DEL: "Glück" in der Hauptrunde und Mini-Playoffs vor der Brust

Mannheims Mark Katic (blau) stoppt Münchens Jakob Mayenschein (weiß) in einem DEL-Hauptrundenspiel

Eishockey

DEL: "Glück" in der Hauptrunde und Mini-Playoffs vor der Brust

Von Dorian Aust

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ist mit Verstand, ein bisschen Glück und ohne viele Covid-Fälle durch die Hauptrunde gekommen. Und trotzdem hatte die Saison einen denkwürdigen Abschluss. In den Playoffs gilt jetzt: Chancen für die Außenseiter, alte Favoriten und bloß nicht anstecken.

0,011 "Punkte" machten am Ende den Unterschied zwischen Playoff-Viertelfinale und Saisonende, zwischen den Straubing Tigers und den Schwenninger Wild Wings. Es war die knappste und wohl denkwürdigste Entscheidung in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga. Mit Straubing spielt jetzt eine Mannschaft weiter um die Meisterschaft, die einen Punkt weniger geholt hat, als der direkte Konkurent. Grund sind die angepassten Regularien in der Corona-Saison.

"Dass es so kommen könnte, haben wir von Anfang an gewusst. Die Verzerrung wäre noch größer, wenn ein Team in drei Tagen dreimal spielen müsste", sagte Liga-Chef Gernot Tripcke schon vor dem Hauptrundenfinale.

DEL: Schwenningen gewinnt und verpasst trotzdem die Playoffs Sportschau 18.04.2021 04:20 Min. Verfügbar bis 18.05.2021 Das Erste Von Jörg Röhrig

"Ein Stein vom Herzen gefallen"

Dabei schaut Tripcke eigentlich auf eine erfolgreiche Saison zurück - zumindest was die Einhaltung des Spielplans und des Hygienekonzepts angeht. Lediglich eine Partie konnte nicht gespielt beziehungsweise nachgeholt werden. "Uns ist schon ein Stein vom Herzen gefallen, dass wir so gut durch die Saison gekommen sind", sagte Tripcke der Sportschau.

Das Hygienekonzept in der DEL wurde im Laufe der Saison verschärft und sah zuletzt zwei PCR-Tests pro Woche vor - viele Klubs haben darüber hinaus mit regelmäßigen Schnelltests agiert. Im Vergleich zu anderen Sportarten sind die Eishockeyspieler sehr gut durch ihre Saison gekommen.

Keine Nachholspiele in den Playoffs

Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL

Dafür gab es laut Liga-Chef einige Gründe: keine internationalen Wettbewerbe, wenige Länderspiele und ausländische Spieler hätten in der Regel ihre Familie nicht nach Deutschland geholt. Alles potenzielle Infektionsrisiken. Aber "es gehört auch ehrlicherweise eine Portion Glück dazu", so Tripcke.

Die entscheidende Saisonphase beginnt aber erst jetzt: die Playoffs. Sollte es hier zu Coronafällen kommen, könnte der sportliche Wettkampf ad absurdum geführt werden und Mannschaften könnten kampflos in die nächste Runde einziehen. Nachholspiele sind ausgeschlossen.

Mini-Playoffs zur Meisterschaft

Für die acht qualifizierten Teams geht es bereits zwei Tage nach dem letzten Hauptrundenspiel in die K.o.-Phase (Dienstag, 20.04.2021). Und zwar in einem abgespeckten Modus. Um die Saison pünktlich vor der Weltmeisterschaft Ende Mai in Riga abzuschließen, werden Viertel- und Halbfinale sowie die Finalserie im Best-of-Three-Modus ausgetragen.

Der Meisterpokal

Objekt der Begierde: Der Meisterpokal

Zwei Siege reichen also zum Weiterkommen, es sind nur noch sechs Siege bis zum Meistertitel. Das erhöht die Chancen für Außenseiter, weil die potenziell stärkeren Mannschaften nicht viermal besiegt werden müssen, wie es im sonst üblichen Best-of-Seven-Modus der Fall wäre.

Dennoch gehen mit Mannheim und München vor allem die Schwergewichte als Favoriten ins Rennen um die Meisterschaft, die im letzten Jahr coronabedingt nicht ausgespielt wurde. Aber auch die Eisbären Berlin spielen seit Saisonbeginn auf konstant hohem Niveau und rechnen sich Chancen aus.

DEL Playoff-Viertelfinale
HeimAuswärts
Adler Mannheim (1)Straubing Tigers (4)
EHC München (2)ERC Ingolstadt (3)
Eisbären Berlin (1)Iserlohn Roosters (4)
Pinguins Bremerhaven (2)Grizzlys Wolfsburg (3)

"Handschriften der Trainer klar erkennbar"

Zu Recht findet Ex-DEL-Profi Alexander Sulzer: "Die drei haben einen sehr tiefen und ausgeglichenen Kader. Und die Handschriften der Trainer sind klar erkennbar", meint der 35-Jährige, der im vergangenen Sommer seine Karriere beendete. "Vor allem schlittschuhläuferisch sehe ich hier Vorteile. Und die Spieler treffen einfach extrem gute Entscheidungen mit der Scheibe und finden spielerische Lösungen."

Die Adler Mannheim haben die Hauptrunde in der Südgruppe dominiert. Bemerkenswerterweise hat die Mannschaft von Pavel Gross dabei alle acht Spiele gegen die ärgsten Konkurrenten aus München und Ingolstadt gewonnen.

Alexander Sulzer

Alexander Sulzer

Gegen die Topteams aus dem Norden sah das anders aus. Berlin konnte Mannheim einmal schlagen, Bremerhaven gleich in beiden Duellen. "Bremerhaven hat sich über die letzten Jahre kontinuierlich entwickelt", hat auch Sulzer beobachtet. "Mt Jan Urbas haben sie einen der besten Spieler der Liga in ihren Reihen. Da weiß jeder blind, wo der andere ist - ein sehr strukturiertes Spiel", so Sulzer.

Überzahl: Mannheims einzige Schwäche?

Die gute Struktur zeigt sich vor allem im Überzahlspiel. Bremerhaven hat mit über 24 Prozent Erfolgsquote das beste Powerplay der Liga - eine echte Waffe in engen Spielen. Zum Vergleich: Mannheim liegt in dieser Statistik mit rund 14 Prozent auf dem vorletzten Platz.

Dass die Adler trotzdem so erfolgreich sind, liegt vor allem an der Defensive: Mit Felix Brückmann und Dennis Endras stehen zwei ebenbürtige Torhüter im Kader und die Unterzahlquote (92,9 Prozent) sowie die Gegentore (71) sind einsame Ligaspitze.

Kölner Haie: Überleben statt sportlicher Erfolg

In Köln hatte man ganz lange ganz andere Sorgen. Die Haie waren der letzte Klub, der überhaupt die Zusage für eine Saison ohne Zuschauer gegeben hatte - der Anteil an spieltagsbezogenen Einnahmen erschien lange zu groß, um sie auf anderem Wege zu erlösen. Die Kaderplanung lief nicht wie gewünscht, und die Playoffs wurden verpasst. Aber der sportliche Erfolg stand gar nicht an erster Stelle.

Der Geschäftsführer der Kölner Haie, Philipp Walter

Geschäftsführer Philipp Walter ist froh, den Eishockey-Standort Köln am Leben erhalten zu haben: "Unser wirtschaftlicher Plan ist aufgegangen. Es war alles auf Kante genäht und wir sind mit mehreren blauen Augen rausgegangen, aber wir haben die Saison geschafft."

Und damit dürfte der KEC nicht alleine dastehen. Im Eishockey endet das Geschäftsjahr am 30. April, Ende Mai startet das Lizenzierungsverfahren für die neue Saison. Für Walter und die Haie "die nächste Mammutaufgabe, weil wir alle nicht wissen wie es in der Sport- und Veranstaltungsbranche weitergeht."

Ligachef Tripcke erklärt, dass sich die erwarteten, schlechten Finanzzahlen bei den Klubs bestätigt hätten: "Einen solchen Kraftakt schafft man in dieser Dimension kein zweites Mal. Das Lizenzierungsverfahren kann für den einen oder anderen zur Hängepartie werden." Bei der Saisonplanung müsse sehr vorsichtig agiert werden.

Gleiches gilt in den kommenden drei Wochen auch für die Spieler und Verantwortlichen in den Playoffs, um nicht den eigenen sportlichen Erfolg durch ein positives Testergebnis zu riskieren.

red | Stand: 19.04.2021, 10:13

Darstellung: