Kommentar - Bierhoffs Aussagen über Mesut Özil sind fatal

Oliver Bierhoff (r.) und Mesut Özil (l.)

Nach Vorrunden-Aus

Kommentar - Bierhoffs Aussagen über Mesut Özil sind fatal

Von Marcus Bark

In einem Interview weist Oliver Bierhoff dem deutschen Nationalspieler Mesut Özil die Tür. Das ist der Gipfel eines fatalen Krisenmanagements beim DFB, in dem es an einem Korrektiv fehlt. Ein Kommentar.

Eine gute Woche ist seit dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM vergangen. Das sollte jeder bedenken, der das Interview von Oliver Bierhoff mit der Tageszeitung "Die Welt" liest. Der Direktor des Deutschen Fußball-Bundes ist ein berechnender Mensch. Er wird sich jedes Satzes bewusst gewesen sein, zumal es üblich ist, solche Gespräche in geschriebener Form gegenzulesen.

In dem längeren Gespräch teilt Bierhoff gegen Toni Kroos aus, dessen Medienkritik nach der Niederlage gegen Mexiko er "unnötig und falsch“ nannte. Bierhoff sagt auch, dass er es am liebsten hätte, dass Spieler "weniger aufs Handy schauen und keine unnötigen Posts ins Netz stellen“.

In ruhigeren Zeiten wäre das eine willkommene Schlagzeile gewesen. Aber die Zeiten sind anders, und Bierhoff muss gewusst haben, dass in der Schlagzeile der Name von Mesut Özil auftaucht. "Man hätte überlegen müssen, ob man sportlich auf Özil verzichtet“, titelt die Welt.

Keine Unterstützung vom DFB

Özil - zumindest seine Berater - werden sich genau wie Ilkay Gündogan bewusst gewesen sein, welches Echo ihr Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auslösen wird. Sie haben dafür zurecht Kritik eingesteckt, und es wäre vermutlich auch besser gewesen, wenn der DFB das Verhalten, das jedem Demokraten zuwider sein muss, sanktioniert hätte. Es gibt auch wirksame Strafen unterhalb eines Rauswurfs aus der Nationalmannschaft.

Der fatale Fehler des DFB aber war, dass er sich nicht hinter die beiden deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln gestellt hat, als aus der rechtsextremen Ecke, die längst keine kleine Schmuddelecke mehr ist, gegen Özil und Gündogan gehetzt wurde.

Bierhoff spricht von kollektivem Versagen - auch bei Mesut Özil

Sportschau | 06.07.2018 | 01:01 Min.

Der Verband braucht ein Korrektiv zu Bierhoff

Jetzt, im ersten Interview mit etwas Abstand, geht Oliver Bierhoff sogar noch weiter. Er öffnet Özil die Tür und weist ihn mit seinen Worten hinaus. Warum sollte Mesut Özil nochmal für die deutsche Nationalmannschaft spielen, deren Manager einen Grund für das desaströse Abschneiden bei der WM darin sieht, ihn nicht schon vorher rausgeschmissen zu haben?

Der DFB brauche „Einschnitte auf allen Ebenen“, sagt Bierhoff auch in dem Interview. Vor allem braucht der Verband ein wirksames Korrektiv zu seinem Direktor Oliver Bierhoff.

Stand: 06.07.2018, 12:25

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