Belgien siegt in der Nachspielzeit gegen Japan

Belgien - Japan 3:2 | Achtelfinale

Belgien siegt in der Nachspielzeit gegen Japan

Von Robin Tillenburg

Belgien hat bei der WM 2018 ein spektakuläres Achtelfinale gegen tapfer kämpfende Japaner in letzter Sekunde noch für sich entschieden.

Genki Haraguchi erzielte die Führung für Japan (48. Minute), Takashi Inui legte mit einem traumhaften Distanzschuss nach (52.), Jan Vertonghen sorgte für den Anschlusstreffer (69.) und Marouane Fellaini für den Ausgleich (74.). Der eingewechselte Nacer Chadli setzte schließlich den Schlusspunkt (90.+4).

Japans Trainer Akira Nishino hatte wieder seine Startelf aus den ersten beiden erfolgreicheren Gruppenspielen aufgeboten und wechselte im Vergleich zur Niederlage gegen Polen sechsmal. Sein Pendant Roberto Martinez rotierte noch heftiger zurück und nahm gegenüber dem Sieg über England im dritten Spiel zehn Änderungen vor - die Stars waren zurück beim klaren Favoriten.

Forsche Samurai

Vincent Kompany von Belgien (l.) in Aktion gegen Yuya Osako

Vincent Kompany von Belgien (l.) in Aktion gegen Yuya Osako

Für das erste Ausrufezeichen in Rostow am Don sorgte aber der Außenseiter: Japans Shinji Kagawa zog nach nicht einmal einer gespielten Minute direkt mal ab und zielte nur knapp am Gehäuse von Thibaut Courtois vorbei. Die "Samurai Blue" hatten angekündigt, sich nicht nur hinten einigeln zu wollen und untermauerten das in der Anfangsphase direkt.

Die Belgier wirkten von dieser forschen Herangehensweise etwas überrascht und hatten Mühe, in die Partie zu finden. Erst nach einer guten Viertelstunde näherten die "Red Devils" sich so langsam dem japanischen Tor an. Nach 25 Minuten hatte die Martinez-Elf schließlich ihre erste echte Torchance: Romelu Lukaku konnte eine scharfe Flanke von rechts aus kurzer Distanz aber nicht kontrolliert auf das Tor befördern, Vincent Kompany scheiterte zwei Minuten später aus schwierigem Winkel ebenfalls.

Eiskalte Doppeldusche nach der Pause

Belgien probierte es bis zur Pause noch mehrmals aus der Distanz und mit Flanken, blieb aber zumeist kurz vor der eigentlichen Chance an dem diszipliniert verteidigenden blauen Abwehrverbund hängen. Beinahe wäre der Favorit sogar doch noch mit einem Rückstand in die Kabine gegangen: Courtois zeigte eine ungewohnte Unsicherheit und produzierte beinahe ein Eigentor (44.).

Jener Rückstand folgte dann allerdings direkt nach der Pause: Haraguchi enteilte bei einem Konter nach tollem Pass auf der rechten Seite seinem Gegenspieler Vertonghen und vollstreckte eiskalt per Flachschuss genau in die linke Ecke. Belgien antwortete prompt in Form eines Pfostenkrachers von Eden Hazard (50.), bekam aber dann direkt die nächste eiskalte Dusche verpasst: Inui wurde nicht richtig angegriffen und setzte seinen Schuss aus gut 20 Metern direkt neben den rechten Pfosten zum 2:0 in die Maschen.

Vertonghens Kopfball-Lob läutet Aufholjagd ein

Das Starensemble in rot wirkte geschockt und war sichtlich bemüht, wieder selbst Torgefahr zu produzieren, hatte aber kaum Ideen und zudem zu große Abstände zwischen den jeweiligen Mannschaftsteilen. Nur nach Hereingaben von den Außen kamen die Belgier zu Torgefahr: Lukaku köpfte aber vorbei (62.) und wurde geblockt (68.). Der Anschlusstreffer entstand schließlich auch eher zufällig: Nach einer Kerze im japanischen Strafraum traf Vertonghen gut zwanzig Minuten vor Schluss von der linken Seite mit einer kuriosen Kopfball-Bogenlampe.

Das Tor hatte der Martinez-Elf neues Selbstbewusstsein gebracht - die nächsten Minuten waren ein völliges Powerplay, das mit dem Kopfballtreffer des eingewechselten Fellaini nach einer Hazard-Flanke belohnt wurde. Die Partie war wieder völlig offen - beide gingen nun auf den "Lucky Punch".

Mustergültiger Konter führt zum "Lucky Punch"

Japans Joker Keisuke Honda wurde nach tollem Pass von Shinji Kagawa in letzter Sekunde noch abgegrätscht (83.), Courtois verhinderte ein Eigentor von Axel Witsel (90.) und hielt einen Honda-Freistoß (90.+3). Auf der anderen Seite parierte Eji Kawashima zwei Kopfbälle von Chadli und Lukaku (85.). Als alles schon an die Verlängerung glaubte, konterte Belgien noch einmal mit vollem Tempo. Das ging zu schnell für die Japaner und am Ende ließ Lukaku gut für Chadli durch, der zum umjubelten Siegtreffer einschob.

"Wir hätten beim 2:2 auch auf Nummer sicher gehen können. Ich denke man hat dann in der 94. Minute bei unserem Konter aber gesehen, was die Mannschaft will. Wir wollen diese WM gewinnen, da musst du dein Spiel machen. In so einem Turnier kommen immer schwierige Momente", meinte Belgiens Kevin De Bruyne nachher.

Im Viertelfinale bekommt Belgien es nun am Freitag (06.07.2018) mit Brasilien zu tun.

Fußball · Weltmeisterschaft 2018

Montag, 02.07.2018 | 20.00 Uhr

Flagge Belgien

Belgien

Courtois – Alderweireld, Kompany, Vertonghen – Meunier, De Bruyne, Witsel, Carrasco (65. Chadli) – Mertens (65. Fellaini), Lukaku, E. Hazard

3
Flagge Japan

Japan

Kawashima – H. Sakai, Yoshida, Shoji, Nagatomo – Hasebe, Shibasaki (81. Yamaguchi) – Haraguchi (81. Honda), Kagawa, Inui – Osako

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Haraguchi (48.)
  • 0:2 Inui (52.)
  • 1:2 Vertonghen (69.)
  • 2:2 Fellaini (74.)
  • 3:2 Chadli (90.)

Strafen:

  • gelbe Karte Shibasaki (1 )

Zuschauer:

  • 41.466

Schiedsrichter:

  • Malang Diedhiou (Senegal)

Stand: Montag, 02.07.2018, 21:56 Uhr

Wappen Belgien

Belgien

Wappen Japan

Japan

Tore 3 2
Schüsse aufs Tor 8 4
Ecken 10 6
Abseits 1 1
gewonnene Zweikämpfe 88 71
verlorene Zweikämpfe 71 88
gewonnene Zweikämpfe 55,35 % 44,65 %
Fouls 12 8
Ballkontakte 729 566
Ballbesitz 56,29 % 43,71 %
Fehlpässe 56 54
Passquote 89,13 % 85,64 %
Flanken 15 9
Alter im Durchschnitt 28,5 Jahre 29,7 Jahre

Stand: 02.07.2018, 21:54

Darstellung: