheiten zu beschäftigen. "Wir haben hier alle Möglichkeiten, die wir brauchen.“

Das Quartier, die noch gedämpfte WM-Stimmung und weiterhin die Affäre um das Treffen von Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sind die bestimmenden Themen in den ersten Tagen in Watutinki.

Wichtige Fragen im DFB-Team

Es geht nicht mehr um die Gesundheit von Torhüter Manuel Neuer, es geht nicht mehr um Marco Reus, der die beiden vergangenen großen Turniere wegen einer Verletzung verpasste, es geht auch nicht um einen formschwachen Thomas Müller wie vor der EM 2016. Die sportlich bedeutende Frage ist, ob die mit Spielern wie Joshua Kimmich und Timo Werner verstärkten Weltmeister es schaffen, als dritte Mannschaft den Titel zu verteidigen. Hartmut Scherzer wünschte es sich für seine fünfzehnte WM. Von der letzten sprach er noch nicht.

Stand: 14.06.2018, 10:55

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