Eishockey-WM: Hat Deutschland das Zeug zum Geheimfavoriten?

Spielszene Deutschland - Norwegen (WM 2018)

Vorbild Finnland

Eishockey-WM: Hat Deutschland das Zeug zum Geheimfavoriten?

Von Burkard Hupe

In der lettischen Hauptstadt Riga beginnt am Freitag die Eishockey-Weltmeisterschaft. Alles an diesem Turnier ist ungewöhnlich: Die Vorgeschichte, die Austragung und die Außenseiterchance für das deutsche Team.

Und die hat ein prominentes Vorbild, sagt der deutsche Eishockey-Nationalspieler Markus Eisenschmid. Niemand hatte die Finnen vor zwei Jahren auf dem Zettel. Nicht als Favoriten jedenfalls.

Kaum ein Mensch außerhalb von Finnland kannte diese Spieler mit den sperrigen Namen. Nach dem finnischen Endspielerfolg bei der Weltmeisterschaft gegen Kanada war das anders.

Heute steht fast das halbe finnische Weltmeisterteam in den USA oder Kanada unter Vertrag. "Finnland hat uns vor zwei Jahren gezeigt, wie es funktionieren kann", sagt Markus Eisenschmid. "Und es spricht eigentlich nichts dagegen, dass es bei uns auch funktionieren kann."

Eisenschmid macht den Unterschied

Markus Eisenschmid ist an guten Tagen ein Unterschiedsspieler auf dem Eis. Der Mittelstürmer aus Mannheim spielt dann clever und überraschend und man versteht, warum er einige Jahre lang versuchte, sich in Nordamerika bei den Allerbesten durchzusetzen.

Markus Eisenschmid ist alles andere als ein Schwätzer. Er hat seinen Sport schon in allen Facetten durchlebt. Auch die dunklen Stunden mit einer schweren Schulterverletzung und dann mit einem verletzten Knie.

Markus Eisenschmid

Markus Eisenschmid

Den Weltmeister besiegt

Eisenschmid war vor zwei Jahren in Kosice und Bratislava dabei, als die Tschechen im WM-Viertelfinale zu stark waren. Oder die Deutschen spielten nicht so gut, wie sie es eigentlich hätten drauf haben müssen.

Im letzten Gruppenspiel hatte die DEB-Auswahl gegen Finnland noch mit 4:2 gewonnen. Es war die einzige Turnierniederlage für den späteren Weltmeister.

Deutschlands Bester fehlt

Damals stand Leon Draisaitl im deutschen Aufgebot. In diesem Jahr nicht. Denn anders als vor zwei Jahren spielt Draisaitls NHL-Klub Edmonton wieder eine sportlich gewichtige Rolle und beginnt in diesen Tagen mit seinen Playoffs.

"Normalerweise reden wir nicht über Spieler, die nicht dabei sind", erklärt Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes. Zweitens ist Reindl ein ausgewiesener Fan der deutschen Nationalmannschaft, und "wenn ein Leon Draisaitl nicht dabei sein kann, dann hat das natürlich große Auswirkungen auf unser Team."

Die Spieler sagen, jedes einzelne Training mit Draisaitl würde sie bereichern. Bundestrainer Söderholm hält dagegen: "2019 hatten wir viel Talent und sind trotzdem früh ausgeschieden."

Deutscher Kader vielversprechend

In diesem Jahr gibt es wieder eine deutsche Mannschaft, die wie ein großes Versprechen daherkommt. Drei starke Torhüter, Moritz Seider und Leon Gawanke als große Verteidiger-Talente, Moritz Müller und Korbinian Holzer als anerkannte Wortführer und international abgehärtete Abräumer.

Und vorne so erstaunlich viel Potenzial. Die "deutsche" Reihe der Eisbären aus Berlin. Mit Marcel Noebels, dem ausgewiesen besten Spieler der zurückliegenden DEL-Serie, mit dem hoch veranlagten Lukas Reichel und dem kaltschnäuzigen Leo Pföderl.

Trainer Söderholm kennt die Qualität

Da ist der willensstarke Angreifer Tobias Rieder, der in Buffalo ein schwieriges Jahr hinter sich gebracht hat. Da ist Tom Kühnhackl, der mit Pittsburgh schon zweimal den Stanley Cup gewann, oder der schnelle und unberechenbare Daniel Fischbuch aus Düsseldorf.

Und da ist der Trainer Toni Söderholm, der diese Qualität bis ins letzte Detail kennt und trotzdem verspricht: "Wir werden erst einmal unsere Arbeitsschuhe anziehen."

Toni Söderholm ist der Trainer der deutschen Eishockeyspieler.

Toni Söderholm ist der Trainer der deutschen Eishockeyspieler.

Absteigen wird kein Nationalteam

Gespielt wird in zwei Gruppen mit jeweils acht Mannschaften. Die Deutschen bekommen es zum Auftakt mit Italien zu tun. Ein schlagbarer Gegner, und auch Aufsteiger Kasachstan sollte für die DEB-Auswahl machbar sein.

Komplizierter sind die Gegner auf Augenhöhe: Norwegen und Lettland. Von der Top-Nationen sind Kanada und die USA in der deutschen Gruppe dabei, dazu noch Weltmeister Finnland.

Das Minimalziel lautet: mindestens Platz vier. "Und danach ist dann in einem Spiel alles möglich", erklärt Marcel Noebels. Absteigen kann in diesem Jahr übrigens keine Nation.

Jubelszene bei Deutschland - Finnland (WM 2019)

Jubelszene bei Deutschland - Finnland (WM 2019)

Besondere Regeln der Corona-Pandemie

Es war indes ein mühseliges Warmlaufen für diese Weltmeisterschaft. Noch in Nürnberg wurden die deutschen Spieler in drei Trainingsgruppen eingeteilt, die jeweils eine eigene Blase bildeten. In Riga folgte eine zweitägige Zimmerquarantäne. "Wir haben uns nur gesehen, wenn es an der Tür klopfte, und danach jeder sein Essen aufs Zimmer holte", berichtet Frederik Tiffels.

Seit Dienstag darf die Mannschaft gemeinsam trainieren, bleibt aber von der Außenwelt strikt abgeschottet. Jeden zweiten Tag wird ein PCR-Test durchgeführt.

Gastgeber Lettland im Eishockey-Fieber

Lettland richtet nach 2006 zum zweiten Mal eine Weltmeisterschaft aus. Gespielt wird in zwei Hallen: Arena Riga mit etwa 10.000 Plätzen und Olympia-Sportzentrum von Riga mit einer Kapazität für 6.000 Zuschauer.

Ursprünglich sollte die WM auch in Minsk ausgetragen werden. Unter dem Druck von Politik und Sponsoren nahm der Eishockey-Weltverband diese Entscheidung jedoch im Januar zurück.

Stand: 19.05.2021, 12:00

Darstellung: