Perus Farfan - Vom Altenteil auf die WM-Bühne

Jefferson Farfan trifft für Peru

Peru in der WM-Endrunde

Perus Farfan - Vom Altenteil auf die WM-Bühne

Von Jörg Strohschein

Wenn Peru bei der WM in Russland spielt, liegen die Hoffnungen der Fans der Selección auf Jefferson Farfan. Der Angreifer ist zwar schon 33 Jahre alt, hat sich vom Altenteil aber nochmal auf ein hohes Niveau gekämpft.

Wenn Erik Stoffelshaus an die WM-Qualifikation denkt, dann wird ihm heute noch ganz unwohl zumute. Schließlich musste er Jefferson Farfan auf eine lange Reise ziehen lassen. Und der Peruaner ist schließlich einer der wichtigsten Bestandteile von Lokomotive Moskau. Stoffelshaus ist seit Januar 2017 Sportdirektor des russischen Spitzenklubs, der nicht zuletzt durch die starken Leistungen von Farfan vor ein paar Wochen überraschend den Meistertitel in der Premier Liga feiern konnte. Aber das war zum damaligen Zeitpunkt, im November 2017, noch nicht abzusehen.

Von Moskau nach Lima, von dort weiter nach Wellington, einmal fast um die ganze Welt für ein WM-Qualifikations-Hinspiel gegen Neuseeland. Unmittelbar danach, nach einem 0:0, ging es für Farfan dann sofort wieder über 23.000 Kilometer zurück nach Moskau. Und gerade gelandet, musste er direkt den nächsten Flieger besteigen, damit er mit Lokomotive ein Auswärtsspiel im acht Flugstunden und drei Zeitzonen entfernten Kharabovsk - Tokio liegt von dort aus nur noch eine Flugstunde entfernt - bestreiten konnte. Bei minus 13 grad Celsius. "Er hatte so gut wie keine Zeit, sich von den Reisestrapazen zu erholen. So etwas schafft man nur, wenn man absolut fit ist", sagt Stoffelshaus sportschau.de.

Nicht mehr ganz so schnell wie früher

Der Lokomotive-Manager und der Peruaner kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim FC Schalke 04. Der damalige Teammanger und die ehemals rechte Hand vom Ex-S04-Manager Andreas Müller erinnerte sich an den Peruaner und dessen außergewöhnliche fußballerischen Qualitäten. Farfan war nach seiner erfolgreichen Zeit beim Ruhrgebietsklub 2015 nach Abu Dhabi zu Al Jazira gewechselt, und hatte sich damit eigentlich auf das finanziell verlockende aber doch eher sportliche Altenteil zurückgezogen.

"Ich brauchte einen schnellen, körperlich starken und torgefährlichen Spieler und habe ihn dann kontaktiert", sagt der 47-Jährige. Und Farfan wollte es tatsächlich nochmal wissen. Er hat sich der Vorbereitungs-Strapazen noch einmal in vollem Umfang angenommen und sich wieder auf ein körperlich hohes Niveau gebracht. "Er ist mit seinen 33 Jahren vielleicht nicht mehr ganz so schnell wie früher. Aber scheut weiterhin keinen Zweikampf, ist immer noch so robust wie früher, haut sich in jedem Spiel voll rein", sagt Stoffelshaus: "Und das Niveau in Russland sollte man auch nicht unterschätzen."

Veränderter Lebenswandel

Lokomotive-Manager Erik Stoffelshaus

Lokomotive-Manager Erik Stoffelshaus

Und sowohl in Moskau als auch im peruanischen Nationalteam konnte "Jeff", wie Farfan von seinen Mitspielern genannt wird, nochmal voll überzeugen. Auch seine Verletzungsprobleme bekam er in den Griff. Während Farfan in der russischen Hauptstadt in der abgelaufenen Spielzeit in 22 Partien zehn Treffer erzielte und sechs Tor-Vorlagen gab, erzielte er im WM-Quali-Rückspiel in Lima das 1:0 beim 2:0-Erfolg, der die erstmalige Teilname des kleinen Landes nach 1982 an dem Weltturnier bedeutete. In Peru wurde daraufhin ein landesweiter Feiertag ausgerufen und die Mannschaft wie Helden verehrt.

Bei Farfan wurde oftmals der Lebenswandel auf Schalke infrage gestellt. Er galt als hochtalentiert und als ein Spieler, der kaum verzichtbar ist. Aber auch als Lebemann, der gerne mal feiern ging, seinen zahlreichen Autos viel Aufmerksamkeit schenkte und insgesamt den Vorzügen des Lebens nicht abgeneigt gegenüberstand. Von all diesen alten Geschichten will Stoffelshaus aber nichts wissen. "Er tritt hier absolut professionell auf, lebt direkt am Trainingsgelände, hat einen eigenen Koch und einen eigenen Physiotherapeuten", sagt der gebürtige Mülheimer.

Im Sturm mit Guerrero

Entsprechend zuversichtlich ist Stoffelshaus auch, dass Farfan bei der WM in Russland in Gruppe C gegen Frankreich, Australien und Dänemark eine tragende Rolle im peruanischen Nationalteam spielen wird. Gemeinsam mit seinem Sturmkollegen Paolo Guerrero, der gerade von einer Dopingsperre freigesprochen wurde. 20 Tore in 69 Länderspielen sollen noch nicht das Ende der langen Karriere Farfans sein.

"Er wird spielen", sagt der Lokomotive-Sportdirektor voraus. Und was meint Farfan selbst? "Natürlich wäre das Achtel- oder Viertelfinale ein Traum, aber wir haben gelernt, demütig zu bleiben", sagt der Angreifer vor seiner ersten WM-Endrundenteilnahme. Für den Titel wird es für die Peruaner wohl nicht reichen, aber "ich glaube, Jeff wird den einen oder anderen Gegner noch mit seinen Fähigkeiten überraschen können", sagt Stoffelshaus.

Stand: 13.06.2018, 10:00

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