Frankreich - Zufriedenheit erst mit Pokal

Trainer Didier Deschamps wird von seinen Spielern gefeiert

Frankreich - Kroatien 4:2 | Finale

Frankreich - Zufriedenheit erst mit Pokal

Von Marcus Bark (Moskau)

Die Franzosen feiern den Gewinn der Weltmeisterschaft euphorisch. Trainer Didier Deschamps sieht einen Grund darin, dass dieser Zustand eben erst nach dem Endspiel einsetzte. Die Kroaten zeigen, dass sich Niederlagen und Zufriedenheit nicht ausschließen.

Sogar das stille Wasser rührten die Sieger plötzlich an, genau wie das blaue Elektrolytgetränk. Es war allerdings der Not geschuldet, dass die Sektflaschen leer waren.

Das alkoholische Getränk wurde in hohen Dosen auf dem Kopf und dem Shirt von Didier Deschamps nachgewiesen. "Ich habe mich schon drei Mal umgezogen, aber ich stinke immer noch", sagte der Trainer des neuen Weltmeisters. Seine Spieler hatten die Pressekonferenz gestürmt, alles an Flüssigkeiten durch die Gegend gespritzt, was zu greifen war, auf dem Podium getanzt und mit Gesängen ihrem Trainer gehuldigt. Deschamps, ansonsten eher ein knorriger Gesprächspartner, lachte und entschuldigte sich: "Sie sind jung und haben Spaß."

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"MERCI"

Den hatte die ganze Grande Nation, und deshalb richtete der Staatspräsident auch einen Tweet an die Fußballmannschaft, die Frankreich den zweiten Weltmeisterschaftstitel der Geschichte beschwerte. "MERCI", schrieb Emmanuel Macron bei Twitter. Der Präsident feierte in der Kabine mit, in der auch auf den Tischen getanzt wurde.

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"Ich weiß, dass ich jetzt zusammen mit meinen Mannschaftskollegen für immer einen Platz in der französischen Fußballgeschichte haben werde. Unsere Kinder werden stolz auf uns sein", sagte Antoine Griezmann. Der Topscorer der WM in Russland mit vier Toren und vier Vorlagen sagte einen Satz, der schon häufig zu hören gewesen ist von den Siegern nach ganz bedeutenden Wettkämpfen: "Ich kann das noch gar nicht realisieren."

Das habe er ihnen als eine der ersten Botschaften mitgegeben, erklärte Deschamps später. Es brauche Zeit, sich dieses Erfolges, des größtmöglichen für einen Fußballer, bewusst zu werden. Deschamps ist nach Mario Zagallo und Franz Beckenbauer nun der dritte Fußballer, der als Spieler und Trainer einen WM-Titel mit sich trägt. "Natürlich ist da auch ein persönlicher Stolz", so der Kapitän der Mannschaft von 1998, der "normalerweise nicht so gerne über mich" und seinen Anteil am Erfolg rede.

Der Zufriedenheit entgegengewirkt

Er sah einen wesentlichen Grund für den großen Sieg in der größten Niederlage. Es habe "sehr, sehr weh getan", vor zwei Jahren das Finale der Europameisterschaft in Paris zu verlieren. Aber er habe auch sehr viel daraus gelernt, sagte der Trainer: "Vielleicht wären wir jetzt nicht Weltmeister, wenn wir damals gewonnen hätten." Zufriedenheit als hemmender Faktor - diese These war schon vorher bei den Franzosen mehrmals durchgeklungen. Deschamps betonte stets, dass er dieser Zufriedenheit entgegenwirken werde, bis das Ziel erreicht sei.

Der Starkregen, der zur Siegerehrung über dem Moskauer Luschniki-Stadion einsetzte, verwandelte den Rasen in eine Rutschbahn, auf der Rekorde möglich waren. Auf dem Bauch schlidderten die Spieler in den blauen Trikots über den Platz, der mit goldenem Konfetti übersät war.

Vor der anderen Kurve hockten die Spieler in den rot-weißen Trikots zusammen. Als die Betreuer das sahen, sprinteten sie hinzu. Auf diesem Foto wollte jeder sein. Auch wenn das Foto die Mannschaft vor ihrem großen Fanblock zeigen würde, die das Endspiel verloren hatte. Die Kroaten waren traurig, erkannten aber auch schnell, dass sie sehr zufrieden sein durften mit dem, was sie erreicht hatten.

Fragwürdiger Elfmeter

"Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft", sagte Trainer Zlatko Delic. Ihm war sofort die Frage gestellt worden, was er denn zu der Entscheidung sage, dass Schiedsrichter Néstor Pitana auf einen Handelfmeter entschied, nachdem er sich die betreffende Szene nochmal am Monitor angeschaut hatte. "Den kannst du eigentlich in einem WM-Finale nicht geben", haderte Dalic. Er erntete dafür Widerspruch und Zuspruch zu etwa gleichen Teilen, was eher die Berechtigung der Frage bestätigte, ob es eine klare Fehlentscheidung war, als die Entscheidung selbst.

Ein Eigentor von Mario Mandzukic, der später auch noch für seine Mannschaft traf, und ein Handspiel von Ivan Perisic, der zum 1:1 ausgeglichen hatte, ebneten Frankreich den Weg in der ersten Halbzeit, in der Kroatien besser war. Die meisten Statistiken sprachen auch nach dem Schlusspfiff für die Mannschaft von Dalic. Mag der Sieg im Finale glücklich gewesen sein, zweifelte doch kaum jemand an, dass die beste Mannschaft des Turniers auch den Pokal bekommen hatte. Deschamps trainierte und moderierte eine Gruppe von Fußballern zum Titel, die als Gruppe auftrat.

Das würdigte indirekt auch die FIFA, als sie den besten Einzelspieler des Turniers kürte. Die Trophäe ging an den Kroaten Luka Modric.

Stand: 16.07.2018, 08:40

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