Russland streitet Daten-Manipulation ab

Das Gebäude der RUSADA

Doping-Affäre

Russland streitet Daten-Manipulation ab

Der russische Sportminister Pawel Kolobkow will nichts davon wissen, falsche Daten zur Dopingaffäre geliefert zu haben. Damit geraten die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und ihr neu gewählter Präsident Witold Banka unter Druck.

Der neue WADA-Präsident Witold Banka war noch gar nicht gewählt, da ging Russland schon auf Konfrontationskurs. Noch bevor die Welt-Anti-Doping-Agentur am Donnerstag (07.11.2019) in Kattowitz den Polen offiziell zum Nachfolger des umstrittenen Craig Reedie kürte, stritt die in Verruf geratene Sport-Großmacht jegliche Manipulationen in der Daten-Affäre vehement ab.

"Unsere Experten sagen, dass nichts gelöscht worden ist. Die Manipulationen, von denen der RUSADA-Chef Juri Ganus spricht, gab es nicht. Das ist unsere Position", erklärte Russlands Sportminister Pawel Kolobkow am Donnerstag und machte "technische Probleme" verantwortlich. "Beim nächsten Treffen von Computerexperten werden diese Fragen geklärt."

Die WADA zweifelt an der Echtheit der Daten aus dem Moskauer Labor, die das Ausmaß des institutionalisierten Dopingprogramms im Zeitraum von 2012 bis 2015 belegen sollen. Konkret sollen nach Angaben des Vorsitzenden des zuständigen WADA-Gremiums, Jonathan Taylor, positive Dopingtests gelöscht worden sein.

RUSADA-Chef Ganus weiterhin skeptisch

Selbst RUSADA-Chef Juri Ganus hatte sich zuletzt kritisch gegenüber den Sportfunktionären in Russland gezeigt und erklärt, er glaube an einen bewussten Vertuschungsversuch. "Als ich die Dokumente erhalten habe, war ich schockiert", sagte Ganus: "Denn die Anzahl und der Umfang dieser Änderungen sind unglaublich." Er glaube an einen bewussten Vertuschungsversuch. Die Veränderungen der Daten seien "groß und signifikant", daher könne dies "kein Zufall" sein.

Auf die Äußerungen Kolobkows angesprochen, sagte er am Donnerstag: "Ich habe die Dokumente und Fragen der WADA gesehen. Ich sehe keine Möglichkeit (für Russland, d. Red.), diese Fragen (in angemessener Form) zu beantworten."

Auch ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt geht hart ins Gericht mit dem russischen Sportminister: "Nach all dem was ich aus gut unterrichteten Kreisen der WADA höre, besteht kein Zweifel daran, dass Daten manipuliert worden sind. Die Aussage von Kolobkow klingt wie eine typische Schutzbehauptung, wie wir sie aus Russland schon öfter gehört haben."

Sportminister glaubt an russisches Olympiateam

Das WADA-Verfahren gegen die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA, an dessen Ende sogar ein Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Tokio stehen könnte, soll Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Ungeachtet der möglichen Konsequenzen glaubt Kolobkow an ein russisches Olympiateam in Tokio mit rund 400 Sportlern. Man könne "gute Resultate erwarten, weil unsere Athleten sich in den vergangenen vier Jahren gut vorbereitet haben. Unsere Pläne für Olympia sind fertig", sagte er.

ARD-Doping-Experte Seppelt: Banka muss sich positionieren

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Dopingskandal der erste Härtetest für den neuen WADA-Chef Witold Banka sein wird, auch wenn der polnische Sportminister offiziell sein neues Amt erst am 1. Januar antreten wird. Sollte sich der 35 Jahre alte ehemalige Leichtathlet überhaupt Hoffnungen auf einen ruhigen Start gemacht haben, er dürfte sich spätestens am Donnerstag davon verabschiedet haben.

Am 9. Dezember soll die Exekutive der WADA, der Banka angehört, eine Entscheidung über mögliche Sanktionen gegen die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA treffen. Diese könnten bis hin zu einem Olympia-Ausschluss reichen. "Wenn sich die Manipulation bestätigt, muss die Reaktion hart sein", sagte Banka am Donnerstag.

Bei einer harten Strafe wird Russland mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen. Und wenn sich die WADA erneut nachsichtig zeigt, dürfte die ohnehin schon geschwundene Glaubwürdigkeit weiter leiden.

"Das ist ein echter Lackmustest für Banka. Bislang hat er sich noch nicht stark positioniert gegenüber Russland. Aber es war ja lange Zeit Wahlkampf für ihn. Nun wird man sehen, ob er als Präsident einen anderen Kurs einschlägt als Craig Reedie, der mitunter einen Schmusekurs gefahren hat in den vergangenen Jahren", sagt ARD-Doping-Experte Seppelt. Bankas Vorgänger Reedie wurde stets eine zu große Nähe zum Kreml angekreidet.

Es fehlt Geld im Anti-Dopingkampf

Spannend dürfte auch sein, wie Banka die Finanzen der WADA verbessern will. Sein nicht gerade neuer Vorschlag, Geld von Sponsoren einzutreiben, dürfte schwierig umzusetzen sein. Von Appellen an ihre soziale Verantwortung zeigen sich milliardenschwere Großkonzerne normalerweise nur mittelmäßig beeindruckt.

2016 verlor beispielsweise die deutsche Nationale Anti Doping Agentur in Adidas den letzten Sponsor aus der Wirtschaft, erst vor kurzem verkündete man die Zusammenarbeit mit der Firma Kivanta, ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf von Trinkflaschen geht in den Anti-Doping-Kampf. Riesige Erlöse dürfte dies aber nicht bringen.

sid, dpa, red | Stand: 07.11.2019, 19:00

Darstellung: