Özil, Gündogan, Erdogan - das Thema bleibt

Treffen Bundespräsident Steinmeier mit Gündogan und Özil

Brisantes Treffen mit türkischem Staatspräsidenten

Özil, Gündogan, Erdogan - das Thema bleibt

Von Marcus Bark (Eppan)

Die Nationalmannschaft wollte das Thema um Özils und Gündogans Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan für beendet erklären. Aber es schwelt weiter. Jetzt meldete sich sogar nochmal der Bundespräsident zu Wort.

Der vorletzte Tag des Trainingslagers war ruhig in Eppan. Nach der geheimen Einheit am Vormittag besuchte Bundestrainer Joachim Löw noch das Mediencafé, plauderte dort mit dem Präsidenten des FC Südtirol. Das Café schloss früh, die Arbeitsplätze im Medienzelt waren auch verwaist, denn es gab keine Pressekonferenz.

Nur Özil fehlte komplett

Die Reporter konnten das verschmerzen, denn am Tag zuvor hatten fast alle Spieler aus dem Kader für Gespräche zur Verfügung gestanden. Nur Mesut Özil und Ilkay Gündogan fehlten. Özil erschien gar nicht. Er ließ ausrichten, dass "zu dem Thema alles gesagt" sei, eine zumindest gewagte These. Das Treffen der beiden deutschen Nationalspieler mit dem türkischen Präsidenten Erdogan wirkt nach.

Das gab Gündogan zu, der am Medientag mit ausgewählten Journalisten sprach. In einem Interview mit ARD und ZDF sagte er: "Es ist eine schwierige Situation für Mesut und mich gewesen, und sie ist es immer noch."

Welche politische Dimension der Fall erreichte, wurde spätestens am 19. Mai deutlich. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing die beiden Spieler, die beide türkische Wurzeln, aber nur einen deutschen Pass haben, im Schloss Bellevue. Dabei sei lange "über Sport, aber auch über Politik" gesprochen worden.

Steinmeier "ein bisschen ratlos"

Am Mittwoch (06.06.2018) meldete sich der Bundespräsident nochmals und sehr ausführlich zu Wort. In einem Interview mit der "Zeit" sagte Steinmeier, dass er "ein bisschen ratlos“ gewesen sei, als er das Foto der beiden Spieler mit Erdogan gesehen habe.

Genau geklärt waren die Zusammenhänge auch nach dem Treffen im Amtssitz des Bundespräsidenten nicht. So sagte Steinmeier der "Zeit" auf die Frage, ob es eine Entschuldigung der beiden Fußballer gegeben habe: "Das ist eine Interpretationsfrage. Wenn ich die beiden Aussagen ernst nehme – und ich habe keinen Anlass, das nicht zu tun –, dann haben die beiden jedenfalls erkannt, dass es für sie gut ist, sich zu diesem deutschen Staat und ihrem loyalen Verhältnis zu ihm zu bekennen und das entstandene Bild zu korrigieren."

Keine kritische Äußerung gegen Erdogan

Gündogan bekannte sich im Gespräch mit ARD und ZDF zu den "deutschen Werten". Weder von ihm noch von Özil gibt es jedoch eine kritische Äußerung gegenüber Erdogan, der sogar von den Vereinten Nationen wegen seiner Menschenrechtsverletzungen an den Pranger gestellt wurde.

Gündogan behauptete, das Treffen mit dem türkischen Präsidenten, der sich am 24. Juni wieder zur Wahl stellt, sei "absolut kein politisches Statement" gewesen. Solange die beiden deutschen Nationalspieler sich nicht direkt über Erdogan äußern, dürfte das Thema auf der Agenda bleiben. Selbst auf eine explizite Nachfrage, wie Gündogan zum Fall des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel stehe, der lange ohne Anklage in Haft gesessen habe, wich der Nationalspieler aus.

Löw-Versuch misslang

Am ersten Tag des Trainingslagers versuchte Bundestrainer Joachim Löw, das Thema für beendet zu erklären. Aber das misslang. Gündogan berichtete, dass es am Sonntag (03.06.2018) beim Besuch der Bundeskanzlerin zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Angela Merkel gekommen sei. Inhalte blieben offen.

Beim Testspiel der deutschen Mannschaft in Österreich gab es Pfiffe der eigenen Fans gegen Özil und Gündogan. Das könnte sich am Freitag in Leverkusen wiederholen. "Wer pfeifen will, ist frei in seiner Entscheidung. Da kann ja jeder machen, was er will", sagte Gündogan.

Stand: 06.06.2018, 19:04

Darstellung: