Eishockey | Frauen-Bundesliga Welcke hoch drei: Schwestern-Power in den Playoffs

Stand: 26.02.2022 09:59 Uhr

Drei Schwestern, ein Team. Luisa, Lilli und Lea Welcke spielen bei den Mad Dogs Mannheim in der Eishockey Bundesliga der Frauen. Der Weg dorthin war nicht immer einfach, führte die Schwestern auch auseinander und bringt sie jetzt gemeinsam in die Playoffs, die am 26. Februar starten.

Serena und Venus Williams im Tennis, Vitali und Wladimir Klitschko im Boxen, Tarjei und Johannes Thingnes Boe im Biathlon: Der Spitzensport hat schon etliche Geschwisterpaare hervorgebracht, die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Dass aber gleich drei Geschwister in einem Sport erfolgreich sind, ist selten. Und ist im deutschen Fraueneishockey einzigartig. Die Zwillinge Luisa und Lilli Welcke (19) spielen mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Lea bei den Mad Dogs Mannheim in der Deutschen Eishockey Bundesliga der Frauen und werden ab 26. Februar die Mannschaft erstmals in die Playoffs führen.

"Wir können den Erfolg teilen"

Das Ticket dafür sicherten sich die Mannheimerinnen nach einer starken Saison bereits Mitte Januar. Luisa sagt: "Das ist das Schöne daran, dass wir zu dritt in einer Mannschaft spielen: Wir können den Erfolg teilen."

Die Karriere der drei Schwestern begann auf der Eisfläche des Heidelberger Weihnachtsmarkts. Dort lernten die Welckes das Schlittschuhlaufen, hatten sogar eine Dauerkarte. Als die Zwillinge sieben und Lea zehn Jahre alt waren, nahmen sie beim Ferienprogramm an einem Eishockey-Kurs teilnahmen und waren sofort begeistert. Doch die Freude wurde zumindest bei der großen Schwester schnell ausgebremst. "Mir haben die Trainer gesagt, ich brauche gar nicht mehr mit Eishockey anfangen, ich sei schon zu alt", erzählt Lea. Viele Profis im Eishockey beginnen bereits mit vier oder fünf Jahren.

Als einziges Mädchen unter pubertierenden Jungs

Davon ließ sich die damals Zehnjährige nicht abschrecken. Sie trainierte eine Weile bei den Jüngeren mit, wechselte aber schnell in ihre Altersklasse und passte sich an das Niveau an. Mit ihr im Team: nur Jungs. "Gerade in der Pubertät waren die manchmal gar nicht nett und ich habe nach dem Training im Auto oft geweint. Aber Eishockey hat viel zu viel Spaß gemacht, um aufzuhören." Reine Mädchen-Mannschaften gibt es im Eishockey nicht, meist spielen die Frauen bis zu den Seniorinnen bei den Männern mit. Die Zwillinge Luisa und Lilli hatten immerhin den Vorteil, dass sie zu zweit waren, während Lea sich als einziges Mädchen durchsetzen musste.

Die drei Welcke Schwestern beim Interview mit Nina Probst

Steinig war der Weg aber auch für ihre kleinen Schwestern. "Viele Trainer haben keinen Sinn darin gesehen, dass wir als Mädchen Eishockey spielen, und uns nicht unterstützt. Wir haben dann sehr oft die Vereine gewechselt." Erst in Heilbronn und später in Mannheim haben die Schwestern schließlich eine Eishockey-Heimat gefunden.

Mit 15 Jahren den Sprung ins Ausland gewagt

Doch in Deutschland hat der Sport für Frauen insgesamt einen geringen Stellenwert. Wer nicht in der Sportfördergruppe der Bundeswehr als Soldatin oder bei Polizei und Zoll angestellt ist, verdient mit Fraueneishockey kein Geld. Im Gegenteil. Ausrüstung und Auswärtsfahrten müssen häufig selbst gezahlt werden. Daher haben die drei Welcke-Schwestern den mutigen Sprung gewagt und sind 2018 für ein Jahr in die USA gegangen. Lea nach ihrem Abitur an die Ontario Hockey Academy, Luisa und Lilli mit gerade einmal 15 Jahren an die High School in Kent.

Dort erfuhren die Schwestern, dass Frauen-Eishockey anderswo viel mehr Anerkennung und Unterstützung findet. Die Zwillinge entschieden sich daher nach dem Schulabschluss in den USA für ein Stipendium in Kanada. "Dort spielen deutlich mehr Frauen Eishockey, wodurch es viel mehr Mannschaften in einer Liga gibt. Das macht es spannender", erzählt Lilli. Lea ging nach dem USA-Jahr zurück nach Deutschland in die Frauen-Bundesliga. Zunächst verteidigte sie beim ERC Ingolstadt, seit zwei Spielzeiten für die Mad Dogs Mannheim.

Lea Welcke (23)

Immer füreinander da – auch mal mit Kritik

Trotz tausender Kilometer Entfernung: Die drei sind immer füreinander da. Mit Tipps, mit Motivation und auch mal mit Kritik. "Wir haben natürlich auch unterschiedliche Sichtweisen und reagieren dann vielleicht überemotional auf das, was die andere sagt.“ Lea Welcke lacht. „Aber das ist dann nach zehn Sekunden auch wieder vorbei." Der Vorteil an Geschwistern, da sind sich Lea, Luisa und Lilli einig: Man kann einfach ehrlich zueinander sein. Und man kennt sich wie sonst keiner.

Luisa Welcke von den Mad Dogs Mannheim in Aktion

Das gilt auch auf dem Eis. Während bei Spielen die Zwillinge im Sturm und Lea in der Verteidigung an einem Strang ziehen, gibt es im Training oft ein "großes Battle", wie Lilli sagt. "Lea kennt uns eben und weiß ganz genau, wie sie uns packen kann." Die große Schwester, die mittlerweile in Mannheim Psychologie studiert, grinst, gibt aber zu: "Am Anfang war ich noch schneller als die beiden, aber diese Zeiten sind jetzt vorbei."

Gemeinsame Bundesliga-Zeit bald vorbei

Auch die Zeit zu dritt in der Bundesliga wird bald ein Ende haben. In der kommenden Saison gehen die Zwillinge wieder zurück nach Kanada ans Ridley College, wo sie studieren und in der Junior Women’s Hockey League spielen. Lea bleibt in Mannheim, sie studiert dort Psychologie. Doch zunächst liegt der Fokus der Welckes erst einmal auf den gemeinsamen Playoffs, wo sie mit den Mad Dogs Mannheim zum Auftakt am 26. Februar auf den ECDC Memmingen treffen. "Mannheim hat sich toll entwickelt in der Zeit, in der wir im Ausland waren. Die Playoffs werden daher auf jeden Fall spannend", sagt Lilli.

Lilli (20) und Luisa Welcke (20)

Die Playoffs finden im Best-of-Five-Modus statt, der in diesem Jahr vom Deutschen Eishockey Bund eingeführt wurde, um das Fraueneishockey zu professionalisieren. Kleine Schritte, aber immerhin. Maximal bis zum Finale am 26. März werden die drei Schwestern also noch im selben Team spielen, bevor sich ihre Wege wieder trennen. Zumindest vorerst. In die Liste der Williams, Klitschkos und Boes der Sportwelt haben sich die Welckes aber schon mal eingereiht.