Doping: RUSADA legt Einspruch gegen Sperre ein

Die Olympische und die Russische Flagge

Dopingskandal

Doping: RUSADA legt Einspruch gegen Sperre ein

Die russische Antidoping-Agentur (RUSADA) legt beim Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch gegen den Ausschluss von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften in den nächsten vier Jahren ein.

Das beschloss der Aufsichtsrat der RUSADA am Donnerstag (19.12.2019). Damit kommt es sehr wahrscheinlich zu einem monatelangen juristischen Tauziehen, das bis zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 dauern könnte. Die RUSADA hat bis zum 30. Dezember Zeit, den Einspruch offiziell einzureichen. "Wir haben entschieden, der WADA-Entscheidung nicht zuzustimmen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Iwlew: "Wir glauben, dass unsere Argumente stark genug sind, aber ich werde keine Prognose abgeben."

Russlands Staatspräsident Wladimir Putin hatte kurz zuvor die Strafe gegen das Riesenreich als "politisch motiviert" bezeichnet. Die Sanktionen seien "unfair" erklärte der Kreml-Chef, die WADA-Entscheidung verstoße "gegen den gesunden Menschenverstand". Die Mehrheit der Sportler in Russland sei sauber. Russland werde deshalb alles dafür tun, damit seine Sportler bei den Olympischen Spielen unter ihrer nationalen Flagge antreten könnten.

Seppelt zu Russland – "Einspruch kommt nicht überraschend" Sportschau 19.12.2019 01:08 Min. Verfügbar bis 19.12.2020 Das Erste

WADA sprach Strafe gegen Russland aus

Das WADA-Exekutivkomitee hatte am 9. Dezember 2019 bei seiner Sitzung in Lausanne die von der WADA-Prüfkommission (CRC) geforderte Sperre Russlands bestätigt. Russische Athleten dürfen demnach vier Jahre lang nicht unter der russischen Fahne, sondern nur als neutrale Sportler starten. Sie müssen zudem nachweisen, dass sie nicht von dem Skandal betroffen sind.

Doping - Russland wird für vier Jahre gesperrt Tagesschau 09.12.2019 01:38 Min. Verfügbar bis 09.12.2020 Das Erste

Damit darf Russland, wenn die Strafe in Kraft tritt, als Nation unter anderem nicht an den beiden Olympischen Spielen in Tokio 2020 (Sommer) und Peking 2022 (Winter) teilnehmen. Ferner betroffen sind die Olympischen Jugendspiele und Weltmeisterschaften von Sportarten, die den WADA-Code unterschrieben haben, sowie sogenannte Major-Sport-Events.

Russland muss auch bei Fußball-WM 2022 neutral antreten

Auch die Fußball-WM 2022 in Katar gehört dazu: Da sich der Weltverband dem WADA-Code unterworfen hat, muss er dem Urteil Rechnung tragen. Gemäß der WADA-Entscheidung müssten die Russen bei der WM 2022 in Katar unter neutraler Flagge teilnehmen, falls sich die Mannschaft qualifiziert.

"Es würde nur ein Team mit neutralen Spielern und ohne Flagge antreten", bekräftigte Jonathan Taylor, Leiter der Prüfkommission CRC. "Die FIFA ist in Kontakt mit der WADA und der Vereinigung der olympischen Sommersportverbände, um das Ausmaß der Entscheidung in Bezug auf den Fußball zu klären", teilte der Weltverband auf Anfrage mit.

Die EM 2020 ist dagegen von der vierjährigen Sperre nicht betroffen, da es sich laut WADA um "ein regionales/kontinentales Sportereignis" handelt. Dies trifft demnach auch auf das Champions-League-Finale 2021 in St. Petersburg zu.

RUSADA wird aus der WADA ausgeschlossen

Die Sanktionen gegen Russland umfassen einen ganzen Strafenkatalog. So wird die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA auch erneut aus der WADA ausgeschlossen. Russland darf zudem sportliche Großereignisse wie Olympische und Paralympische Spiele nicht ausrichten oder sich um diese bewerben.

Bereits an das Land vergebene Welttitelkämpfe sollen entzogen werden. Betroffen davon sein könnten unter anderen die Rodel-WM im Februar 2020 in Sotschi, die für 2022 nach Russland vergebene Volleyball-WM, die Kurzbahn-WM der Schwimmer in Kazan sowie die Eishockey-WM 2023 in St. Petersburg.

Tausende Daten gelöscht oder manipuliert

Hintergrund ist der Streit um manipulierte Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor. Forensische Untersuchungen durch WADA-Experten hatten ergeben, dass die Dopingdaten von 2012 bis 2015 "weder vollständig noch vollständig authentisch" sind.

Dies konnte im Vergleich mit einer der WADA 2017 von einem Whistleblower zugespielten Datenkopie nachgewiesen werden. Dabei hat Russland nach WADA-Angaben "hunderte von mutmaßlichen nachteiligen Analyseergebnissen gelöscht oder geändert". Dabei sollen 145 mutmaßliche Doping-Fälle vertuscht oder verfälscht worden sein.

Bereits bei den Winterspielen in Pyeongchang 2018 durfte Russland keine eigene Mannschaft stellen. Letztlich gingen 168 Sportler als "Olympic Athletes from Russia" an den Start.

Doping-Experte Hajo Seppelt: "Man sieht es als Attacke des Westens" Sportschau 09.12.2019 02:54 Min. Verfügbar bis 09.12.2020 Das Erste

red/sid/dpa | Stand: 19.12.2019, 09:29

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