WADA-Präsident vertraut auf russische Unterstützung

Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Craig Reedie

Doping-Skandal

WADA-Präsident vertraut auf russische Unterstützung

Von Nick Butler und Hajo Seppelt

Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Craig Reedie gibt sich zuversichtlich, dass Russland sein Moskauer Anti-Doping-Labor für Inspektoren freigeben wird. Das könnte Dutzende Betrugsfälle ans Licht bringen.

Der taumelnde WADA-Präsident hält es nach eigenem Bekunden für "unvorstellbar", dass Russland bis zur Frist am 31. Dezember nicht alle Informationen offenlegen würde. Das sagte Craig Reedie am Rande eines WADA-Meetings in Aserbaidschans Hauptstadt Baku. Sollte er damit recht behalten, würde das die umstrittene Entscheidung der WADA ein Stück weit rechtfertigen, die russische Anti-Doping-Agentur (RUSADA) zu rehabilitieren. Diese Entscheidung fiel im September, obwohl Russland die Dopingdaten und -proben aus dem Moskauer Kontrolllabor unter Verschluss hielt und bislang leugnet, dass es staatlich gefördertes Doping überhaupt gegeben hat.

Für den 28. November habe der russische Sportminister eine Delegation aus zwei Personen in die russische Hauptstadt eingeladen, so Reedie. Er hofft, dass in den darauffolgenden zwei Wochen eine Untersuchungsgruppe aus Wissenschaftlern, IT-Experten sowie russischen Beobachtern Zugang zum Labor und seinen Daten erhält.

Diese Gruppe sollte dann die gesamten Daten des Kontrolllabors untersuchen dürfen. Darin enthalten sind detaillierte Informationen zu allen gesammelten Testergebnissen. Ein Teil der Informationen des Labor-Informations- und Managementsystem (LIMS) liegt der WADA bereits vor. Doch erst die vollständigen Informationen werden laut WADA genug Informationen liefern, um Dutzende Verdachtsfälle in zahlreichen Sportarten entweder zu beweisen oder zu widerlegen.

Reedie sagte, die Wada verfüge über die "absolute schriftliche Garantie", dass die russischen Behörden Folge leisten werden und dass sie den 31. Dezember als Frist akzeptieren. Er fügte hinzu, er halte es für "unvorstellbar", dass "wir dieses Projekt nicht rechtzeitig abschließen."

Russische Manipulationsversuche dennoch denkbar

Die WADA beharrt darauf, dass jeder Versuch, unvollständige oder gefälschte Daten bereitzustellen, anhand der ihr bereits vorliegenden LIMS-Datensätze überführt werden könnte.

Trotzdem bleiben einige skeptisch, ob die russischen Funktionäre tatsächlich kooperieren werden.  Travis Tygart, Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA), sagte gegenüber der ARD, er glaube nicht daran, dass in der Sache überhaupt etwas vorankommt - und fügte ironisch hinzu: "Es sei denn, plötzlich wird magischer Feenstaub entdeckt." Tygart sagte, er hoffe, dass Reedie in dieser Sache "nicht völlig den Bezug verliert."

Unabhängige Inspektoren sollen bis 31. Dezember dieses Jahres Zugang zu allen Daten des Moskauer Dopingkontrolllabors erhalten

Unabhängige Inspektoren sollen bis 31. Dezember dieses Jahres Zugang zu allen Daten des Moskauer Dopingkontrolllabors erhalten

Sollte Russland die geforderten Daten bis zur vereinbarten Frist nicht vorlegen, wird das Prüf-Komitee der WADA-Exekutive empfehlen, die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA erneut zu suspendieren. Diese Entscheidung würde Russland die Möglichkeit entziehen, Sportveranstaltungen auszutragen. Seit der Rehabilitierung wurden Russland bereits mehrere Austragungen von Sportveranstaltungen zugesprochen, darunter die Volleyball-Weltmeisterschaft der Männer 2022. Fraglich wäre sogar die russische Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020.

Die Entscheidung über eine erneute Suspendierung hängt aber auch von den politischen Verstrickungen der Mitglieder der WADA-Exekutive ab. Als immun gegen den politischen Druck des russischen Regimes dürften im besten Fall die Vertreter der Sportverbände gelten. Sie machen fünfzig Prozent des Gremiums aus.

Athleten kritisieren WADA

Sollte Russland tatsächlich nicht kooperieren und trotzdem nicht vom Weltsport suspendiert werden, dürfte es für die WADA und ihren Präsidenten Reedie schwierig werden, das zu rechtfertigen. Noch immer weigert sich Russland, das Ausmaß des Dopingprogramms bei Sportveranstaltungen wie den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi zuzugeben. Außerdem wird der russische Militärgeheimdienst GRU vom FBI beschuldigt, Anti-Doping-Organisationen, darunter auch die WADA, gehackt zu haben, um falsche Informationen zu streuen.

"Ich begrüße die Zusicherung von Präsident Reedie, dass wir eine hundertprozentige Garantie für den Zugang zu den Proben und Daten im Moskauer Labor erhalten", sagte WADA-Vizepräsidentin Linda Helleland, die als Kritikerin Reedies gilt und sich gegen eine russische Rehabilitierung aussprach.

Gegenüber der ARD fügte die norwegische Politikerin hinzu, die gesamte Anti-Doping-Gemeinschaft "freut sich auf die Bestätigung der Echtheit dessen, was von den russischen Beamten bis zum 31. Dezember geliefert wird."

Stand: 17.11.2018, 14:13

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