WADA - neuer Welt-Anti-Doping-Code und neuer Präsident

Witold Banka

Konferenz in Kattowitz

WADA - neuer Welt-Anti-Doping-Code und neuer Präsident

Bei der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kattowitz verabschiedet die WADA einen neuen Welt-Anti-Doping-Code. Erstmals präsentiert sich der designierte Präsident Witold Banka auf großer Bühne.

Bei der 5. Welt-Anti-Doping-Konferenz mit rund 1.500 Teilnehmer im polnischen Kattowitz wird die finale Beratung eines neuen Welt-Anti-Doping-Codes im Mittelpunkt stehen. Es ist das Regelwerk für den internationalen Kampf gegen Doping. Das Gründungskomitee der WADA muss den Kodex billigen. Es wird auch den Polen Witold Banka zum neuen Präsidenten und Nachfolger von Craig Reedie wählen, der Ende des Jahres aus dem Amt scheidet. sportschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist der Welt-Anti-Doping-Code?

Den Welt-Anti-Doping-Code (WADC) zur Harmonisierung der Regeln und Sanktionen im Kampf gegen Doping gibt es seit 2003. Zentraler Aspekt war, grundlegende Werte des Sports wie das Recht der Athleten auf Teilnahme an einem dopingfreien Sport mit Chancengleichheit zu sichern. Um den Veränderungen im organisierten Sport und auch der Dopingpraktiken Rechnung zu tragen, ist der WADC 2009 und 2015 in jeweils geänderten Versionen in Kraft getreten. Der neue WADC wird am 1. Januar 2021 weltweit gültig sein.

Was ist neu am neuen WADA-Kodex?

Insgesamt sind 2.035 Vorschläge bei der WADA eingegangen. Davon werden rund 50 als Änderungen in den neuen Kodex aufgenommen. Zu den Neuheiten gehört die Bestrafung von Personen, die unter anderen Athleten einschüchtern oder bedrohen, Informationen über Dopingverstöße nicht an zuständige Organisationen weiterzugeben. Neu ist auch, dass die Strafe von Athleten, die Vergehen gestehen, von vier auf drei Jahre reduziert werden kann. Zudem wird es ein abgekürztes Verfahren bei Vergehen mit Modedrogen wie Kokain und Cannabis geben. Sie werden mit einer dreimonatigen Sperre geahndet. Bei dem Nachweis der Einnahme im Wettkampf gibt es ein normales Verfahren. Und: Als Beweise bei der Überführung von Dopern werden in Zukunft auch analytische Methoden wie Fingerabdrücke oder DNA-Tests zugelassen.

Wer ist der neue Präsident?

Am 1. Januar 2020 wird der Pole Witold Banka die Nachfolge von Sir Craig Reedie als WADA-Präsident antreten. Der Europarat hatte sich für den Ex-Leichtathleten ausgesprochen, der in Kattowitz vom WADA-Gründungskomitee offiziell gewählt werden muss. Banka ist in der 20-jährigen Geschichte der WADA nach Richard Pound (Kanada), John Fahey (Australien) und Reedie (Schottland) der vierte Präsident. Bisher wurde der Spitzenposten im Wechsel an Vertreter von Sport und Politik vergeben. Nach der Banka-Ära soll ein sogenannter Nominierungsausschuss einen von Regierungen oder Sportorganisationen unabhängigen Präsidenten suchen.

Kampf gegen Doping: Witold Banka wird WADA-Chef

Sportschau 05.11.2019 03:34 Min. Verfügbar bis 05.11.2020 ARD

Was will Banka?

Der designierte WADA-Präsident hat mehr Geld für die Welt-Anti-Doping-Agentur gefordert. "Der Haushalt entspricht nicht den Erwartungen", sagte der Pole bei der Eröffnung der Konferenz am Dienstag (05.11.2019) in Kattowitz: "Wenn die WADA ihre Aufgaben erfüllen und für einen sauberen Sport sorgen soll, brauchen wir ein entsprechendes Budget." 40 Millionen Dollar pro Jahr reichten dafür nicht aus. "Fußballvereine haben mehr Geld", betonte Banka. In seiner Rede unterstrich Banka, dass er sich mit aller Kraft dafür einsetzen wolle, Manipulation und Betrug im Sport nicht zuzulassen. "Ich werde mein Bestes tun, den sauberen Sport zu schützen", versicherte der ehemalige Leichtathlet: "Die neue Ära des Kampfes gegen Doping beginnt heute."

Was sind die aktuellen Maßnahmen der WADA?

Die WADA wird nach der Sperre gegen den umstrittenen Leichtathletik-Coach Alberto Salazar alle Sportler untersuchen, die bei dem 61-Jährigen trainiert haben. Das kündigte der scheidende WADA-Präsident Reedie in der BBC an. "Die einfache Frage ist: Hat eine der Anschuldigungen gegen Salazar dazu geführt, dass Athleten ihre Leistung beeinflusst und sich selbst betrogen haben?", sagte Reedie: "Wir müssen uns das anschauen, und das werden wir tun." Salazar, Cheftrainer des elitären Nike Oregon Projects (NOP), war am 1. Oktober wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen für vier Jahre gesperrt worden. Mitte Oktober beendete Nike das Laufteam. Zu den Schützlingen von Salazar gehörte unter anderem auch der viermalige Olympiasieger Mo Farah aus Großbritannien. Konstanze Klosterhalfen, WM-Dritte über 5.000 Meter, trainierte ebenfalls beim NOP, allerdings eigenen Angaben zufolge nicht bei Salazar, sondern bei Pete Julian.

dpa/sid | Stand: 05.11.2019, 11:43

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