Leichtathletik - Verband will Doping sichtbarer machen

Leichtathletik-Präsident Sebastian Coe

Transparenzoffensive der IAAF

Leichtathletik - Verband will Doping sichtbarer machen

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF kämpft nach dem Doping- und Korruptionsskandal mit einer bemerkenswerten Transparenzoffensive um mehr Glaubwürdigkeit und hat auch im Fall der Olympiasiegerin Ruth Jebet für Klarheit gesorgt.

Wie die unabhängige Integritätskommission AIU der IAAF am Freitag (20.07.2018) mitteilte, droht der Olympiasiegerin und Weltrekordlerin über 3000 m Hindernis ebenso wie insgesamt rund 100 Sportlern eine Sperre wegen eines möglichen Dopingvergehens.

Nach Angaben der AIU ist das von IAAF-Präsident Sebastian Coe ins Leben gerufene Gremium seit April 2017 in 120 Fällen tätig geworden. Bis auf zwei Untersuchungen stünden alle Verfahren im Zusammenhang mit Doping. In elf Fällen seien die Sperren bereits abgelaufen. Betroffen sind insgesamt 103 Sportler, die zusammen 85 Medaillen bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften gewonnen haben, 13 weitere international startende Athleten sowie vier Offizielle. In 57 Fällen ist Russland involviert.

Jebet provisorisch suspendiert

Unter Dopingverdacht steht dabei auch Jebet. Bereits im März hatte die englische Tageszeitung "The Guardian" von einem positiven Dopingtest der für Bahrain startenden gebürtigen Kenianerin berichtet. Nun bestätigte die AIU erstmals, dass Jebet provisorisch suspendiert ist. Die Veröffentlichung ist Teil einer Transparenzoffensive der AIU. Bisher wurden lediglich abgeschlossene Fälle veröffentlicht, nun sollen transparent alle Schritte der jeweiligen Disziplinarverfahren nachvollziehbar sein.

Die Einleitung eines Verfahren bedeutet allerdings nicht, dass der jeweilige Sportler schuldig ist. "Transparenz und Integrität gehen Hand in Hand. Die unabhängige Integritätskommission glaubt, dass die Transparenzmaßnahmen dabei helfen werden, größeres öffentliches Vertrauen in die Integrität der Leichtathletik und in die Arbeit der AIU herzustellen", sagte der AIU-Vorsitzende David Howman.

Reaktion auf Skandal innerhalb des Verbandes

Nach dem Doping- und Korruptionsskandal im Weltverband IAAF war die Schaffung der AIU eines der Herzstücke des 15-Punkte-Reformprogramms von Coe. Das Gremium ist verbandsunabhängig für die Themen Doping, Manipulation, Korruption sowie Interessenkonflikte zuständig. Das jetzige Vorgehen sei, so die AIU, von den zuständigen Stellen für Datenschutz genehmigt worden.

"Bisher hat die IAAF nur Informationen veröffentlicht, wenn sie endgültig und bindend waren - aber ein Disziplinarverfahren kann bis zu vier Jahre dauern", sagte der operative Leiter der AIU, Brett Clothier, dem "Guardian": "Die Rückmeldungen der Athleten und der Öffentlichkeit war, dass sie es gehasst haben, wenn Personen plötzlich verschwanden - und niemand wusste, warum." Man sei allerdings, so Clothier, erst am Anfang der Mission, das Ansehen der Leichtathletik wiederherzustellen. "Es ist noch viel Arbeit zu erledigen", sagte der Australier.

DLV positioniert sich vor der EM im Anti-Doping-Kampf

Sportschau | 22.07.2018 | 02:14 Min.

Stand: 20.07.2018, 15:09

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