Scharfe Kritik an Wiederaufnahme der Rusada

Ausschuss der WADA empfiehlt Rückkehr

Scharfe Kritik an Wiederaufnahme der Rusada

Die sich abzeichnende Wiederaufnahme Russlands in die Anti-Doping-Familie hat weltweit für Kritik gesorgt. Auch in Deutschland stießen die Empfehlung des unabhängigen Prüfungsausschusses und die undurchsichtigen Vorgänge auf Unverständnis bei der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) und Athletenvertretern.

"Die Entscheidung der WADA kommt für uns sehr überraschend. Sie ist aus Sicht der NADA nicht nachvollziehbar", teilte die NADA mit. Noch am Dienstag (11.09.2018) hätten die Vertreter der WADA eine andere Position vertreten. Es sei zu diesem Zeitpunkt "noch sehr deutlich die Rede davon" gewesen, dass das Compliance Review Committee (CRC) der WADA die Aufrechterhaltung der Suspendierung weiterhin empfiehlt.

Dinge "über Nacht" geändert?

Die beiden wesentlichen Punkte - öffentliche und vollumfängliche Anerkennung des McLaren-Reports sowie der uneingeschränkte Zugang zum Moskauer Labor - seien bis dato nicht erfüllt gewesen und das Votum des CRC "somit klar", schrieb die NADA.

"Mit Erstaunen nehmen wir zur Kenntnis, dass sich nun aber über Nacht die Dinge geändert haben", hieß es weiter. Silke Kassner, stellvertretende Vorsitzende der DOSB-Athletenkommission und von Athleten Deutschland e.V., forderte das Foundation Board der WADA "dringend auf", die Entscheidung in der Causa Russland zu vertagen. "Wir erwarten Haltung von der WADA und dass sie ihre Kriterien nicht aufweicht", sagte Kassner. Wenn die WADA von ihren ursprünglichen Forderungen abweiche, mache sie sich unglaubwürdig.

"Das stinkt zum Himmel"

Regelrecht bestürzt war Travis Tygart, der Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA. "Ganz ehrlich, das stinkt zum Himmel", sagte Tygart: "Die Interessen einer Handvoll Sportfunktionäre werden über die Rechte von Millionen sauberer Athleten gestellt."

Travis Tygart

Travis Tygart

Die WADA hatte zuvor überraschend mitgeteilt, dass der CRC empfohlen habe, die RUSADA nach drei Jahren wieder aufzunehmen. Demnach habe der CRC kurz zuvor einen Brief vom russischen Sportministerium erhalten, in dem die Ergebnisse des McLaren-Reports über russisches Staatsdoping offenbar nun doch vollständig anerkannt worden sind.

Briefwechsel zwischen Russen und WADA

Zudem gebe es einen konkreten Zeitplan für die Bewilligung des Zugangs zum Moskauer Anti-Doping-Labor und den darin befindlichen Proben. Aus einem Schreiben von WADA-Chef Craig Reedie und Generaldirektor Olivier Niggli an Russlands Sportminister Pawel Kolobkow vom 22. Juni, das die BBC veröffentlichte, geht hervor, dass die WADA zugunsten der Russen von ihrer ursprünglichen harten Marschroute abgewichen ist und Russland vor allem beim Kriterium Zugang zum Moskauer Dopinglabor Zugeständnisse gemacht hat.

Die ARD veröffentlichte am Samstag Kolobkows Antwortschreiben, in welchem der russische Minister erklärt, mit der WADA-Vorgehensweise einverstanden zu sein.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 15.09., ab 22.50 Uhr

sid | Stand: 15.09.2018, 19:02

Darstellung: