Theatralischer Neymar führt Brasilien ins Viertelfinale

Brasilien - Mexiko 2:0 | Achtelfinale

Theatralischer Neymar führt Brasilien ins Viertelfinale

Von Mark Weidenfeller

Brasilien wird seiner Favoritenrolle im WM-Achtelfinale gerecht und schickt Mexiko nach Hause. Nach Problemen in der Anfangsphase dreht vor allem Neymar auf. Doch erneut erntet der Superstar für seine Theatralik viel Kritik.

Das große Scheitern der Superstars hat vorerst ein Ende. Während Cristiano Ronaldo und Lionel Messi die WM bereits als Zuschauer verfolgen müssen, darf zumindest Neymar weiter in Russland bleiben. Der 26-Jährige erzielte beim 2:0-Sieg im Achtelfinale am Montag (02.07.2018) gegen Mexiko das Führungstor (51. Minute), bereitete die Entscheidung durch Roberto Firmino (88.) vor und bescherte den Südamerikanern damit die siebte Viertelfinal-Teilnahme in Folge. Für Mexiko ist hingegen wieder einmal nach nur vier WM-Spielen Schluss.

"In der Gruppe waren wir gut, heute hat es leider nicht gereicht", sagte Mexikos Bester, Torhüter Guillermo Ochoa, nach der Partie. "Glückwunsch an Brasilien."

Marcelo nur auf der Bank

Mexikos Trainer Juan Carlos Osorio setzte im Duell mit den favorisierten Brasilianern auf zwei personelle Wechsel und eine taktische Änderung: Für Miguel Layun und den gesperrten Abwehrchef Hector Moreno starteten Hugo Ayala und der 39 Jahre alte Rafael Marquez, der die ohnehin kompakte Defensive als zusätzlicher Sechser weiter stabilisieren sollte.

In der Startelf der "Selecao" gab es einen stadtinternen Wechsel: Real-Linksverteidiger Marcelo musste wegen Rückenproblemen auf der Bank Platz nehmen. Für ihn startete Filipe Luis vom Madrider Nachbarverein Atletico.

Mexiko überrascht mit mutigem Offensivspiel

Auf dem Rasen entwickelte sich schnell ein durchaus ansehnliches Kräftemessen der beiden lateinamerikanischen Teams. Brasilien bemühte sich um Ballbesitz, die Mexikaner griffen früh an und spielten mutig mit. Hirving Lozano (2. Minute) mit einer Direktabnahme und Neymar (5.) mit einem Distanzschuss verteilten die ersten Duftmarken, das Adrenalin der 41.970 Zuschauer in Samara ließ zu Beginn aber vor allem der Außenseiter ansteigen.

Mexiko, das zahlreiche Konter ungenutzt ließ, gehörte die Anfangsphase. Nach rund 25 Minuten wechselte die Spielkontrolle dann in Richtung Brasilien. Angetrieben von Neymar, der zweimal knapp scheiterte (25./40.), drückte der Rekord-Weltmeister fortan auf die Führung und tauchte einige Male gefährlich vor Mexikos Keeper Ochoa auf. Am torlosen Pausenstand änderte aber auch eine Großchance von Gabriel Jesus (33.) nichts mehr.

Neymar bricht den Bann

Kurz nach Wiederanpfiff prüfte zunächst Philippe Coutinho (47.) mit einem strammen Schuss die Standfestigkeit des mexikanischen Torhüters, ehe Neymar zu seinem ersten großen Auftritt bei diesem Turnier ansetzte. Der Stürmer von Paris St. Germain spielte kurz vor dem Strafraum mit der Hacke auf Willian, der zwei Gegenspieler aussteigen ließ und wieder auf Neymar querlegte: 1:0 für Brasilien (51.).

Der Bann war gebrochen, der Ehrgeiz von Schlussmann Ochoa jedoch noch lange nicht. Weder Paulinho (59.), noch Willian (63.) oder erneut Neymar (68.) konnten den in Lüttich spielenden Keeper im Anschluss trotz bester Gelegenheiten überwinden. Die Entscheidung wurde noch einmal vertagt, bestraft wurde der fahrlässige Umgang mit Torchancen aber nicht. Kurz vor dem Abpfiff setzte sich Neymar über links durch und bediente den eingewechselten Firmino, der den brasilianischen Sieg perfekt machte.

Für eine unschöne Randnotiz sorgte Mitte der zweiten Hälfte eine private Fehde zwischen Miguel Layun und Neymar. Der Mexikaner stieg dem auf dem Boden liegenden Neymar auf den Fuß, Schiedsrichter Gianluca Rocchi entschied sich nach Ansicht der Videobilder gegen einen Platzverweis. "Natürlich ist es furchtbar, wenn man einen Tritt bekommt. Das darf er nicht machen", kommentierte der Brasilianer die Szene.

Eine etwas andere Sicht hatte Mexikos Coach Osorio, der sich über Neymars Theatralik echauffierte: "Es ist eine Schande für den Fußball", sagte der Kolumbianer. "Es ist ein Negativbeispiel für die Welt, für Kinder und für den Fußball."

Casemiro gesperrt

Im Viertelfinale trifft Brasilien am Freitag (06.07.18) auf den Sieger der Partie Belgien gegen Japan, die am Dienstagabend (20 Uhr) steigt. Nicht mit dabei sein wird dann Real Madrids Casemiro. Der Sechser sah nach einem taktischen Foul seine zweite Gelbe Karte in diesem Turnier und muss gesperrt zuschauen.

Fußball · Weltmeisterschaft 2018

Montag, 02.07.2018 | 16.00 Uhr

Flagge Brasilien

Brasilien

Alisson – Fagner, Thiago Silva, Miranda, Filipe Luis – Casemiro – Paulinho (80. Fernandinho), Philippe Coutinho (86. Roberto Firmino) – Willian (90.+1 Marquinhos), Gabriel Jesus, Neymar

2
Flagge Mexiko

Mexiko

Ochoa – Alvares (55. G. dos Santos), Ayala Castro, Salcedo, Gallardo – Herrera, Marquez (46. Layún), A. Guardado – Lozano, Vela – Chicharito (60. Jiménez)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Neymar (51.)
  • 2:0 Roberto Firmino (88.)

Strafen:

  • gelbe Karte Alvares (1 )
  • gelbe Karte Filipe Luis (1 )
  • gelbe Karte Herrera (2 )
  • gelbe Karte Casemiro (2 )
  • gelbe Karte Salcedo (1 )
  • gelbe Karte A. Guardado (1 )

Zuschauer:

  • 41.970

Schiedsrichter:

  • Gianluca Rocchi (Italien)

Stand: Montag, 02.07.2018, 17:53 Uhr

Wappen Brasilien

Brasilien

Wappen Mexiko

Mexiko

Tore 2 0
Schüsse aufs Tor 10 2
Ecken 8 7
Abseits 0 2
gewonnene Zweikämpfe 101 72
verlorene Zweikämpfe 72 101
gewonnene Zweikämpfe 58,38 % 41,62 %
Fouls 6 17
Ballkontakte 518 567
Ballbesitz 47,74 % 52,26 %
Fehlpässe 38 39
Passquote 87,16 % 88,95 %
Flanken 9 10
Alter im Durchschnitt 28,5 Jahre 28,6 Jahre

Stand: 02.07.2018, 17:45

Darstellung: