Zenit-Arena: ein Tempel der Verschwendung

Das Stadion in Sankt Petersburg

Baukosten für das WM-Stadion explodiert

Zenit-Arena: ein Tempel der Verschwendung

Von Olga Sviridenko

Es ist eines der teuersten Stadien der Welt - die Zenit Arena in St. Petersburg, oder der "Tempel der Verschwendung" wie sie alternativ von den Russen genannt wird. 

Ein Zeichentrickfilm wurden ihr gewidmet und zahlreiche Witze. Einer, der immer wieder erzählt wird, geht so: "Neues aus der Zenit-Arena: Der Maler Farchod hat die Brigade gewechselt. Die Transfersumme wird auf 30 Millionen Euro geschätzt". Manche sagen "es wäre billiger gewesen das Stadion einfach aus Geld zu bauen". Die Arena hat nach fast einem Jahrzehnt Bauzeit und wechselnden Auftraggebern fast das zehnfache der Ausgangssumme gekostet.

Langzeitbaustellen kennt man auch in Deutschland - vom Bau des Berliner Flughafens etwa oder der Hamburger Elbphilharmonie. Mit dem Unterschied, dass in Russland regierungsnahe Unternehmen mit lukrativen  Bauaufträgen bedacht werden. In Sankt Petersburg war es Oleg Deripaska, Putins enger Vertrauter und einer der führenden Oligarchen. Unter seiner Ägide explodierten die Kosten der Arena, 2016 zog er sich von der Baustelle zurück, die Stadt musste übernehmen. Am Ende, so aktuelle Schätzungen von Experten, kostete das Stadion über eine Milliarde Euro und gilt (nach Wembley) als das zweitteuerste der Welt.

Die Bürger müssen bezahlen

Das Stadion in Sankt Petersburg

Das Stadion in Sankt Petersburg

In Sankt Petersburg führten die enormen Ausgaben zu Einsparungen bei den Budgets für Bildung und Sozialen. "Wir, die Bürger müssen dafür bezahlen. Je mehr Geld wir für das Stadion ausgeben, desto weniger bleibt, unter anderem, für Sozialobjekte. In den letzten Jahren wurden 2,5 Milliarden Rubel vom Bau von Sozialobjekten zum Stadionbau umgeleitet. Kindergärten, Krankenhäuser und Ähnliches wurden hinten angestellt", beklagt der Oppositionspolitiker Boris Wischnewski von der Jabloko-Partei, der immer wieder auf die enorme Verschwendung von öffentlichen Mitteln durch den Stadionbau hingewiesen hat. 

Insgesamt geht seine Partei von 1,3 Milliarden Euro aus, die beim Bau der WM-Stadien versickert sind. Denn Preissteigerungen wie in Sankt Petersburg gab es bei allen Fußballarenen. An genaue Informationen zu kommen, sei fast unmöglich, sagt Alexei Karnauchow aus dem Antikorruptionszentrum der Partei. "Es wird alles geheim gehalten und alle Informationen entfernt. Denn je weniger Informationen, desto weniger Probleme." Die WM in Russland, sie ist teuerste der Fußballgeschichte.

In St. Petersburg sind sogar die Strafverfolger auf den Plan gerufen worden. Zu offensichtlich war das Chaos rund um das Stadion. Der Verantwortliche Vize-Gouverneur wurde verhaftet. Vor ein paar Monaten gestand er, 700.000 Euro eingesteckt zu haben. Für viele in St. Petersburg ist er nur ein Sündenbock, um von den wahren Profiteuren abzulenken.

Absurde Schuldzuweisung

Neben dem Gouverneur wurde noch ein Schuldiger ausgemacht – die Kormorane, die mit ihren "mächtigen Schnäbeln", so der zuständige Bauherr Igor Albin, dem Stadiondach Schäden zugefügt und damit Kosten in Millionenhöhe verursacht hätten. Das Stadion müsse jetzt ähnlich wie ein Flughafengelände überwacht werden, so Albin. Absurd waren auch die ständigen Baufehler. Wenige Monate vor der WM wurde klar, dass der ausfahrbare Rasen, der ganze Stolz der Arena,  nicht ausgefahren werden kann. Denn dorthin wurde kurzerhand das Medienzentrum gebaut.

Das Stadion in Sankt Petersburg wird als das Sinnbild für Korruption und Kostenexplosion bezeichnet. Doch mit Korruption kann man viele Russen nicht mehr überraschen. Die gehöre längst zum Alltag dazu, sagt der Zenit-Fan Andrei:"Die Geschichte Russlands ist eine Geschichte der Korruption und langer Bauten. Was mich beruhigt, ist die Tatsache, dass die Isaakskathedrale noch länger gebaut wurde und nicht schlecht aussieht."

Kirche feiert Fertigstellung

Auch beim Stadionbau  war das historische Fachwissen der russisch-orthodoxen Kirche gefragt. Kurz vor der Eröffnung des Confederations Cup wurde ein Gottesdienst inklusive Stoßgebete im Stadion für die Fertigstellung der Arena abgehalten. Die Pressestelle der Kirche ließ verkünden, dass der Bau am Ende doch noch fertig wurde, sei ein Wunder und nur durch die Hilfe Gottes möglich gewesen.

Stand: 10.07.2018, 16:31

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