Doping: WADA sperrt Russland für vier Jahre

Doping - Russland wird für vier Jahre gesperrt Tagesschau 09.12.2019 01:38 Min. Verfügbar bis 09.12.2020 Das Erste

Dopingskandal

Doping: WADA sperrt Russland für vier Jahre

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat im Skandal um manipulierte Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor eine Vierjahressperre gegen Russland verhängt.

Das WADA-Exekutivkomitee folgte am Montag (09.12.2019) in Lausanne einstimmig und vollumfänglich einer Empfehlung der unabhängigen Prüfkommission CRC. Das bestätigte ein WADA-Sprecher.

Russische Athleten dürfen vier Jahre lang nicht unter der russischen Fahne, sondern nur als neutrale Sportler starten. Sie müssen zudem nachweisen, dass sie nicht von dem Skandal betroffen sind.

Damit darf Russland als Nation unter anderem nicht an den beiden Olympischen Spielen in Tokio 2020 (Sommer) und Peking 2022 (Winter) teilnehmen. Ferner betroffen sind die Olympischen Jugendspiele und Weltmeisterschaften von Sportarten, die den WADA-Code unterschrieben haben, sowie sogenannte Major-Sport-Events.

WADA sperrt Russland als ganze Sportnation

Sportschau 09.12.2019 01:43 Min. Verfügbar bis 09.12.2020 Das Erste

Russland muss auch bei Fußball-WM 2022 neutral antreten

Auch die Fußball-WM 2022 in Katar gehört dazu: Da sich der Weltverband dem WADA-Code unterworfen hat, muss er dem Urteil Rechnung tragen. Gemäß der WADA-Entscheidung müssten die Russen bei der WM 2022 in Katar unter neutraler Flagge teilnehmen, falls sich die Mannschaft qualifiziert.

"Es würde nur ein Team mit neutralen Spielern und ohne Flagge antreten", bekräftigte Jonathan Taylor, Leiter der Prüfkommission CRC. "Die FIFA ist in Kontakt mit der WADA und der Vereinigung der olympischen Sommersportverbände, um das Ausmaß der Entscheidung in Bezug auf den Fußball zu klären", teilte der Weltverband auf Anfrage mit.

Die EM 2020 ist dagegen von der vierjährigen Sperre nicht betroffen, da es sich laut WADA um "ein regionales/kontinentales Sportereignis" handelt. Dies trifft demnach auch auf das Champions-League-Finale 2021 in St. Petersburg zu.

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ARD-Doping-Experte Seppelt – WADA-Entscheidung betrifft auch Fußball-WM 2022 Sportschau 09.12.2019 02:25 Min. Verfügbar bis 09.12.2020 Das Erste

Russland will Einspruch gegen Entscheidung einlegen

Russland kündigte an, gegen die Strafen Einspruch einlegen zu wollen. Russland werde für seine Sportler kämpfen, sagte die Parlamentsabgeordnete Swetlana Schurowa der Agentur "Interfax" zufolge. Russland werde die Strafen beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne anfechten, sagte der Parlamentsabgeordnete Dmitri Swischtschow vom Sportausschuss der Staatsduma.

RUSADA wird aus der WADA ausgeschlossen

Die Sanktionen gegen Russland umfassen einen ganzen Strafenkatalog. So wird die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA auch erneut aus der WADA ausgeschlossen. Russland darf zudem sportliche Großereignisse wie Olympische und Paralympische Spiele nicht ausrichten oder sich um diese bewerben.

Bereits an das Land vergebene Welttitelkämpfe sollen entzogen werden. Betroffen davon sein könnten unter anderen die Rodel-WM im Februar 2020 in Sotschi, die für 2022 nach Russland vergebene Volleyball-WM, die Kurzbahn-WM der Schwimmer in Kazan sowie die Eishockey-WM 2023 in St. Petersburg.

Tausende Daten gelöscht oder manipuliert

Hintergrund ist der Streit um manipulierte Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor. Forensische Untersuchungen durch WADA-Experten hatten ergeben, dass die Dopingdaten von 2012 bis 2015 "weder vollständig noch vollständig authentisch" sind.

Dies konnte im Vergleich mit einer der WADA 2017 von einem Whistleblower zugespielten Datenkopie nachgewiesen werden. Dabei hat Russland nach WADA-Angaben "hunderte von mutmaßlichen nachteiligen Analyseergebnissen gelöscht oder geändert". Dabei sollen 145 mutmaßliche Doping-Fälle vertuscht oder verfälscht worden sein.

Bereits bei den Winterspielen in Pyeongchang 2018 durfte Russland keine eigene Mannschaft stellen. Letztlich gingen 168 Sportler als "Olympic Athletes from Russia" an den Start.

Doping-Experte Hajo Seppelt: "Man sieht es als Attacke des Westens" Sportschau 09.12.2019 02:54 Min. Verfügbar bis 09.12.2020 Das Erste

red/sid/dpa | Stand: 09.12.2019, 11:30

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