Kommentar - Spaniens Verband verschlimmert alles

Julen Lopetegui (l.) und Luis Rubiales

Spanischer Fußballverband trennt sich von Chefcoach

Kommentar - Spaniens Verband verschlimmert alles

Von Volker Schulte

Die Entlassung von Spaniens Nationaltrainer Julen Lopetegui ist eine Kurzschluss-Reaktion und wirft Fragen über die Rolle des Verbandspräsidenten auf. Persönliche Eitelkeiten scheinen wichtiger zu sein als sportliche Überlegungen.

Natürlich war das Vorgehen von Real Madrid und von Julen Lopetegui nicht vorbildlich. Drei Tage vor dem spanischen WM-Auftakt zu veröffentlichen, dass Lopetegui nach dem Turnier zu Real wechselt, kann nur für Unruhe sorgen. Den Verband außerdem erst kurz vor der Bekanntgabe zu informieren, wie offenbar geschehen, ist eine Frechheit.

Dass sich Verbandspräsident Luis Rubiales darüber aufregt, ist legitim. Offenbar fühlte er sich auch persönlich derart angegriffen, dass er Lopetegui direkt entlassen wollte. Er hätte sich aber besser noch einmal besinnen sollen, denn mit der Trennung verschlimmert er das Chaos nur. Zwei Tage vor der Auftaktpartie gegen Portugal öffentlich zu sagen: "Wir suchen einen neuen Trainer - von jetzt an", ist eine Bankrotterklärung. Dadurch ist klar, dass die kurz darauf verkündete Lösung mit Fernando Hierro als Nachfolger nur ein Notnagel ist.

Hierro wird als Schwachstelle gelten

Spanien, Fernando Hierro

Spanien, Fernando Hierro

So kurz vor dem Turnier geht es nicht darum, wie sich der Präsident fühlt. Es geht darum, was der Mannschaft guttut. Zwar ist es gut möglich, dass Lopeteguis Zukunftspläne für Unmut innerhalb des Teams gesorgt haben. Diskussionen, ob der Trainer seine künftigen Real-Schützlinge bevorzugt, wären unausweichlich gewesen - aber das geringere Übel. Denn ansonsten dürfte den Spielern relativ egal sein, wer nach der WM Nationaltrainer ist. Dann stehen erst einmal wieder die Vereine im Fokus.

Nun aber müssen sich die Spieler kurzfristig auf einen neuen Trainer einstellen, die gesamte Vorbereitung ist infragegestellt. Unter Lopetegui haben sie in 20 Spielen noch nie verloren. Der neu installierte, als Trainer unerfahrene Hierro wird dagegen auch öffentlich als Schwachstelle gelten, das nimmt die Spieler aus der Verantwortung - eine gefährliche Entwicklung.

Ausstiegsklausel macht Chaos möglich

Das Thema wird die Nationalmannschaft noch lange begleiten. Der Verband muss sich auch der eigenen Verantwortung stellen, denn die ausgehandelte Ausstiegsklausel in Lopeteguis Vertrag hat das Chaos erst möglich gemacht. Sollte Spanien bei der WM früh ausscheiden, dürften die Personaldebatten erst richtig losgehen - mit Rubiales und Hierro selbst im Zentrum.

Stand: 13.06.2018, 14:48

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