DEL - der Norden schwächer, aber im Finale unter sich

Die Eisbären Berlin jubeln nach dem Sieg im Halbfinale gegen Ingolstadt

Finalserie zwischen Grizzlys Wolfsburg und Eisbären Berlin

DEL - der Norden schwächer, aber im Finale unter sich

Es ist Konsens unter Eishockeyexperten und -fans gewesen, dass die Südstaffel in der Coronasaison besser besetzt ist. In der Finalserie der DEL treffen nun aber mit den Grizzlys Wolfsburg und Eisbären Berlin zwei Mannschaften aus dem Norden aufeinander.

Frank Hördler konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. "Auf jeden Fall ist es schön", antwortete der Kapitän der Eisbären auf die Frage, ob das Finale um die deutsche Meisterschaft überraschend sei. Fast alle Experten hatten ein erneutes Duell der Topfavoriten Adler Mannheim und EHC Red Bull München um den 100. Titel erwartet.

Oft war thematisiert worden, dass die Südstaffel in der verkürzten Coronasaison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) stärker besetzt sei als der Norden. Die sogenannte Verzahnungsrunde vor den Playoffs schien das Ungleichgewicht mit 17 Siegen mehr für den Süden zu bestätigen.

Mannheims Sehnsucht nach längerer Serie

Doch ab Sonntag (02.05.2021) spielen die Eisbären und die Grizzlys Wolfsburg um den Silberpokal. München, Meister von 2016 bis 2018, war schon im Viertelfinale gescheitert, Mannheim, punktbestes Team der Hauptrunde und Titelträger 2015 und 2019, ging im dritten Halbfinale mit 1:2 gegen Wolfsburg k.o.

"Es war ein verrücktes, sehr, sehr anstrengendes Jahr", meinte Adler-Stürmer Matthias Plachta: "Dass es so zu Ende geht, haben wir nicht verdient." Ob sich die Favoriten im üblichen "Best-of-Seven"-Modus durchgesetzt hätten, ist eine müßige Frage. Der Playoff-Sprint mit maximal nur drei Spielen machte Überraschungen der Außenseiter aber wahrscheinlicher. Kein Wunder, dass Plachta "auf jeden Fall" in der nächsten Saison wieder nach altem Modus spielen will.

Modus hin oder her - Hördler, der ewige Eisbär, greift mit Berlin nach dem 4:2 im dritten Halbfinale gegen den ERC Ingolstadt nach dem achten Meistertitel. Schon beim ersten Triumph 2005 war der Silbermedaillengewinner von Pyeongchang dabei, damals noch an der Seite von Spielern wie Olaf Kölzig, Stefan Ustorf und Sven Felski, die längst die Schlittschuhe an den Nagel gehängt haben. Für seine aktuellen Teamkollegen hat der 36-Jährige "nur einen Ratschlag: Man weiß nie, wann man das nächste Mal in Finale steht".

Hördler steht schon zum zehnten Mal in der Endspielserie, nur bei der ersten Berliner Teilnahme 1998 war er noch zu jung. "Jetzt haben wir die Tür aufgemacht", sagte der 124-malige Nationalspieler, der nach dem Silber-Coup bei Olympia 2018 seine internationale Karriere beendet hatte, "und jetzt gehen wir durch."

"Ein bisschen Scheibenglück"

Allerdings: Die Eisbären haben alle vier Hauptrundenspiele gegen Wolfsburg verloren. Das Team des ehemaligen Bundestrainers Pat Cortina ist mit seiner disziplinierten Defensivarbeit der vielleicht unangenehmste Gegner der Liga. "Wir waren sehr stark in der Abwehr", betonte Cortina zu Recht nach dem entscheidenden Sieg in Mannheim durch ein Tor von Max Görtz drei Minuten vor Schluss - als der Puck von Adler-Verteidiger Denis Reul ins eigene Tor gelenkt worden war. "Und manchmal", ergänzte Cortina, "braucht man auch ein bisschen Scheibenglück."

sid/red | Stand: 01.05.2021, 14:00

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