Wie die FIFA bei der WM auf Doping testet

Dopingkontrollen bei der WM in Russland

Geheimsache Doping

Wie die FIFA bei der WM auf Doping testet

Von Hajo Seppelt und Jost Samson

Der Fußball wird gefeiert – und er feiert sich wieder mal selbst. Bei der Weltmeisterschaft in Russland strahlt die populärste Sportart der Welt in leuchtenden Farben. Aber der Weltverband FIFA lässt niemanden hinter die Kulissen schauen, schon gar nicht wenn es um die Doping-Tests geht. Tests, Transporte, Kontrolluntersuchungen – die FIFA macht alles selbst.

War bei früheren Weltmeisterschaften noch die Welt-Anti-Doping-Agentur in "unabhängiger Beobachter-Mission" vor Ort dabei, lässt der mächtige Fußball-Weltverband FIFA in Russland keinen Blick hinter die Kulissen zu. Es gibt keine Unabhängigkeit – Überprüfung durch externe Experten ist nicht zugelassen. Kritik an dieser FIFA-Praxis wird immer lauter.

Zum Beispiel vom ehemaligen Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard Pound. "Der Fußball hat seine Einstellung zu Doping nicht geändert, leugnet es. Sie wollen nicht die nötigen Schritte unternehmen, den Fußball so sauber wie möglich zu machen." Die Mär vom angeblich so sauberen Fußball wird von vielen Experten angezweifelt. Würden mehr Doper erwischt, wenn nur genauer hingeschaut und kontrolliert wird? Die aktuellste WADA-Statistik aus dem Jahr 2016 zeigt, dass 79 Fußball-Doper entlarvt wurden – gesicherte Zahlen, die belegen, dass auch im Fußball chemisch manipuliert wird.

Insider warnt: Tests reichen nicht aus

Das Geschäft mit verbotenen Substanzen betrieb früher auch Angel Heredia. Einst Doping-Dealer in der Leichtathletik, danach Kronzeuge der US-Justiz. Heute spricht er sich klar gegen Doping aus. Heredia hat immer noch Einblicke hinter die Kulissen des Weltsports – auch ins globale Fußball-Business.

Er warnt: "Es gibt eine Menge Wege, wie Fußballer es machen. Es gibt viele Drogen, wie EPO. Es gibt beliebte Cocktails bei einigen Spielern. Und da es nicht wirklich genügend Tests gibt, kommen die Athleten davon. Sie haben Leute im Hintergrund, die ihnen beim Betrügen helfen. Die Frage ist also, testet die FIFA genug. Ich glaube, Sie wissen, was da los ist. Sie kennen das Ausmaß des Dopings im Fußball. Und wenn sie wirklich strengere Kontrollen durchsetzen würden, gäbe es viele positive Tests bei der WM und eine Menge Unannehmlichkeiten. Und das will keiner, verstehen Sie?"

Dass Fußballer nicht umfassend getestet werden, belegt auch das WADA-Dokument zu spezifischen Analysen in bestimmten Sportarten (TDSSA) aus dem Jahr 2017. Demnach werden im Fußball und etlichen anderen Sportarten Tests auf hochwirksame Dopingsubstanzen gar nicht vollumfänglich durchgeführt. Andrea Gotzmann, Chefin der nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), klärt auf. "Im Radsport werden 60 Prozent der Proben auf EPO getestet, ebenso im Biathlon, Skilanglauf und den Ausdauer-Disziplinen der Leichtathletik. Im Fußball sind es nur 10 Prozent."

Laut FIFA deutlich mehr Tests

Auf Nachfrage hat die FIFA jetzt mitgeteilt, dass sie sich bei dieser Weltmeisterschaft nicht nur an die TDSSA-Vorgaben hält, sondern ausnahmsweise alle Proben auf Wachstumshormon und Peptide testet. Darüber hinaus sollen in Russland mehr als zehn Prozent auf EPO geprüft werden. Wie viele genau verrät die FIFA aber nicht.

Die FIFA will sich bei den Dopingkontrollen offenbar nicht in die Karten schauen lassen: Drehgenehmigungen werden nicht erteilt, Interviewanfragen nur oberflächlich beantwortet. Kritiker bemängeln dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Gastgeberland nach dem russischen Dopingskandal noch immer kein von der WADA anerkanntes Kontrolllabor aufweisen kann.

Offen für Nachfragen zeigt sich derzeit hingegen das Schweizer Unternehmen Berlinger, Produzent der weltweit benutzten Dopingprobenbehälter. Nach ARD-Recherchen im Januar, die gezeigt hatten, dass diese Kontrollflaschen manipulierbar und sogar kopierbar waren, stand die Firma schwer in der Kritik. Berlinger-Mediensprecher Hans Klaus sagt nun, die Probenbehälter wurden inzwischen erheblich verbessert: "Es gibt seit diesem Winter auch noch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Leider kann man darüber nicht sprechen, sonst wären es keine Sicherheitsfeatures mehr. Aber gerade im Bereich der Fälschungssicherheit der Flaschen wurde diese, die jetzt im Einsatz ist, noch einmal entscheidend verbessert." Klaus teilt mit, dass genau diese Flaschen nun bei der WM benutzt werden.

Eine WM-Luftbrücke für Dopingproben

Das Dopingtest-Programm bei der WM stellt die Beteiligten vor gigantische logistische Herausforderungen – nicht nur wegen der enormen Entfernungen zwischen den Spielorten im größten Land der Welt. Aufgrund der derzeitigen Nicht-Zulassung des Moskauer Kontrolllabors müssen alle Proben nach Lausanne in das dortige Labor transportiert werden. Alle Analysen von Blut- und Urinproben der Spieler, die an der WM teilnehmen, werden ausschließlich dort durchgeführt. Die Luftbrücke für Dopingproben dürfte der FIFA erhebliche Zusatzkosten bescheren.

Stand: 11.07.2018, 16:27

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