Toni Kroos - Donnergrollen nach dem Traumtor

Toni Kroos (l.) wird von Bundestrainer Joachim Löw umarmt

Deutschland - Schweden 2:1 | Gruppe F | 2. Spieltag

Toni Kroos - Donnergrollen nach dem Traumtor

Von Marcus Bark (Sotschi)

Deutschland wendet auf spektakuläre Art das wahrscheinliche Ausscheiden bei der WM ab. Torschütze Toni Kroos rechnet in der Euphorie des Abends mit den Kritikern ab.

Die Blitze zuckten, der Donner grollte über dem Schwarzen Meer. Das passte gut ins Bild zu dem, was Toni Kroos in den Katakomben des Fischt-Stadions vortrug. Mit seinem wunderschönen Schuss in den Winkel hatte er Deutschland am Samstag (23.06.2018) in der Nachspielzeit den 2:1-Erfolg gegen Schweden beschert. Der Treffer steigert die Chancen, das Achtelfinale der Weltmeisterschaft zu erreichen, um ein Vielfaches.

Die Mannschaft, die Spieler, Trainer und Verantwortlichen auf der Bank waren so euphorisiert, dass zwei Mitarbeiter des Deutschen  Fußball-Bundes über das Ziel hinausschossen. Sie provozierten die schwedische Bank mit Jubelgesten direkt vor deren Augen. "Ich bin darüber sehr verärgert", sagte Schwedens Trainer Janne Andersson.

DFB entschuldigt sich für Fehlverhalten

Der DFB sah das Fehlverhalten ein und entschuldigte sich dafür in der Kabine. Ein Sprecher stand den schwedischen Reportern zu dem Vorfall noch Rede und Antwort, während Kroos drei Meter weiter die deutschen Reporter rügte: "Ich habe das Gefühl, dass alle, die über uns schreiben, gerne Schlechtes über uns schreiben." Schon zuvor im Gespräch mit der Sportschau hatte er sein Gefühl preisgegeben, dass sich viele in Deutschland gefreut hätten, wenn der Weltmeister schon in der Vorrunde scheitern würde.

Damit meine er zwar auch die Experten, und dabei vor allem ehemalige Nationalspieler, aber eben nicht nur. "Wir haben die Fans in Deutschland, aber mehr Hilfe kriegen wir nicht", grollte Kroos. Marco Reus, der den Ausgleich erzielt hatte und als bester Spieler der Partie ausgezeichnet wurde, sprang ihm zur Seite: "Ich gebe Toni da recht, wenn er sagt, dass viele Leute in Deutschland wollten, dass wir das Spiel verlieren."

Es muss sich einiges angestaut haben in den sechs Tagen nach der Niederlage zum Auftakt gegen Mexiko. Die Kritik war sicher hart, aber sowohl der Bundestrainer als auch viele Spieler hatten eingestanden, dass die sportlichen Kritikpunkte sich im ganz Wesentlichen mit ihrer Fehleranalyse deckten.

Gegen Südkorea muss ein Sieg mit zwei Toren her

Als der Mannschaftsbus das Stadion in Sotschi verließ, um sich noch in der Nacht zu Sonntag auf den Weg zurück nach Watutinki zu machen, war die Euphorie nach dem Siegtreffer nur noch in Nuancen zu spüren. "Das ist jetzt eine Vorlage, um gute Gefühle mitzunehmen. Wir sind froh und erleichtert, aber wir haben trotzdem am Mittwoch wieder ein Spiel", sagte Kroos.

Gegen Südkorea sollte ein Sieg mit zwei Toren Unterschied herausspringen, dann wäre Deutschland sicher für das Achtelfinale qualifiziert.

Freien Sonntag zum Verarbeiten nutzen

Der Bundestrainer sagte, dass er sich ab Montag mit dem dritten Gruppenspiel beschäftigen werde. Der Sonntag diene dazu, "mal alles zu sammeln". Dann werde sich herausstellen, ob Sebastian Rudy tatsächlich die Nase gebrochen habe. Dann werde er vermutlich auch wissen, ob Mats Hummels nach seiner Halswirbelverletzung wieder spielen könne. Ansonsten fiele das Innenverteidigerduo der ersten Wahl aus, denn Jerome Boateng ist wegen seiner Gelb-Roten Karte gesperrt.

In Unterzahl wählte Löw sogar das Risiko, Julian Brandt für den Linksverteidiger Jonas Hector einzuwechseln. "Uns war klar, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen", sagte der Bundestrainer, der bei der Pressekonferenz schon wieder recht gefasst wirkte: "Natürlich war das jetzt ein Krimi mit vielen Emotionen. Das war Dramatik pur, aber das gibt es im Fußball immer mal wieder."

Stand: 23.06.2018, 22:23

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