Russlands Leichtathletik-Präsident vorläufig gesperrt

Dmitri Schljachtin, Präsident des russischen Leichtahtletikverbandes

Verdacht auf Sabotage und Komplizenschaft

Russlands Leichtathletik-Präsident vorläufig gesperrt

Die unabhängige Integritätskommission AIU des Leichtathletik-Weltverband IAAF hat am Donnerstag (21.11.2019) wegen "ernsthafter Verstöße" gegen die Anti-Doping-Richtlinien Anklage gegen den russischen Verband RUSAF erhoben.

Sieben Personen, darunter Weltklasse-Hochspringer Danil Lysenko und RUSAF-Präsident Dimitri Schljachtin, wurden mit sofortiger Wirkung vorläufig gesperrt. Die Offiziellen sollen Ermittlungen behindert und "nicht kooperiert" haben. Grundlage der Entscheidung ist das Verhalten der Personen während der Untersuchung möglicher Verstöße gegen die Meldeauflagen des ehemaligen WM-Zweiten Danil Lysenko. Zudem wurden die Beschuldigten, zu denen auch Lysenkos Trainer Jewgenij Sagorulko und RUSAF-Geschäftsführer Alexander Parkin gehören, wegen des Verdachts der Sabotage und/oder der Komplizenschaft angeklagt.

"Ergebnis 15-monatiger AIU-Untersuchung"

Die harten Schritte seien das Ergebnis einer 15-monatigen AIU-Untersuchung, hieß es in einer Mitteilung. Diese sei zu dem Schluss gekommen, dass "RUSAF-Offizielle an der Beschaffung falscher Erklärungen und gefälschter Dokumente" beteiligt gewesen sind, mit denen die Verstöße Lysenkos gegen die Meldeauflagen erklärt werden sollten. Medaillenkandidat Lysenko war unmittelbar vor der EM 2018 in Berlin suspendiert worden, weil er den Dopingermittlern seine Aufenthaltsorte für mögliche Tests nicht genannt hatte.

Unter anderem sollen Offizielle versucht haben, dem Hallen-Weltmeister mit illegalen Tricks zu helfen. So sollen Dokumente verfasst worden sein, die belegen, dass Lysenko zu krank gewesen sei, um sich ordnungsgemäß abzumelden. Diese Dokumente stammen angeblich von Ärzten, die es gar nicht gebe und die in einer Scheinklinik in Moskau gearbeitet haben sollen.

Schljachtin kündigt Rücktritt an

Schljachtin kündigte in einer ersten Reaktion seinen Rücktritt als Verbandspräsident an. Alle Beschuldigten würden bis zum 12. Dezember gegenüber der AIU zu den Vorwürfen Stellung nehmen. "Wir werden so schnell wie möglich ein Treffen organisieren, um alle Fragen rund um meinen Rücktritt sowie die Wahl eines Interims-Präsidenten zu beantworten", sagte er. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern.

RUSAF: Sperren werden überprüft

RUSAF-Sprecherin Natalja Jucharewa hatte in einer ersten Reaktion betont, die Sperren seien vorläufig und würden nun überprüft. "Wir haben die Dokumente erst heute erhalten. Unsere Anwälte untersuchen die Umstände des Falls und die erhobenen Vorwürfe. Die Sperre ist provisorisch, die Untersuchung geht weiter und die Einzelheiten sind vertraulich", sagte Jucharewa.

Russlands Leichtathleten sind seit dem 13. November 2015 international gesperrt, einzelne Sportler können aber per Ausnahmegenehmigung eine Starterlaubnis als neutrale Athleten beantragen. Bei der WM 2017 hatte Lysenko die Silbermedaille gewonnen. Der Verband hat bis zum 12. Dezember Zeit für eine Antwort.

sid | Stand: 21.11.2019, 20:43

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